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„Nichts ist besser geworden“

Nordstadt-Verkehrsversuch „Nichts ist besser geworden“

Um die Zukunft der Elisabethstraße wird erneut gerungen. Eine Tempo-30-Regelung samt Aufbau von Hindernissen für ­Autofahrer zeichnet sich zwar ab - doch erst soll der Nordstadt-Verkehrsversuch ausgewertet sein.

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Nach dem Willen vieler Kommunalpolitiker sollen auf der Elisabethstraße Hindernisse aufgebaut und Tempo 30 eingerichtet werden. Ziel: Autos auf „neue Wege“ – etwa in die Robert-Koch-Straße – leiten, wie Henning Köster (Linke) sagt.

Quelle: Thorsten Richter (Archiv)

Marburg. Die Prognosen, dass mit dem Nordstadt-Verkehrsversuch mindestens 25 Prozent weniger Autos durch die Elisabethstraße fahren, habe sich „bei weitem nicht bestätigt“, sagt Henning Köster (Linke). Das Problem von „enormer Verlärmung und Verschmutzung sowie abendlicher Raserei“ sei durch die vor mehr als einem Jahr geschaffene Abbiegespur von der Bahnhof- in die Robert-Koch-Straße „überhaupt nicht gelöst“.

Das sieht auch Joachim Brunnet (CDU) so: „Nichts ist besser geworden, die Staus und der Frust der Leute sind allen Nachbesserungen zum Trotz bestehen geblieben.“ Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) bestätigt: „Die Effekte für die Elisabethstraße sind tatsächlich nicht so groß wie wir vermutet hatten.“ Trotzdem seien die Links-Abbiegerzahlen in den vergangenen Monaten „immerhin leicht gestiegen.“

Die Linke fordert im Verkehrsausschuss nun die sofortige Einführung von Tempo 30 samt Hindernisaufbau in der Elisabethstraße plus der Einzeichnung eines Fahrradstreifens in Gegenrichtung zum Autoverkehr, um die von Verkehrsversuch-Befürworten erhofften Effekte zu erreichen.

Es gehe dabei nicht um „prinzipielle Ausladung der Autos“, sondern um eine „Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer an diesem zentralen Punkt“, erklärt Köster. Gelingen solle dies damit, die Straße „für Pkw unattraktiv zu machen, damit andere Wege in die Stadt stärker genutzt werden“ - sprich: die Fahrt über B3 oder Robert-Koch-Straße.

Den Vorstoß lehnt der Großteil der Kommunalpolitiker ab. „Eine Quasi-Sperrung sorgt dafür, dass in der Deutschhausstraße richtig gerast und mit Abgasen zugeschüttet wird“, sagt Brunnet. Einmal mehr gehe es „nur darum, Autofahrern frech eine überzubraten“, ergänzt CDU-Mann Jens Seipp.

Messungen der Straßenverkehrsbehörde haben laut Bürgermeister Kahle zudem ergeben, dass rund 85 Prozent der Autofahrer in der Elisabethstraße weniger als 40 km/h fahren. „Rasen geht ja angesichts der Enge dort auch gar nicht, nirgendwo in Marburg ist - gezwungenermaßen - die Rücksichtnahme der Verkehrsteilnehmer so groß wie dort, da funktioniert es so gut wie kaum woanders“, sagt Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg). Es handele sich zudem nicht um einen Unfallschwerpunkt, Lärmdaten fehlen - und grundsätzlich könne „eine Insellösung nicht das Ziel sein“.

Plan: Tempo 30, Radweg, neue Kreuzung, breitere Gehwege

Soll heißen: Die Zukunft, der Zeitplan für eine Umgestaltung der Elisabethstraße („so wie es ist, kann es nicht ewig bleiben“), hänge mit der Auswertung, der Entscheidung zur Fortsetzung oder der Abkehr vom Nordstadt-Verkehrsversuch ab. Der Grünen-Stadtverordnete Hans-Werner Seitz wirbt für eine „Einbettung aller Maßnahmen in die Nordstadtentwicklung“.

Kahle ist indes „nicht hoffnungslos“, dass das Land auf der Elisabethstraße, die eine Landesstraße ist, unabhängig davon der Einführung von Tempo 30 „bald zustimmt“.

Und das soll konkret umgesetzt werden, sobald das Geld im Haushalt vorhanden ist: Kreuzungsumgestaltung vor der Elisabethkirche, Radweg­einzeichnung in die Elisabethstraße entgegen der Einbahnrichtung, Verbreiterung der Gehwege.

Die Stadtverwaltung beruft sich bei den Vorhaben auf die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung zum Verkehrsentwicklungsplan. „Die Aufwertung dieses Bereiches vor dem wichtigsten Marburger Baudenkmal, der Elisabethkirche, als Ziel, hat in der Stadtentwicklung weiterhin große Bedeutung“, heißt es auf OP-Anfrage.

Der Magistrat verweist seit langem auf die Auswirkungen des Campus Firmanei samt Fertigstellung der Universitätsbibliothek, wenn sich tausende Studenten in der Umgebung aufhalten.

Beschlossen wurde vom Verkehrsausschuss letztlich, die seit mehr als einem Jahr geltende Nordstadt-Neuregelung in der Bahnhof- und Robert-Koch-Straße auszuwerten und - je nach Ergebnis - im Anschluss die Verkehrsberuhigung der Elisabethstraße umzusetzen. Eine­ offizielle Bilanz der Stadtverwaltung war allerdings bereits für Sommer angekündigt.

von Björn Wisker

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