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Neuer Zoff um Seilbahn-Bau

Verkehr Neuer Zoff um Seilbahn-Bau

Angriff auf die Baupläne des Magistrats: Mehrere Kommunalpolitiker fordern die sofortige Einstellung aller Planungen zum Bau einer Seilbahn auf die Lahnberge und eines Schrägaufzugs zum Schloss.

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Eine Seilbahn von der Innenstadt auf die Lahnberge ist weiterhin ein Vorhaben der Stadt, ebenso wie der Bau eines Schrägaufzugs zum Schloss – trotz eines aktuellen Antrags zur Einstellung aller Planungen.

Quelle: Fotomontage: OP

Marburg. „Den Seilbahnplänen über das Verkehrskonzept Lahnberge neues Leben einzuhauchen, ist falsch“, sagte Michael Weber (Piraten). Eine Offensive im öffentlichen Nahverkehr, ein Ausbau des Netzes sei für die Anbindung des Areals die bessere Idee. Dasselbe gelte für den untauglichen Plan, einen Schrägaufzug zum Schloss zu installieren. „Alleine schon die Gutachten zur Prüfung der Möglichkeiten kosten unnötiges Geld“, sagte er. Die Folgekosten eines Seilbahn- oder Aufzugbetriebs seien zudem unklar. Weber verwies auf ähnliche Projekte in Trier und Koblenz, wo Seilbahnen bereits abgebaut werden - weil sie Geldgräber seien.

Unterstützung erhielt er von Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg). „Thema Seilbahn: Für den Erfolg wären die Klinik-Beschäftigten maßgeblich. Wo die aber ihre Autos in der Stadt abstellen sollen um in die Seilbahn einzusteigen, weiß niemand“, sagte sie. Konter von Uwe Volz (Grüne): „Mit einer Seilbahn würde man auf der Strecke zu den Lahnbergen einen Ferrari überholen. Acht Minuten, kein Warten auf Busse, kein Umsteigen. Es ist borniert, das kategorisch abzulehnen“, sagt er.

2009 kursierten Zahlen zu dem Vorhaben: „Der Magistrat schätzte die Baukosten auf 18 Millionen Euro, eine Fahrt solle zwei Euro kosten, das Semesterticket sollte nicht gelten“, sagte Mathias Range (CDU). Studenten würden keine vier Euro für die Fahrten bezahlen, wenn sie zwar 15 Minuten länger, jedoch gratis Bus fahren können. Weber wies zudem auf das Grundstücksproblem hin. Die Seilbahn- oder Aufzugsrouten würden teilweise über Flächen von Privateigentümern führen. „Ein Widerspruch und der Bau ist verhindert“, sagte er. Range warf der rot-grünen Koalition vor, „offenbar Enteignungspläne zu schmieden“.

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) verteidigte beide Pläne als „sinnhaft“. Er erinnerte an die Debatten um den Oberstadtaufzug in den 1980er-Jahren. „Da gab es damals einen riesigen Zoff. Doch war der Bau rückblickend, trotz der enormen Kostensteigerungen, die falsche Entscheidung? Die Oberstadt wäre nicht mehr so lebendig wie heute“, sagte er. Und man müsse nur erkennen, was bei einem Ausfall des Betriebs passiere. „Chaos herrscht dann am Pilgrimstein. Der Bedarf ist also im Überfluss vorhanden“, sagte er. 20 000 Euro Reparaturkosten verschlinge der rund 25 Jahre alte Oberstadtaufzug, den selben Betrag investiere die Stadt pro Jahr in die Reinigung. Derzeit befasse er sich jedenfalls mehr mit der mangelhaften Schlossanbindung und einem Schrägaufzug als mit der Seilbahn. „Die größten Probleme haben wir nämlich, was die Erschließung des Schlossparks angeht. Und mehr Busse durch die enge Lutherstraße und den Gisonenweg zu führen, halte ich für unmöglich“, sagte Vaupel.

Widerspruch von Weber: „Im Botanischen Garten war bei einem Aufzug, der drei bis fünf Höhenmeter überwindet, von 30 000 Euro Folgekosten die Rede. Wie teuer es bei der Distanz zum Schloss wird, kann man nur erahnen. Auch da ist ein Ausbau des ÖPNV viel besser“, sagt er. Einspruch von Dominic Dehmel (SPD): „Mit Seilbahn und Aufzug erfüllen wir doch die Forderung, den öffentlichen Nahverkehr auszubauen. Es sind zwei Möglichkeiten unter mehreren, die es zu prüfen gilt.“

SPD und Grüne schmetterten den Piraten-Antrag, der das Aus für die Projekte fordert, ab.

von Björn Wisker

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