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Neue Windräder bis 2016

Windkraft Neue Windräder bis 2016

Private Investoren verhandeln mit Besitzern der Vorrangflächen für Windenergie in Bortshausen und am Görzhäuser Hof. Nicht durch die Stadtwerke, aber durch private Investoren könne man „Hoffnungen haben, dass bis Ende nächsten Jahres neue Windkraftanlagen in Marburg stehen“, sagt Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne). Dies antwortete Kahle auf die Frage eines der rund 80 Zuhörer bei der Informationsveranstaltung „Windkraft in Marburg – warum gerade hier?“.

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Die Stadtwerke wollen nicht in Konkurrenz mit privaten Anbietern für die weiteren Vorranggebiete treten.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Nachdem auf dem Lichten Küppel Rotmilane entdeckt wurden, bestünden keine Pläne der Stadtwerke auf den anderen Windenergie-Vorranggebieten in der Stadt neue Anlagen zu errichten, sagt Kahle.

Neben dem Lichten Küppel liegen diese Flächen am Görzhäuser Hof, zwischen Bortshausen und Ebsdorfergrund sowie im Gebiet „Lahnberge Nord“, das häufig fälschlicherweise als „Bürgelner Gleiche“ bezeichnet werde, erläuterte der Bürgermeister (siehe Karte unten).

Dem Magistrat liegen Informationen vor, nach denen auf zwei dieser Flächen bereits Verhandlungen mit Investoren im Gange sind. So liegen die Vorrangflächen am Görzhäuser Hof nahe Michelbach und an der Stadtgrenze zu Ebsdorfergrund in privatem Besitz, was dort geschehe, könne die Stadt daher nicht beeinflussen – auch nicht über die Stadtwerke.

Schalauske kritisiert Profitgier

„Wir würden dort in Konkurrenz zu privaten Bietern treten – andere sind dort offensichtlich schneller“, so Kahle. Es gebe „keine Veranlassung dort reinzufunken“. Das Gebiet Lahnberge Nord gehört hingegen Hessenforst, das sich gegen den Bau von Windrädern auf den Lahnbergen ausspreche.

Der Stadtverordnete Jan Schalauske (Linke) kritisierte: „Investoren, die ein Profitziel verfolgen, wollen wir hier nicht.“ Er will, dass die Stadt ein Investorenengagement verhindert. Dazu besteht laut Kahle jedoch kein Anlass: „Der Ausbau der Windenergie kann nur im Zusammenspiel zwischen großen und kleinen Anbietern gelingen.“ An die Eigentümer der Flächen könne man lediglich „appellieren, nicht zu geldgierig zu sein“. Sollten Gespräche dort scheitern, „stehen wir aber als Partner zur Verfügung“, so Kahle, der zugleich Aufsichtsratschef bei den Stadtwerken ist.

Das kommunale Unternehmen sehe sich stattdessen nun im Landkreis um und sei in Gesprächen für den Standort Amöneburg „und vier bis fünf anderen Gebiete“. Auch dort könne das städtische Tochterunternehmen einen Beitrag zur Energiewende leisten. Eine Ausweitung des Standorts Wehrda, wo bereits drei Anlagen stehen, sei nicht möglich, da sich in 650 Metern Nähe eine Siedlung befindet.

Besucher über Sachlichkeit überrascht

Auch die Anlagen durch leistungsfähigere Windräder zu ersetzen sei aus baurechtlichen Gründen nicht möglich. Die Anlagen stehen unter Bestandsschutz, da sie legal gebaut wurden. Erneut würden sie jedoch aufgrund der nahen Bebauung nicht genehmigt werden.

Die Informationsveranstaltung lief indes ohne große Auseinandersetzungen ab, was einige Besucher verwunderte. „Nach den Diskussionen in den vergangenen Wochen habe ich befürchtet, dass das hier nicht so sachlich abläuft“, sagte einer der Fragesteller aus dem Publikum. Bernd Nützel vom Regierungspräsidium Gießen erläuterte, wie es zur Ermittlung der Vorrangflächen kommt. Im Wesentlichen seien dafür die drei Kriterien Windstärke, Siedlungsentfernung und Naturschutz maßgeblich.

Martin Krauß vom BUND Hessen wies eindringlich auf die Notwendigkeit der Energiewende hin und zeigte das Potential auf, welches in der Windkraft steckt. Bei ihr handele es sich um die „kostengünstigste und sozialste erneuerbare Energie“. Zudem habe sie den mit Abstand geringsten Flächenbedarf pro erzeugter Kilowattstunde.

Auch mit dem Artenschutz könne sie verträglich gemacht werden, so Krauß. Das Flugverhalten der Rotmilane könne auch durch das Mähen gewisser Flächen gesteuert werden, da sie zumeist in Richtung Grünland fliegen. Technische Maßnahmen an den Windanlagen würden hingegen nicht helfen, um Kollisionen der Vögel mit Windrädern zu vermeiden.

von Peter Gassner

 
 
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