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Niemand will die Bank entfernt haben

Posse an der Schlosstreppe Niemand will die Bank entfernt haben

Wer zum Schloss über die Ludwig-Bickell-Treppe geht, vermisst dort eine Sitzgelegenheit zum Verschnaufen. Die gab es noch bis Mitte August.Die OP erklärt, warum die Bank verschwunden ist und wem sie gehört.

Manfred Brücker zeigt die Stelle, an der die Bank stand.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Im Volksmund heißt es: Die Räder der Bürokratie bewegen sich langsam. Dass sich besagte Räder in manchen Fällen erst bewegen, wenn aufmerksame Bürger sie ins Rollen bringen, zeigte der kuriose Fall um die Besitzverhältnisse einer Sitzbank in der Marburger Oberstadt.

Am 20. Juli schlenderte Stadtführer Wolfgang Brücker durch die Oberstadt und bemerkte auf der Ludwig-Bickell-Treppe, die oberhalb der Lutherischen Pfarrkirche zum Schloss führt, eine Sitzbank in einem völlig maroden Zustand. „Sie war total unbrauchbar. Wenn sich jemand mit viel Körperfülle darauf gesetzt hätte, wäre sie zusammengebrochen“, sagt Brücker. Er wandte sich an die Marburg Tourismus und Marketing Gesellschaft (MTM) mit der Bitte, die Bank umgehend sanieren zu lassen.

Darüber hinaus zeigte sich Brücker über die Sorglosigkeit mancher Mitmenschen sichtlich frustriert: „Direkt neben der Bank steht ein Mülleimer, der immer noch regelmäßig geleert wird. Jemand muss doch etwas gemerkt haben. Warum wird die Information also nicht weitergegeben?“ MTM ließ die Telefondrähte heiß laufen. Viel Zeit verstrich. Befremdlich war auch, dass die Bank am 11. August einfach verschwand. Ordentliche Entsorgung oder Vandalismus? Auch dafür konnten zunächst keine Verantwortlichen ausgemacht werden.

Wem gehört die Treppe, wem die Wände und wem die Bank?

Die Ermittlung der Zuständigkeit für diese Sitzbank gestaltete sich zunehmend kurioser: Das Kulturamt und das Tiefbauamt der Universitätsstadt sowie das Dezernat IV - Gebäudemanagment und Technik der Philipps-Universität - mit wem sich MTM auch in Verbindung setzte, es schien niemand für die Bank verantwortlich zu sein.

Warum ein Dezernat der Philipps-Universität? Nun: Die Ludwig-Bickell-Treppe gehört der Uni. Doch dort war man zunächst selbst ratlos. Am 1. September endlich konnte die OP Dr. Eckard Diehl, den Leiter des Dezernats IV, telefonisch erreichen. Der Dezernatsleiter versprach, Nachforschungen in Sachen „besitzerloser“ Bank anzustellen.

Kurios sind auch die Besitzverhältnisse auf der Ludwig-Bickell-Treppe. Der Universität gehört nämlich nicht die gesamte Treppe. Sie ist Eigentümer nur der Stufen und der Wand beziehungsweise Brüstung zur West- und Südseite.

Die Wand zur Ost- und Nordseite ist im Besitz des Katholischen Pfarramtes St. Johannes, wie Dr. Elmar Brohl, Mitglied im Verwaltungsrat der Kirchengemeinde und bis 1997 städtischer Baudirektor, auf OP-Nachfrage sagte. An dieser Wand war die verschwundene Bank auch verankert.

Erst am Dienstag konnte Dr. Diehl das Kuriosum vollends aufklären: „Die Bank wurde vor einigen Wochen von der Stadt abgebaut und die Universität hat sie Ende der 80er Jahre anfertigen lassen. Wir werden eine Vereinbarung mit der Stadt treffen, damit dort wieder eine Sitzbank steht.“

von Benjamin Kaiser

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