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Neuer Plan: Schallschutz-Mauer an Autobahn

Verkehr Neuer Plan: Schallschutz-Mauer an Autobahn

Hoffnung für Marburgs Lärmopfer: Ein Lärmwall könnte entlang der Stadtautobahn gebaut werden. Falls der Flüsterasphalt nicht hilft, soll der Plan konkret werden.

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Wenn der Flüsterasphalt doch nichts bringt, könnte eine Lärmschutzwand gebaut werden.

Quelle: Stihl02 / pixelio.de

Marburg. Marburg. Sowohl die Bundes- als auch die Landesregierung sollen ihre Bereitschaft für die Mitfinanzierung eines solchen Vorhabens signalisiert haben. Gebaut werden würde ein Lärmwall auf Höhe der Innenstadt. Die Bedingung: Der Flüsterasphalt, der ab Sommer auf der Fahrbahn verlegt werden soll, müsste versagen. Das geht aus Informationen von Bürgermeister Franz Kahle (Grüne) im Umwelt- und Verkehrsausschuss am Dienstag hervor.

„Sollte sich in der Zukunft herausstellen, dass ein neuer Fahrbahnbelag den Lärm nicht ausreichend mindert, gibt es aus Berlin und Wiesbaden Zusagen für so eine Lösung“, sagte Kahle. Das Landesverkehrsministerium wollte sich gestern zu dem Vorhaben nicht äußern.

Verhaltene Freude bei Anwohnern

  „Das wäre ein guter Schritt“, sagt Gerhard Haberle, Sprecher der Arbeitsgruppe Nachhaltige Stadtentwicklung und Mitglied der Bürgerinitiaitve Stadtautobahn. Jedoch sei das keine Ideallösung, da die Tallage dafür sorge, dass etwa der Ortenberg ungeschützt bliebe und der Schall von einer Mauer auf die andere Straßenseite geworfen werde. „Also wäre das nur partiell wirksam.“

Das Verkehrsmanagement Hessen Mobil startet Anfang Juni mit dem Auftragen einer Art Flüsterasphalt namens SMA-LA. Die Bauarbeiten auf 1,3 Kilometern zwischen Hochstraße und Erlenring, die auch die Entwässerung umfassen, kosten 2,9 Millionen Euro. „Etwa vier Dezibel Lärmminderung wird das bringen“, sagt Willi Kunze von Hessen Mobil. Man werde aber auch künftig die Lautstärke-Entwicklung auf dem Streckenabschnitt beobachten, die bis Ende Oktober fertig sein soll.

Bewegung scheint auch in die Debatte rund um weitere Tempolimits zu kommen. Das Regierungspräsidium legte in der Vergangenheit zwar Veto ein. Kahle zufolge sei nun aber neben einer möglichen Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h auch die Ausweitung von Verkehrskontrollen, etwa der Einsatz von mehr mobilen Blitzeranlagen, im Gespräch. Alleine die Einrichtung von Tempo 80, sagt Kahle, könnte die Lautstärke-Belastung um mehr als ein Dezibel senken.

Kritik an den Lärm-Simulationen

Andrea Suntheim-Pichler (Bürger für Marburg) forderte die Erstellung einer Lärmkarte: „Laut EU müssen seit 2012 neben Ballungsräumen auch Gebiete wie Marburg von einer Lärmkartierung erfasst sein. Bis heute ist das nicht geschehen“, sagte sie. Derzeit werde ein Lärmaktionsplan auf den Weg gebracht, entgegnete Kahle. „Im Sommer sollte die Auswertung der gelieferten, belastbaren Verkehrsdaten fertig sein“, sagte er. Pichler übte Kritik am Verfahren: Die bisher gültigen mathematischen Berechnungen laufen ihrer Auffassung nach ins Leere, da ihnen Fahrgeschwindigkeiten zugrunde lägen, die real nicht eingehalten würden.

„De facto ist es entlang der Stadtautobahn um ein Vielfaches lauter, für Anwohner ein unerträglicher Zustand“, sagte sie. Daher sei es unerlässlich, reale Messergebnisse als Grundlage der Bewertung des Lärmpegels anzuerkennen. Das forderte auch Michael Weber (Piraten): „Es ist Hohn, weltfremd, Formeln über Erfahrungen zu stellen“, sagte er.

Realistische Messungen, also von Stationen an verschiedenen Standpunkten erfasste Daten, fließen rechtlich jedoch laut Kahle nicht in die Lärmbewertung ein. Bei diesen handele es sich um Momentaufnahmen, kein standardisiertes Verfahren, erläuterte Ralf Musket (SPD). „Wenn man richtig messen will, müsste man das überall tun: In jedem Haus, in jedem Stockwerk. Das ist zu viel Aufwand“, sagte er.

Protest von Tanja Bauder-Wöhr (Linke): „Viel mehr zu messen ist genau der richtige Ansatz. Nur weil etwas Arbeit bedeutet, darf man das nicht ablehnen“, sagte sie. „Wir müssen Stadt, RP und Co. jedenfalls weiter Druck machen. Sonst ziehen wieder zig Monate ergebnislos ins Land“, sagte Pichler.

von Björn Wisker

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