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Neues Bestattungsrecht für Muslime

Satzung Neues Bestattungsrecht für Muslime

Bestattungen im Grabtuch statt im Sarg: Marburger Muslimen soll es künftig erlaubt werden, ihre verstorbenen Familienmitglieder auf dem Friedhof am Rotenberg so beizusetzen, wie es ihr Glaube vorsieht.

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Zwei islamische Bestattungsflächen gibt es auf dem Friedhof am oberen Rotenberg.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Der Magistrat will die Friedhofssatzung ändern, da ein „vielfaches Interesse an einer sarglosen Bestattung, wie sie nach islamischer Glaubenstradition üblich ist, besteht“, wie die Stadtspitze erläutert. Der hessische Landtag hatte Anfang 2013 eine Gesetzesänderung auf den Weg gebracht, so dass ab sofort der Gemeindevorstand nach Anhörung des Gesundheitsamtes eine Bestattung ohne Sarg aus religiösen Gründen gestatten kann.

„Diese Möglichkeit zu haben, ist ein sehr erfreulicher Schritt, das kommt unserer Tradition, der Kultur, den Sitten sehr entgegen“, sagt Saddat Ahmed von der Marburger Ahmadyya Muslim Jamaat. Es stärke das Gefühl vieler Gläubiger „,hier so richtig beheimatet zu sein“. Rund 4000 Muslime leben nach Behördenangaben in der Universitätsstadt. „In der Vergangenheit hatten wir bereits Fälle von ‚sarglosen Bestattungen‘, die wir über Ausnahmeregelungen genehmigt haben, soweit die weiteren Voraussetzungen vorlagen“, sagt Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne).

Häufig ließen sich Islamgläubige in den Herkunftsländern ihrer Familie beerdigen. „Wer die finanziellen Mittel hat, lässt sich in der Regel im Ausland beisetzen“, sagt Ahmed. Hauptgrund, neben Verbundenheit zu den Ahnen: Bis vor wenigen Jahren gab es in wenigsten Städten Friedhöfe, in denen die Gräber nach Mekka - dem zentralen Wallfahrtsort der Gläubigen - ausgerichtet waren. In Marburg sind vor einigen Jahren zwei Gräberfelder am Rotenberg eingerichtet worden. Die Universitätsstadt ist eine von 20 hessischen Kommunen, in denen es eine Grabstätte speziell für Muslime gibt.

Die Islamische Regligionsgemeinschaft Hessen befürwortet die Entwicklung: „Die Entscheidung für das Begräbnis in ‚fremder‘ Erde ist wohl ein weiterer entscheidender Schritt im langen Prozess zur Identifikation mit der ‚neuen‘ Heimat“, sagt ein Verbandssprecher. Wer sich dafür entscheide, binde die nachfolgenden Generationen an dieses Stück Erde. „Wer die Wahl trifft, seine Toten in einem ‚fremden‘ Land bei sich zu bestatten, erschafft sich endgültig eine ‚neue‘ Heimat und lockert die Bindung an die alte.“ Die Akzeptanz der muslimischen Bestattungskultur sei deshalb „ein weiterer Schritt zur Integration in die Gesellschaft“.

Zwar gibt es deutschlandweit 200 kommunale Grabfelder für Muslime, doch die wenigsten sind ausgelastet. Auch in Marburg sei die sarglose Bestattung erst zwei Mal angefragt worden, sagt Kahle. „Das wird sich mit den nächsten ein, zwei Generationen ändern. Die folgenden Zuwanderergenerationen haben sich so weit mit der neuen Heimat identifiziert, dass sie auch hier bestattet werden“, heißt es von der Islamischen Religionsgemeinschaft.

von Björn Wisker

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