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Nicht jedes Kind kennt seine Rechte

25 Jahre UN-Kinderrechtskonvention Nicht jedes Kind kennt seine Rechte

Am 20. November 1989 wurden die Rechte von Kindern und Jugendlichen bis 18 Jahren in der UN-Kinderrechtskonvention festgehalten. 25 Jahre später haben fast alle Staaten sie in ihre Gesetze übernommen, an der Umsetzung mangelt es.

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Die Moderatoren Willi Weitzel (von links), Enie van de Meiklokjes und das Topmodel Eva Padberg posieren in Berlin bei der Mitmachaktion „Augen auf für Kinderrechte“.

Quelle: Jens Kalaene

Marburg. Kinder schuften in Steinbrüchen oder Textilfabriken. Stundenlang, ohne Pausen, bei gefährlichem Staub und in stickigen Hallen. Was für die Jungen und Mädchen in der Marburger Geschwister-Scholl-Schule undenkbar ist, ist andernorts Alltag. Und so ist der Schock für die Drittklässler schon groß, dass andernorts Gleichaltrige schwer arbeiten müssen, statt zur Schule zu gehen. „Ich will auch nicht lernen“, sagt ein Mädchen: „lieber spielen.“ Wenig später erfahren die Grundschüler, dass beides zu ihren Rechten zählt. Lernen und Spielen. Und dass es noch acht Rechte mehr gibt.

Recht auf Gewaltfreiheit, Bildung und Gesundheit

Heute vor 25 Jahren verab­schiedete die Vollversammlung der Vereinten Nationen (UN) die UN-Kinderrechtskonvention. Diese soll dafür sorgen, dass Kinder auch als Kinder aufwachsen dürfen - also ohne Gewalt, Not, Ausbeutung und Unterdrückung. Dennoch haben auch 25 Jahre später Millionen Kinder weltweit kaum Zugang zu Bildung, leiden unter Armut und werden misshandelt. „Die Kinderrechtskonvention hat dazu geführt, dass sich die Lebenssituation für Kinder in den vergangenen Jahren im Durchschnitt weltweit leicht verbessert hat“, sagt Nina Humphrey, Referentin für Kinderrechte bei der Hilfsorganisation World Vision Deutschland: „In vielen ländlichen Regionen Afrikas, Lateinamerikas und Asiens, und insbesondere in Krisengebieten wie Syrien oder Südsudan, dürfen Kinder ihr Recht auf Bildung, Gewaltfreiheit, Gesundheit und ein sicheres Zuhause nicht leben. Viele haben auch heute noch keinen Zugang zu sauberem Wasser und medizinischer Versorgung.“

Die Drittklässler der Geschwister-Scholl-Schule können sich das alles nur schwer vorstellen. Nach ihren Rechten gefragt, kommen sie zwar nicht auf Begriffe wie Gleichheit, Bildung, elterliche Fürsorge und freie Meinungsäußerung. Essen, Rechnen lernen und nicht geschlagen und schlecht behandelt werden, treffen den Inhalt der UN-Konvention aber auch ganz gut (siehe Grafik). Damit gehören die Marburger Grundschüler wohl auch zu den wenigen Kindern in Deutschland, die ihre Rechte - oder zumindest einen Teil davon - kennen. Denn laut einer aktuellen Umfrage wissen nicht einmal die Hälfte aller Jungen und Mädchen in Deutschland zwischen acht und zwölf Jahren, welche Rechte Kinder haben.

Das ergab die Studie „Children‘s Worlds - International Survey of Children‘s Well-Being“, für die insgesamt 45000 Kinder in 15 Ländern befragt wurden. „Deutschland schneidet im internationalen Vergleich erschreckend schlecht ab. In Kolumbien oder Nepal sind die Kinderrechte deutlich bekannter“, sagt Sabine Andresen, Vize-Präsidentin des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB).

Um das zu ändern, fordert der DKSB, die Kinderrechte bekannter zu machen, besser in die Praxis umzusetzen und ins Grundgesetz zu integrieren. Den Drittklässlern der Marburger Geschwister-Scholl-Schule kann das nur recht sein. „Es wäre schon besser, wenn es allen Kindern auf der Welt so gut geht wie uns“, lautet das Fazit der Unterrichtsstunde zu den Kinderrechten.

Persönliche Botschaften auf großen Türschildern

„Augen auf für Kinderrechte“: Das forderten gestern auch Berliner Grundschüler mit persönlichen Botschaften auf großen Türschildern vor dem Deutschen Bundestag. Unterstützung erhielten sie dabei von Unicef-Botschafterin Eva Padberg, der Botschafterin des Deutschen Kinderhilfswerkes Enie van de Meiklokjes sowie dem Stadtallendorfer Reporter und Unicef-Paten Willi Weitzel. „Obwohl die Kinderrechte schon 25 Jahre alt sind, gibt es noch viel zu tun, um sie auch in die Tat umzusetzen“, sagte Weitzel gestern der OP. Besonders schlimm findet er, wie Flüchtlingskinder leben, wenn sie hier in Deutschland ankommen. „Die Kinderrechte gelten für alle Kinder, aber die Flüchtlinge haben nicht den gleichen Zugang zu Bildung und auch kein Zuhause.“

Heute sind 50 Kinder, die sich auf verschiedene Weise für benachteiligte Kinder und die Kinderrechte einsetzen, mit Weitzel ins Schloss Bellevue eingeladen. Daniela Schadt und Bundespräsident Joachim Gauck wollen mit ihnen über die Kinderrechte sprechen.

von Katharina Kaufmannund unseren Agenturen

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Von Redakteur Katharina Kaufmann

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