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Nonne: Nicht nur eine Frage des Geldes

Wohnraum für Studierende Nonne: Nicht nur eine Frage des Geldes

Universität und Studentenwerk rechnen damit, dass ab Herbst mehrere hundert Zimmer und Wohnungen in Marburg benötigt werden.

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Im Studentendorf im Waldtal entstehen bis zum Herbst 49 Studentenzimmer im Max-Kade-Zentrum.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Um bis zu 1000 wird die Zahl der Studierenden im Wintersemester steigen - und Uni-Kanzler Dr. Friedhelm Nonne rechnet damit, dass die dann erreichte Zahl von bis zu 24000 Studierenden in den kommenden zehn Jahren nicht nennenswert sinken wird.

Nonne weist allerdings auch darauf hin, dass ein Plus von 1000 Studierenden nicht gleichzusetzen ist mit einem Mehrbedarf an Wohnraum für 1000 Menschen: Neben einer wachsenden Zahl von Erstsemestern ist nämlich auch eine wachsende Zahl von Studierenden im hohen Semester für die Zunahme verantwortlich.

„Diese Personengruppe ist aber mit Wohnraum in der Regel versorgt“, so der Unikanzler im Gespräch mit der OP.

Gleichwohl bleibt ein Mehrbedarf an studentischem Wohnraum für den Herbst, der sich in der Größenordnung mehrerer hundert Wohnungen oder Zimmer bewegt. Nonne arbeitet deswegen in der Lenkungsgruppe „studentischer Wohnraum“ mit, der bei der Auftaktveranstaltung des „Runden Tischs Wohnungsnot“ ins Leben gerufen worden ist.

Einen, wenn auch kleinen, Teil des Zusatzbedarfs wird das Studentenwerk decken. Sprecherin Franziska Busch teilte der OP auf Nachfrage mit, dass das Max-Kade-Zentrum im Studentendorf in der Geschwister-Scholl-Straße bis zum Spätherbst bezugsfertig sein wird. Dort entstehen 49 Wohnheimplätze. In der Ritterstraße nach dem Umbau des Studentenwohnheims 36 weitere, behindertengerechte, Plätze.

Stadtteile und Umland einbeziehen

Weitergehende Pläne des Studentenwerks sind noch Zukunftsmusik. So gibt es nichts Neues bezüglich des Planes, auf dem Gelände des früheren Arbeitsgerichts einen Neubau zu errichten. Nonne setzt angesichts der Situation vor allem auf zwei Strategien:

  • „Wir müssen die Stadtteile außerhalb der Innenstadt und das Umland attraktiver auch für Studierende machen“, sagt der Uni-Kanzler. Er denkt vor allem an den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs. Wenn Stadtteile und Umlandgemeinde flexibler erreichbar wären - auch am späten Abend - , gebe es keinen Grund, dort nicht zu wohnen, sagt Nonne. Er selbst hat von Studierenden gehört, die täglich aus Schwalmstadt mit der Bahn nach Marburg kommen., „Alle Gemeinden, die an der Schiene liegen, sind für Studierende leicht erreichbar“, sagt Nonne und hofft auf einen ähnlichen Effekt beim nicht schienengebundenen Verkehr.
  • „Vielfach sind Wohnungen in der Innenstadt für ihre Bewohner zu groß geworden“, weiß Nonne und unterstützt deswegen die Bemühungen der Stadt, Umbauten zu fördern, damit die Wohnungseigentümer ein Studentenzimmer schaffen und vermieten könnten (die OP berichtete). Nonne weiß aber auch, dass dies für viele Menschen nicht nur eine Frage des Geldes ist. „Man muss Vertrauen schaffen“, sagt der Uni-Kanzler: Viele Menschen, zumal ältere, fürchteten möglicherweise, ihre eigene Privatsphäre werde eingeengt, wenn ein „Fremder“ in der eigenen Wohnung mitwohnt. Zudem gebe es Bedenken, was in Fällen geschehe, in denen das Zusammenleben tatsächlich nicht funktioniert. „Das sind auch mietrechtliche Fragen.“
  • Schon oft, erinnert schließlich der Unikanzler, gab es in der Geschichte der Alma Mater Philippina einen hohen Bedarf an studentischem Wohnraum. In der Vergangenheit wurde er dadurch gedeckt, dass die Marburgerinnen und Marburger einen Studenten zur Untermiete aufnahmen - Familienanschluss und warmes Essen in vielen Fällen inbegriffen. „Vielleicht müsste man ein Stück für die Untermiete als Wohnform werben“, sagt Nonne. Das Studentenwerk bewirbt ein ähnliches Projekt unter dem Namen „Wohnen für Hilfe“: Studierende wohnen bei Privatleuten und arbeiten die Miete oder einen Teil davon im Gegenzug bei der Haus- oder Gartenarbeit ab. „Davon haben alle etwas“, ist Nonne überzeugt.

Angesichts der anhaltend hohen Zahl von fast 500.000 Studienberechtigten, wie sie das Statistische Bundesamt jetzt für das Jahr 2012 meldet, wiederholt das Deutsche Studentenwerk (DSW), der Dachverband der Studentenwerke, seine Forderung nach einem gemeinsamen Förderprogramm für die soziale Infrastruktur analog zu den Hochschulpakten.

Für 25000 zusätzliche preisgünstige Wohnheimplätze sind laut DSW Fördermittel in Höhe von rund 660 Millionen Euro notwendig, für den Ausbau der Hochschulgastronomie in den Mensen der Studentenwerke weitere 200 Millionen Euro.

von Till Conrad

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