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Neues Konzept entsteht in Rekordzeit

„Bildung durch Begegnung" Neues Konzept entsteht in Rekordzeit

Die neuen Bildungskoordinatoren des Landkreises stellten das Projekt „Bildung durch Begegnung – Bildungskoordination für Neuzugewanderte“ vor.

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Landrätin Kirsten Fründt (von links), Bildungskoordinatorin Barbara Leibold, Felicitas von Küchler, Leiterin der Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement Hessen, SPD-Bundestagsabgeordneter Sören Bartol, Erster Kreisbeigeordneter Marian Zachow und Bildungskoordinator Rainer Flohrschütz.

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Als Erste in Hessen reagiert hat die Kreisverwaltung Marburg-Biedenkopf, als der Bund ein neues Förderprogramm auflegte. „Wir hatten bereits vorher gesagt, dass wir die Bildungsangebote für Flüchtlinge koordinieren müssen, aber konnten es aus finanziellen Gründen nicht. Daher waren wir dankbar, als dieses Bundesprogramm kam und haben in Rekordzeit von knapp 25 Tagen ein Konzept aufgestellt“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow zu Beginn eines Gespräches, bei dem sich der heimische SPD-Bundestagsabgeordnete Sören Bartol über das neue Projekt informierte. Sein CDU-Kollege Dr. Stefan Heck hatte ebenfalls teilnehmen wollen, war aber verhindert.

Durch den demographischen Wandel gibt es vor allem in kleineren Orten im Westen, Osten und Norden des Landkreises Abwanderungstendenzen und bereits jetzt spürbaren Fachkräftemangel. Eine koordinierte Weiterentwicklung der Bildungsangebote soll den in den Landkreis ankommenden Flüchtlingen und Zuwanderern optimale Berufschancen im Landkreis eröffnen und sie zum Bleiben bewegen.

Bund fördert Koordinationsstellen mit 200.000 Euro

Der jetzt bewilligte Antrag auf zwei Koordinationsstellen, der vom Bund mit mehr als 200.000 Euro gefördert wird und auf zwei Jahre angelegt ist, trägt den Titel „Bildung durch Begegnung“. „Wir wollen durch Begegnung bilden und dabei vor allem die vielen Ehrenamtler einbinden. Marburg-Biedenkopf kann man nicht im Kurzdurchlauf erfahren, sondern nur, indem man die Menschen und Dörfer kennenlernt“, sagte Zachow.

Die bereits seit dem 1. Juli beziehungsweise 1. August kommissarisch als Bildungskoordinatoren tätigen Kreisverwaltungsmitarbeiter, Rainer Flohrschütz und Barbara Leibold, erläuterten das Konzept ausführlich. „Wir wollen die vielen Bildungseinrichtungen, formelle, informelle sowie ehrenamtliche Angebote sowie das große Potenzial der Region nutzen und mit den Neubürgern zusammenbringen. Viele machen etwas und wissen nichts voneinander, und die Angebote sollen weiterentwickelt werden“, erklärten sie. Als Vision soll daraus letztlich ein „Haus der Bildung“ mit Bildungsmanagement, -monitoring und -koordination für Neuzugewanderte werden.

Neuer integrativer Begriff „Neuzugewanderte“

Felicitas von Küchler, Leiterin der Transferagentur Kommunales Bildungsmanagement Hessen aus Frankfurt, die dieses Projekt begleitet und Ansprechpartner für die Bildungskoordinatoren ist, ergänzte: „Mit Absicht wird der unscharfe Begriff ,Neuzugewanderte‘ verwendet. Er soll integrativ sein und beispielsweise neben Flüchtlingen auch EU-Zuzügler umfassen. Bildung ist eine Sache, die alle Bürger betrifft, möglichst alle sollen mitwirken können.“

Ihr gefällt an dem Konzept von Marburg-Biedenkopf, dass es ganz realistisch festhält, was Willkommenskultur im besten Sinne sein kann. Außerdem wende sich das Konzept nicht nur an Neuzuwanderer, sondern komme allen zugute. Der Landkreis solle sich weiter viele, aber nicht so viele besorgte Gedanken machen, lautete ihr positives Fazit zu dem Konzept, das auf der schon seit über einem Jahrzehnt entwickelten Integrationsarbeit des Landkreises aufbaut.

Sören Bartol freute sich, dass der Landkreis so schnell von dem Förderprogramm Gebrauch macht. „Ich glaube, das, was hier vorgestellt wurde, ist genau das, was jahrelang versäumt wurde. Ohne Bildung wird Integration nicht funktionieren. Es ist eine kleine Revolution, was sich damit in Deutschland abzeichnet. Man hat erkannt, dass man die Kommunen nicht allein lassen darf, solche Programme dienen dazu, die Integration zu stemmen“, zeigte er sich überzeugt.

von Manfred Schubert

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