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Neuer Lebensraum für die Äsche

Projekt Living Lahn Neuer Lebensraum für die Äsche

Das zweite Jahr des Projekts „Living Lahn“ ist bereits angebrochen. Insgesamt ist das Pilot­projekt der Europäischen Kommission auf zehn Jahre angelegt.

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Nicht nur die EU ist gespannt auf Ergebnisse des Projekts „Living Lahn“, sondern auch Dr. Dirk Hübner (links) und Walter Fricke (rechts), die unter anderen beteiligt sind.

Quelle: Viet Duc Le

Marburg. „Wenn es der Äsche gut geht, so geht es allen anderen Lebewesen in der Lahn auch gut“, erklärt Dr. Dirk Hübner, Gutachter der Bürogemeinschaft für Fisch- und Gewässerökologische Studien (BFS).

Weil die Äsche am empfindlichsten auf Umwelteinflüsse reagiert, gilt sie als Leitfisch in der Lahn. Das bedeutet: Anhand ihres Bestands können Rückschlüsse auf den Gesamtzustand der Lahn gezogen werden. Doch der Äsche geht es schlecht. In der Lahn existiert fast kein natürlicher Lebensraum mehr.

Neben Äschen auch Aale und Nasen im Fokus

Dieser Zustand ist das Resultat zahlreicher menschlicher Eingriffe. So kann der Fluss an vielen Stellen nicht mehr richtig fließen. Das soll sich jetzt mit dem 15 Millionen Euro teuren Projekt ändern.

Die ökologische Verbesserung der Gewässerqualität, umweltverträglicher Hochwasserschutz und nachhaltiger Tourismus an der Lahn sind die Ziele des Projekts. In Marburg soll konkret die Artenvielfalt in der Lahn wiederhergestellt werden. Der Fokus liegt dabei neben den Äschen auch auf dem Aal- und Nasenbestand. Bei dem Aal-Projekt sollen Messstationen entstehen, mit deren Hilfe Wasserkraftwerke auf Aale reagieren können. Um zu verhindern, dass die Aale in laufende Turbinen geraten, sei das Abschalten von Wasserkraftwerken zu bestimmten Zeiten notwendig. Doch es gibt noch ein weiteres Vorhaben. Die Nase ist ein Karpfenfisch, der in der Lahn als ausgestorben galt. Nun wurde sie zwischen Runkeln und Limburg wieder entdeckt.

Handeln als Partner, nicht als Gegner

Im kommenden Frühling soll sie unter anderem in Marburg angesiedelt werden. „Diese Aktionen führen dazu, dass das Ökosystem an der Lahn verbessert wird und sich infolge dessen auch andere Fische stärker vermehren, erklärt Dr. Hübner.

Das Projekt gilt als erster Versuch verschiedenen Interessen in Hinblick auf einen vielfältig genutzten Fluss Rechnung zu tragen. „Konflikte sollen lösungsorientiert angegangen werden“, betont der Gutachter der BFS.

Das ist auch für Berthold Langenhorst, Pressesprecher des Naturschutzbundes (Nabu) Hessen, wichtig: „Ein nachhaltiger Tourismus, solange er sich an bestimmte Regeln hält, unterstützt sogar den Umweltschutz, da ein Umweltverständnis nur durch das Erleben der Natur entsteht“.

Das Projekt ist wie ein "Detektivspiel"

„Living Lahn“ könne wegweisend für andere Regionen in der EU werden, die Flüsse naturnäher gestalten wollen, erklärt Walter Fricke von der Oberen Fischereibehörde des Regierungspräsidiums Gießen, der das Projekt in der Anfangsphase betreut.

„Die 244 Kilometer lange Lahn ist einer der facettenreichsten Flüsse in Deutschland. Wenn es dort gelingt, möglichst alle Interessenverbände auf einen Nenner zu bringen, kann das überall klappen“, führt er weiter aus. „Im Moment gestaltet sich das Projekt aber noch wie ein Detektivspiel, da man immer nach Ursachen und Lösungen suchen muss“, beschreibt Walter Fricke. Viele Interessen zu berücksichtigen, nimmt Zeit in Anspruch. „Nachhaltigkeit braucht einen langen Atem“, so Berthold Langenhorst. Am Ende sollen aber auch die Bürger Nutzen aus der Umgestaltung des Flusses ziehen. Schließlich steige auch der Erholungsfaktor durch die Aufwertung des ökologischen Zustands des Flusses. Zudem werde auch der Hochwasserschutz durch eine an bestimmten Stellen durchgeführte Verbreiterung des Flussbettes verbessert, erklärt Dr. Dirk Hübner.

von Sophia Stahl und Viet Duc Le

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