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Neue Tröster bei der Kummer-Nummer

Beratung Neue Tröster bei der Kummer-Nummer

15 neue Berater sind vom Marburger Kinderschutzbund für das Kinder- und Jugendtelefon ausgebildet worden.

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Kümmern sich um Kinder: Renate Oberlik (Vorsitzende, hinten links), Petra Gröner (Koordinatorin), Elisabeth Guldner (Ausbilderin) und Bert Schütz (Internet-Beauftragter). Foto: Benjamin Kaiser

Marburg. Sexualität, Mobbing, Kinderarmut: Nur drei Probleme, mit denen sich Kinder und Jugendliche in ihrem Leben konfrontiert sehen.

Die Mitarbeiter des Kinder- und Jugendtelefons versuchen seit 1997 die Sorgen von jungen Leuten zu mildern, die in ihrem sozialen Umfeld wenig Halt und Unterstützung finden. Nun stellte die Leitung des Kinderschutzbundes 15 neue ehrenamtliche Seelsorger vor.

„Wenn man zwei Stunden am Telefon verbracht hat, dann weiß man wie lang, intensiv und nervenaufreibend 120 Minuten sein können“, sagt Elisabeth Guldner, die seit 1997 die Ausbildung leitet.

42 Interessenten für den ehrenamtlichen Job gab es im Herbst 2013. Jedoch reichten die Kapazitäten des Vereins nicht aus, um eine solche Zahl zu bewältigen. So wurden 15 Bewerber ausgewählt.

Bei der im November vergangenen Jahres begonnenen Ausbildung wurde viel Wert auf die Schulung von Gesprächsführung gelegt: Wie geht man ans Telefon? Wie versteht man das Verhältnis vom Anrufer zum Berater? Wie geht man auf den Anrufer ein? Dies sind Fragen, die bei dieser psychisch fordernden Arbeit von immenser Bedeutung sind.

Die Ausbildungsgruppe besteht vorrangig aus Pädagogik- und Psychologiestudenten. Aber auch Menschen höheren Alters haben sich für die Aufgabe des Telefonseelsorgers entschieden. Dabei müssen die Seelsorger stets anonym bleiben und unterliegen außerdem der Schweigepflicht hinsichtlich jeglicher Telefonate.

Scherzanrufe mischen sich in Schmerzanrufe

Nicht selten, so erzählt Elisabeth Guldner, haben es die Berater mit Scherzanrufen zu tun oder sehen sich Beleidigungen seitens der Anrufer ausgesetzt. Auf diese unschöne Seite der Medaille wurde in der Ausbildung ebenfalls eingegangen.

Wie ist auf solche Anrufe zu reagieren? Manchmal seien derartige Telefonate Ausdruck von Einsamkeit oder Vernachlässigung durch die Eltern. Lehrer, Erzieher, Sozialarbeiter können ein Lied davon singen: Enttäuschungen und Rückschläge im Umgang mit jungen Menschen gehören zum Alltag, da man nicht die Sorgen und Nöte aller aus der Welt schaffen könne.

Vor allem nicht, wenn man bedenke, dass vergangenes Jahr bundesweit 145 599 Beratungen via Telefon stattgefunden haben. Das Alter der Anrufer liegt zwischen sechs und 25 Jahren

„Es kommt auf die Haltung an, darauf, inwieweit man sich selber reflektieren und während des Telefonats selber beobachten kann. Denn man darf nicht seine eigenen Werte eins zu eins auf den Anrufer übertragen“, sagt ein Psychologiestudent.

„Es darf nicht darum gehen, einem jungen Menschen zu sagen, wie er sich verhalten soll und was er zu tun. Man kann einem Menschen nur die Türen zeigen. Entscheiden, durch welche Tür er letztlich durchgehen wird, muss er selber.“

von Benjamin Kaiser

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