Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Nicht nur ein Spaßkandidat

OP-Serie OB-Kandidaten, Teil 1 Nicht nur ein Spaßkandidat

Er ist 25 Jahre alt, und seit Jahren Abgeordneter im Marburger Studierendenparlament. Doch ­Marius Beckmann traut sich auch den Posten des Marburger Oberbürgermeisters zu.

Voriger Artikel
„Nepal - das eingestürzte Dach der Welt“
Nächster Artikel
Allergiewissen lernen im Hochgebirge

Marius Beckmann, OB-Kandidat für „Die Partei“, posiert auf unserem Bild zusammen mit „Dienstmann Christian“ an der Wasserscheide: Ähnlichkeiten sind rein zufällig, oder?

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Wie viel Spaß und wie viel Ernst steckt in Marius Beckmann? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, wie es zunächst den Anschein hat. Denn der Marburger Student kandidiert zwar als Spaß-Politiker für „Die Partei“, 2004 von Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn gegründet. Aber bei aller Lust am Formulieren von lustigen Sätzen schwingen auch immer wieder nachdenkliche und bisweilen sogar seriöse Untertöne mit, in dem was er sagt.

Schon mit seinem Outfit hebt sich der 25-Jährige von seinen Mitbewerbern um das Amt des Marburger Oberbürgermeisters ab. Der junge Mann mit dem wild sprießenden Backenbart trägt einen Anzug aus einem Kleiderkaufhaus mit schriller roter Krawatte und dazu eine Mütze mit Stickern. Die Kappe dient ihm in diesem Fall auch dazu, sein schütteres Haupthaar zu bedecken.

"Partei"-Chef Sonneborn rührt die Werbetrommel

„Wie kann man am billigsten seriös aussehen?“: Diese Frage wollte er nach eigener Darstellung mit seiner Wahlkampf-Kleidung beantworten. Ständiges Accessoire in seinem OB-Wahlkampf ist ein überdimensionaler schwarzer Koffer mit einem Nummernschloss, in dem er aber kein „Schwarzgeld“ transportiert, sondern ganz profan Flyer und Werbematerial sowie etwas zu Trinken. Marius Beckmann ist kein Newcomer der „Partei“, sondern fast schon ein Mann der ersten Stunde. Im Jahr 2006 besuchte er zusammen mit Freunden einen Werbestand der Satire-Partei beim „Burg Herzberg“-Festival und war spontan begeistert von dem politischen Gesamtpaket, sodass er den Kreisverband Marburg-Biedenkopf gründete.

 

Stolz ist Beckmann darauf, dass in seinem Wahl-Flyer „Partei“-Chef Sonneborn, seines Zeichens nach dem unerwarteten Erfolg bei der letzten Europawahl sogar Europaparlamentarier in Brüssel‚ für ihn die Werbetrommel rührt. Der Achtungserfolg bei den europäischen Wahlen führt nun sogar dazu, dass Beckmanns Marburger OB-Wahlkampf mit EU-Geldern unterstützt wird.

Marius Beckmann macht‘s für die Hälfte

„Ich mach‘s für die Hälfte“: Dieser Slogan schmückt das ­Titelbild seines Flyers. Was das bedeutet, erklärt Beckmann im Gespräch mit der OP: Er ­würde im Ernstfall nach einer Wahl zu Vaupels Nachfolger auf die Hälfte seines Gehalts verzichten, weil er dann auch noch viel mehr verdienen ­würde wie jetzt als Student.

Aufgewachsen ist Marius Beckmann in einem Dorf im Sauerland an der Grenze zum Ruhrgebiet. Doch weder die gemütliche, bodenständige sauerländische Art, noch das flapsige Denken des Ruhrgebiets haben es ihm völlig angetan. Stattdessen fühlt er sich vor allem der Marburger Mentalität verhaftet. Besonders gefällt ihm in Marburg die Offenheit. „Die Verbindung der alten Oberstadt und des studentischen Flairs“, nennt er als Vorzüge Marburgs, und darin unterscheidet er sich wiederum von seinen Mitbewerbern kaum.

Der Berufswunsch des Studenten der Politikwissenschaften ist Politiker oder zumindest Büroleiter eines EU-Parlamentariers und wenn das nicht klappt, dann vielleicht Mitarbeiter einer Nicht-Regierungsorganisation oder Stiftung. Als Kind hingegen wollte er noch Zoodirektor werden, wie er im Gespräch mit der OP verrät.

Ungenierter Mix aus Ironie und Ernsthaftigkeit

In seinem Lieblingsbuch „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams - einem irrwitzigen Spektakel durch Raum und Zeit“ ist „42“ die entscheidende Antwort auf alle Fragen. Und diese besondere Zahl hat Beckmann auch augenzwinkernd in sein Wahl-Programm mit eingeschmuggelt. Denn er schreibt dort über ein „42-Punkte-Programm“ unter dem Motto „Marburg, aber besser“. Aufgeführt sind allerdings nur 11 Punkte. Ob diese närrische Zahl etwas mit Karneval zu tun hat?

In den 11 Punkten mischen sich jedenfalls höherer Blödsinn, Ironie und Ernsthaftigkeit ziemlich ungeniert. So zum Beispiel im ersten Punkt auf der Agenda. Er lautet „Für ein intelligentes Verkehrskonzept: Seilbahn verhindern! Oberstadt fluten!“ Neben dem Nein zu den Seilbahnplänen von Bürgermeister Dr. Franz Kahle verbirgt sich dahinter die eher utopisch zu nennende Idee, aus der Marburger Oberstadt eine Art Klein-Venedig zu machen, in der die Passanten in den „Fluss-Gassen“ mit Booten oder schwimmend verkehren, inklusive einem „Sommerbad 2.0“ am Markt. Die Wiederbelebung der Marburger Brauerei, ein Maklerverbot oder ein Auftritt der Beatles in der neuen Stadthalle: Das sind weitere mehr oder weniger ernst gemeinte Ideen. Zudem will Beckmann die studentischen Verbindungen möglichst in eine Exklave verbannen.

Wer all diese Ideen mit Beckmann und seinem Team diskutieren will, der kann ihn übrigens zu einem Kaffeekränzchen einladen. Bier oder Eierlikör werden selbstverständlich mitgebracht, verspricht der „Partei“-Politiker.

von Manfred Hitzeroth

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr