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Neues OP-Verfahren an Klinik

Neues OP-Verfahren an Klinik

Ab 1. Juli wird im Marburger Universitätsklinikum ein neues OP-Zentrum eingerichtet. Durch gemeinsame Kommunikation soll die Patientenversorgung besser gestaltet werden.

Marburg. Rund 70000 Dialysepatienten gibt es in Deutschland, die sich regelmäßig einer Hämodialyse, der sogenannten Blutwäsche, oder Bauchfelldialyse unterziehen müssen. Grund für dieses Blutreinigungsverfahren ist das Versagen der Nieren. Neben einer Nierentransplantation ist das Dialyseverfahren die wichtigste Therapie bei Nierenerkrankungen.

Wenn der Zugang zu den Gefäßen allerdings nicht optimal ist, muss ein sogenannter Shunt gelegt werden, damit die Blutwäsche funktionieren kann. „Für die Patienten ist die Blutwäsche von größter Bedeutung. Es gibt schwierigere Operationen, aber für die Patienten ist dieser Eingriff wie ein Zugang zur Lebensrettung, denn er muss damit 20 bis 30 Jahre auskommen. Diese Verbindung ist wie eine Lebensader“, sagt Professor Joachim Hoyer, Direktor der Klinik für Innere Medizin.

Damit dieser Vorgang und die Versorgung des Patienten am besten gewährleistet werden kann, richtet das Universitätsklinikum Marburg ab dem 1. Juli ein Shunt-OP-Zentrum ein. „Die Organisation bei solchen Verfahren ist maßgebend. Das Besondere hier in Marburg ist dann, dass Patienten mit dem Zentrum einen festen Ansprechpartner haben und ein Saal immer zur Verfügung steht. Dem Patienten kann somit auf dem schnellsten Weg geholfen werden“, sagt Hoyer.

„Patienten, die unter einer Nierenerkrankung leiden, haben dort die Sicherheit, alles in einer Hand vorzufinden und können eine Komplettversorgung erwarten“, sagt Doktor Josef Geks, Leiter des Schwerpunktes Gefäßchirurgie und Transplantationschirurgie.

Dialysepatienten gib es im Alter von 8 bis 80 Jahren. Die Blutwäsche ist für die Patienten dabei überlebenswichtig. Dreimal pro Woche müssen die Patienten das Dialyseverfahren auf sich nehmen. Circa vier bis fünf Stunden dauert ein Dialysevorgang. Voraussetzung dafür sind allerdings gute Venen. Patienten, bei denen das Blut nicht gut durchströmt, sind auf einen Shunt angewiesen.

„Patienten, bei denen die Nierenerkrankung noch nicht weit vorangeschritten ist, können sich bei uns im Zentrum beraten lassen. Wir wollen uns dafür verschreiben, dem Patienten Sicherheit zu geben“, sagt Geks.

Im Idealfall hält ein solcher Shunt zehn Jahre. Eine regelmäßige Überprüfung dieser Verbindung ist daher enorm wichtig. „Die Patienten merken es am besten, wenn etwas mit dem Shunt nicht in Ordnung sein sollte. Sie hören am besten dieses Rauschen, und wenn sich daran etwas ändert, müssen sie zu uns Ärzten kommen“, sagt Hoyer. „Man kann leider nicht beliebig viel Shunts anlegen. Der Mensch hat nur zwei Unterarme, vielleicht kann man auch noch Shunts an den Beinen anlegen. Oftmals halten Shunts auch nicht zehn Jahre, deswegen ist eine regelmäßige Untersuchung sehr wichtig. Es ist praktisch wie bei einem Auto, das muss auch immer kontrolliert werden. Dies kann die Lebenszeit des Patienten erheblich verlängern“, sagt Professor Andreas Mahnken, Direktor der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie. Patienten müssen ihren Shunt auch immer trainieren. „Das Shunt-Training umfasst Hand- und Muskelarbeit, damit das Blut gut durchströmen kann. Er muss aber bei handwerklichen Arbeiten aufpassen. Wenn er stets auf den Shunt achtet, kann er auch alle Sportarten machen“, sagt Hoyer.

„Der Gefäßchirurg ist gleichzeitig auch Stratege, denn bei der richtigen Strategie passiert auch kein Schaden, und das ist das Wichtigste. Denn man lernt seine Patienten auch lieben und schätzen. Dialysepatienten haben sieben Leben, denn sie müssen viel überstehen“, sagt Hoyer.

Die Patientin Maria Brand (89) schätzt sich auf jeden Fall glücklich. Sie hat ihren Shunt inzwischen seit zwölf Jahren und verdankt ihm ihr Leben.

von Matthias Weber

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