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Erdbebengebiet in Haiti

„Noch lange nicht aus dem Schneider“

Nach gut vierwöchigem Einsatz im Erdbebengebiet von Haiti ist der Calderner Notarzt Dr. Richard Munz zurück in Deutschland; die Arbeit dort aber ist noch lange nicht getan.

Auch nach seiner Rückkehr aus Haiti ist der Calderner Mediziner Dr. Richard Munz mit der Koordination der medizinischen Versorgung auf Haiti befasst.

© Till Conrad
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Marburg. Dr. Richard Munz ist ein alter Hase: Der Notarzt aus Caldern ist schon an vielen Orten der Welt gewesen, wenn es darum ging, nach Erdbeben oder anderen Naturkatastrophen die medizinische Versorgung der Zivilbevölkerung kurz- und mittelfristig sicherzustellen.

So etwas aber wie nach dem Erdbeben von Mitte Januar hat auch der erfahrene Mediziner noch nicht erlebt: „Noch immer leben eine Million Menschen mitten auf der Straße, mitten im Dreck, ohne jeglichen Schutz vor dem Wetter“, berichtet Munz im Gespräch mit der OP. Jeder freie Platz in der Millionenstadt – will heißen: jeder Platz, der nicht von Trümmern bedeckt ist – ist zu einem notdürftigen Camp umfunktioniert worden. Und die Zahl dieser Camps nimmt noch immer, gut einen Monat nach dem Erdbeben, nicht ab. Viele Menschen leben noch immer in ihren verwüsteten Häusern, suchen noch immer in den Überresten nach Verwertbarem – aber sie trauen sich nicht, in den Ruinen zu übernachten: Die Angst vor Nachbeben war auch vor dem gestrigen Nachbeben viel zu groß. „Diese Menschen liegen einfach auf Matratzen auf der Straße“, berichtet Munz, denn eine andere Angst kommt hinzu: „Wer weggeht, hat sein Land verloren – Besitzpapiere sind verschütt gegangen, alle staatlichen Strukturen sind zerstört, auch das Katasteramt gibt es nicht mehr“, berichtet Munz.

Es ist eine qualvolle Enge auf den Straßen, berichtet Munz: Es ist so eng, dass die Hilfskräfte noch nicht einmal Latrinen in annähernd ausreichender Anzahl graben können; es ist so eng, dass keine zusätzlichen Zelte für die medizinische Grundversorgung aufgebaut werden können. Kleine mobile Hilfskrankenhäuser arbeiten deswegen unter primitivsten Bedingungen, jeder Eingriff, der für die internationalen Hilfskräfte ansonsten Routine ist, kann aufgrund der Bedingungen lebensgefährlich sein.

Nicht umsonst sind gestern die Opferzahlen noch einmal deutlich nach oben korrigiert worden: Von 200 000, vielleicht 300 000 Toten ist jetzt die Rede – und die Zahl könnte noch dramatisch steigen.
Dann nämlich, wenn sich bis zum Beginn der Regenzeit im April nicht prinzipiell etwas geändert hat an der Situation auf der Straße.

von Till Conrad

Mehr dazu lesen Sie in der Printausgabe der OP.


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