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Neuer Kurs für Marburger Altenhilfe

Altenpolitik Neuer Kurs für Marburger Altenhilfe

Die Marburger Altenhilfe St. Jakob soll die Zahl ihrer Pflegeplätze von 139 auf 80 abbauen. Das hat der Aufsichtsrat des städtischen Tochterunternehmens entschieden.

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Das Altenheim in der Sudetenstraße soll nicht wie einst geplant abgerissen, sondern aufwändig saniert werden. Die Zahl der Pflegeplätze soll auf 80 verringert werden.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Die Zeit drängt: Der Aufsichtsrat der Marburger Altenhilfe St. Jakob gGmbH hat die Geschäftsführung beauftragt, bis Juni 2013 eine konzeptionelle Planung für die Neugestaltung der gemeinnützigen städtischen Gesellschaft vorzulegen. Zugleich soll Geschäftsführer Jörg Kempf einen Personalentwicklungsplan vorlegen. Der Auftrag ist mit zwei Vorgaben verbunden: Das Gebäude in der Sudetenstraße soll saniert werden. Ein Abriss und Neubau sind also somit endgültig nicht mehr im Gespräch. Die Zahl der stationären Pflegeplätze im Heim in der Sudetenstraße soll von derzeit 139 auf 80 abgebaut werden. Das bestätigte Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD), der zugleich Vorsitzender des Aufsichtsrats ist, auf Anfrage der OP. „Das soll nicht in einem Schritt geschehen“, betonte Vaupel. Sobald ein Platz frei werde, soll dieser zunächst nicht neu besetzt werden. „Wir haben im Schnitt eine Fluktuation von 40 Bewohnern pro Jahr“, so Vaupel. Außerdem könnten Bewohner in das neue Seniorenheim der Marburger Altenhilfe nach Cölbe ziehen - aber nur, wenn sie möchten. „Es muss keiner gegen seinen Willen umziehen“, so Vaupel. Allerdings könne der Fall eintreten, dass Heimbewohner innerhalb des Gebäudes umziehen müssen. Das Personalentwicklungskonzept soll der Frage nachgehen, wie die Zahl der Mitarbeiter auch bei einer kleineren Heimgröße gehalten werden kann. Eine Möglichkeit wäre, dass ein Teil des Personals nach Cölbe geht, so Vaupel. „Dort werden Arbeitskräfte benötigt“. „Es wird keine Kündigungen geben“, sagte er auf Nachfrage. Weiterhin sollen neue Angebote geschaffen werden - etwa für Demenzkranke oder Senioren mit Migrationshintergrund.

Das Kuratorium Deutsche Altershilfe hatte in einem Gutachten erklärt, dass kommunale Träger von Altenheimen künftig verstärkt auf die Bewohner aus anderen Kulturkreisen eingehen müssen. „Kultursensible Altenpflege“ lautet der Fachausdruck dafür, so Vaupel. „Ich will nicht über die Zahl von 80, 79 oder 71 Plätzen diskutieren, sondern über Konzepte“, stellt Vaupel klar und spielt damit auf die politischen Debatten innerhalb der rot-grünen Koalition an. Die Grünen hatten erklärt, dass ein Heim mit einer Größe von 80 Betten zu groß sei und sie stattdessen mehrere dezentrale kleinere Einrichtungen befürworten. „Für eine quartiersbezogene Versorgung ältere Menschen am Richtsberg“ sei es wichtig, dass die Marburger Altenhilfe ihr Pflegezentrum neu ausrichtet, so Vaupel.

Neue Arbeitsgruppe wird gebildet

Eine neu gebildete Arbeitsgruppe soll sich mit den konkreten Fragestellungen befassen. Vertreteter der Altenhilfe, aber auch der Gewobau sind Teil der neuen Arbeitsgruppe.

Der Betriebsrat der Marburger Altenhilfe will sich derzeit nicht zum neuen Aufsichtsratsbeschluss äußern. Nach Informationen der OP stimmten die beiden CDU-Vertreter im Aufsichtsrat gegen den Beschluss. Sie kritisierten, dass noch kein Konzept vorliegt und halten eine Sanierung für zu aufwändig.

Bislang hatten auch Teile der SPD einen Neubau favorisiert. „Ein Abriss und Neubau ist politisch nicht mehr umsetzbar“, erklärte Dietmar Kopp, der für die SPD im Aufsichtsrat sitzt.

Die CDU-Fraktion hatte während der jüngsten Sitzung des Stadtparlaments die Koalition gebeten, einen Antrag zur Marburger Altenhilfe zurückzustellen, um zunächst den aktuellen Beschluss des Aufsichtsrats zu berücksichtigen. Nun könne man auf der Grundlage des Beschlusses im Ausschuss neu darüber diskutieren“, so Fraktionschef Philipp Stompfe (CDU). Die CDU habe an der ein oder anderen Stelle noch Nachfragebedarf, so sei es zum Beispiel nicht endgültig klar, ob eine Sanierung tatsächlich besser als ein Neubau sei. Aber wenn ein Umbau betriebswirtschaftlich der richtige Weg sei, werde man dies mittragen. Die Auswirkungen auf das Personal müssten geklärt werden. „Die jetzige Personalstruktur und die Bezahlung nach TVöD muss auf jeden Fall erhalten bleiben“, fordert Stompfe.von Anna Ntemiris

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