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Noch ein Runder Tisch zur Wohnungsnot

Wohnen in Marburg Noch ein Runder Tisch zur Wohnungsnot

Der Sozialbericht der Stadt bringt es an den Tag: In Marburg gibt es deutlich mehr Wohnungen als bisher angenommen.

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Wohnen im Schatten des Landgrafenschlosses: Vor allem bei Studierenden sind Wohnungen in der Oberstadt im Zentrum der Stadt beliebt. Doch insgesamt fehlt in Marburg bezahlbarer Wohnraum für Studenten.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Die Volkszählung im Jahr 2011, deren Ergebnisse Mitte des Jahres veröffentlicht wurden, ermittelte in Marburg 13303 Gebäude mit Wohnraum und 38787 Wohnungen. Das sind 700 Gebäude und 2700 Wohnungen mehr als man bisher aufgrund der Zahlen des statistischen Landesamts angenommen hat.

Das ändert zwar an der gegenwärtigen Wohnungsnot in der Stadt nichts, aber es relativiert eine wichtige Annahme, die für die Wohnungsbaupolitik eine wichtige Rolle gespielt hat: In Marburg hat, wiederum statistisch gesehen, der Einzelne nicht weniger Wohnraum zur Verfügung als in anderen hessischen Städten, wie Sozialplanerin Monique Meier im OP-Gespräch berichtet.

Die Statistik der in den vergangenen Jahren neu gebauten Wohnungen zeigt einen klaren Schwerpunkt auf Ein- und Zweizimmerwohnungen. Dennoch, so sagt es der Sozialbericht, gibt es einen erheblichen Druck auf dem Wohnungsmarkt. Ein wichtiger Indikator dafür ist die Leerstandsquote. Sie beträgt in Marburg lediglich 2,3 Prozent - zum Vergleich: deutschlandweit sind es 4,5 Prozent, in Hessen stehen nach den neuesten Daten 3,8 Prozent der Wohnungen leer.

Laut Sozialbericht wird sich die Lage auf dem Segment des besonders günstigen Wohnraums kaum entspannen: Derzeit gibt es in Marburg 2471 Sozialwohnungen, von denen aber bis Ende 2017 die Förderung (und damit die Mietpreisbindung) für fast jede zehnte, nämlich für 226 Wohnungen, endet. Der Bau von 300 Sozialwohnungen in den kommenden Jahren, der zwischen Stadt, Land und der Wohnungsbaugesellschaft GWH vereinbart ist, entspannt die Lage auf dem Markt für Sozialwohnungen also kaum.

Im Wintersemester werden mehr Studenten erwartet

Kurzfristig steht die Stadt vor dem Problem, dass im kommenden Wintersemester eine erneute Steigerung der Rekordmarke bei den Studierendenzahlen erwartet wird.

Jetzt mischen sich auch die Studierenden in die Debatte um die Schaffung bezahlbaren Wohnraums ein, die im Sommer mit der Besetzung eines leerstehenden Uni-Gebäudes unter anderem auf zu hohe Mieten in Marburg aufmerksam machen wollten. „Der Runde Tisch der Stadt Marburg entspricht aus mehreren Gründen nicht unseren Vorstellungen eines demokratischen Aushandlungsprozesses“, heißt es in einer Mitteilung der „Traumklinik“-Initiative, in der sich die Besetzer der früheren Uni-Augenklinik zusammengeschlossen haben. So sei der Kreis der Eingeladenen exklusiv.

Auch nach der polizeilichen Räumung der Klinik im Sommer wollen die ehemaligen Hausbesetzer weiter aktiv bleiben. „Alternativer Runder Tisch - Eine Stadt für alle“: So heißt das neue Projekt, das ausdrücklich als „basisorientierte“ Gegenveranstaltung zum Runden Tisch von Stadt und Uni gedacht sein soll. Grundsätzlich soll es dabei um das Thema Stadtentwicklung gehen, also nicht nur um das Thema Wohnungsnot, sondern auch um die Themen Verkehr oder Barrierefreiheit. Nach einer Podiumsdiskussion am Freitag, 1. November soll es am 2. November um die Frage gehen: „Was stört uns an den Lebensbedingungen in Marburg, und wo sehen wir Veränderungsbedarf?“

„Wir haben viele Initiativen und Vereine eingeladen, wie beispielsweise den Deutschen Gewerkschaftsbund, die Initiative fib, den Allgemeinen Studierendenausschuss und linke Gruppen, aber auch Vertreter der Ortenberggemeinde“, erläutert Bernd Stein von der „Traumklinik“-Gruppe. Nicht eingeladen seien jedoch die Vertreter von Stadt und Uni oder aus der Immobilienwirtschaft.

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) findet es prinzipiell erst einmal nicht schlecht, dass es nun einen weiteren Runden Tisch geben soll. „Jeder der sich an der Stadtentwicklung in Marburg beteiligen will, ist herzlich dazu eingeladen“, sagte er auf Anfrage der OP. Die harsche Kritik an der bisherigen Arbeit des Runden Tisches kann er jedoch nicht unbedingt nachvollziehen.

Vaupel verweist im Gegenteil darauf, dass der Runde Tisch zum Thema „Wohnen in Marburg“ bereits einige ganz konkrete Erfolge nach sich gezogen habe. So habe es aufgrund des Anstoßes der Stadt Marburg eine offensive Marketing-Kampagne für ein Wohnungsförderprogramm gegeben. Auch mit Hilfe der Stadt Marburg entstünden 200 neue Studentenwohnungen, die im Wintersemester bezugsbereit seien. Zudem verweist Vaupel auf den grundsätzlich offenen Charakter des „Runden Tisches“, wo jeder zu Wort komme.

Differenzierte Einblicke in den Marburger Wohnungsmarkt und Empfehlungen für eine kommunale Wohnungsstrategie soll die Wohnungsmarktanalyse geben, die in Auftrag gegeben ist. Sozialplanerin Monique Meier schätzt, dass die Mitte kommenden Jahres fertig ist.

von Manfred Hitzeroth und Till Conrad

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In der Alten Mensa hatten sich rund 50 Marburger zusammengefunden, um am "Alternativen Runden Tisch" über die Wohnungsnot zu diskutieren.

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