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Neue Streiks drohen ab dem 5. Februar

Tarifstreit Neue Streiks drohen ab dem 5. Februar

Ab Montag fahren die Busse in Marburg wieder. Weitere Streiktage sind damit aber erst mal nur vorübergehend vom 
Tisch.

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Ein Hinweisschild zum Busfahrerstreik an der Haltestelle Volkshochschule in der Deutschhausstraße zeigt es an: „Ein Ende ist in Sicht“.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Nachdem es am Donnerstagabend zu keiner ­Einigung gekommen war, vereinbarten die Tarifparteien ­eine Schlichtung.

Der Landesverband Hessischer Omnibusunternehmer (LHO) zeigte sich jedoch enttäuscht darüber, dass es trotz dieser Verabredung zu keinem vorzeitigen Ende des Streiks gekommen war. Am Freitag und über das gesamte Wochenende stand der Busverkehr in mehreren hessischen Städten, darunter Marburg, weiterhin still.

Während der Schlichtung herrscht allerdings Friedenspflicht, so dass der Busverkehr nach genau zwei Wochen wieder aufgenommen wird. „Die Schlichtung beginnt am kommenden Montag mit Schichtbeginn. Bis zu diesem Termin geht der Streik weiter“, erklärte Streikführer Jochen Koppel.
Verdi habe kein Verständnis für „die starre Haltung der Arbeitgeber beim Verhandlungstermin in Frankfurt“.

Die Gewerkschaft sei „mit dem festen Willen hergekommen, zu verhandeln. Doch dazu ist es gar nicht gekommen, weil die Arbeitgeber keine Verhandlungsbereitschaft zeigten. Die Arbeitgeber haben uns weder ein neues Angebot vorgelegt, noch mit uns über inhaltliche Fragen wie Lohnhöhen und Arbeitsbedingungen gesprochen“, sagte er.

Verdi muss noch Schlichter benennen

Volker Tuchan, Geschäftsführer des LHO hatte das anders dargestellt. Die Arbeitgeber hätten „bis zu 13,78 Euro Stundenlohn“ angeboten. Auf Nachfrage der OP erläuterte der LHO am Freitag, dass darin die „Großstadtzulage“ in Höhe von 40 bis 78 Cent mit eingepreist sei. In Marburg liegt diese bei 50 Cent pro Stunde. Der angebotene Basislohn beträgt damit 13 Euro (bis zum 1. Januar 2019), Verdi fordert unter anderem weiterhin 13,50 (bis 1. Januar 2018). Das ursprüngliche Angebot des LHO hatte 12,65 Euro betragen.

Die beiden Tarifparteien verständigten sich darauf, jeweils einen von zwei Schlichtern zu benennen. Der LHO nominierte dafür am Freitag den ehemaligen RMV-Geschäftsführer Volker Sparmann. Verdi hat noch keinen Schlichter benannt. Das Verfahren geht bis 5. Februar. Neue Streiks sind danach nicht ausgeschlossen.

Was der Streik für den Alltag einiger Marburger bedeutete, wurde in den vergangenen Tagen deutlich, als sich immer mehr Menschen bei der OP meldeten.

Auch am Freitag kam es wieder zu erheblichen Beeinträchtigungen für viele Fahrgäste. So zum Beispiel für eine 84-Jährige, die sich per Taxi zum Arzt hatte fahren lassen. Sie hofft dafür auf eine Beteiligung der Krankenkasse. Sie war im Anschluss bei einem Lebensmittelgeschäft in Cappel einkaufen und fragte vollbepackt mit zwei vollen Einkaufstüten, mehrere Leute, ob diese sie mit zurück in den Stadtwald nehmen könnten. Erst nachdem mehrere Autofahrer dies abgelehnt hatten, erbarmte sich schließlich eine Marburgerin, die Seniorin zurück nach Hause zu fahren.

Blinde: Alle Menschen mit Behinderungen leiden

Weitere Stellungnahmen gingen währenddessen bei der OP ein. Rita Schroll, Leiterin des Hessischen Koordinationsbüros für Frauen mit Behinderung, verwies darauf, dass viele Bevölkerungsgruppen unter dem Streik litten.

„Selbst blind, finde ich es problematisch, dass gerade blinde Personen, die als einzige Personengruppe mit Behinderungen monatlich finanzielle Leistungen zum Ausgleich der blindheitsbedingten Mehrkosten erhalten, mitteilen, der Bus-Streik trifft sie aufgrund ihrer Blindheit besonders hart“, erklärte sie in Bezug auf eine Blinde, die sich in dieser Woche bei der OP über die mit dem Streik für sie verbundenen Einschränkungen beklagt hatte.

Vergleiche änderten zwar nichts daran, jedoch wolle sie darauf aufmerksam machen, dass der Streik auch für „Menschen im Sozialleistungsbezug, die sich, wenn überhaupt, dann nur unter starken finanziellen Einschränkungen ein Taxi leisten können, sowie für Menschen mit einer Behinderung, die behinderungsbedingt auf ­einen Bus angewiesen sind und im Gegensatz zu blinden Menschen keine behinderungsbedingten zusätzlichen finanziellen Leistungen bekommen, mit hohen Einschränkungen verbunden ist.“

von Peter Gassner

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Schadet dem Ansehen
„Normalerweise gehört es zur Streikkultur in Deutschland, dass man beim Angebot von Gesprächen den Arbeitskampf niederlegt und sich der Arbeit widmet.
Dass die Busfahrerinnen und Busfahrer auch dies nicht tun und von der Gewerkschaft Verdi hier unterstützt werden, ist ein weiteres Puzzlestück in diesem Streik, was eben diesen so seltsam macht. Neben dem ­Beginn des Streiks direkt nach den Winterferien und der ungewöhnlich langen Streikdauer passt dies irgendwie dazu.
Gleichzeitig sinkt damit aber auch das Verständnis in der Bevölkerung. [...] Wie ja auch in der Zeitung schon berichtet wurde, war das Verständnis der Bevölkerung zunächst sehr stark für die Streikenden ausgeprägt, hat mit der Dauer des Streiks aber immer mehr nachgelassen. Insofern schadet die Gewerkschaft hier nicht nur dem „kleinen Mann“, sondern vor allem auch dem öffentlichen Ansehen der Berufsgruppe insgesamt.“
Uwe Gerhard

Frechheit der Arbeitgeber
„Echt ‘ne Frechheit, dass der Arbeitgeber nicht einlenkt. Und dann dürfen die Kunden mehr für ihre Buskarte bezahlen.“
Simone Lemmer

Wenigstens im Sommer
„Es ist okay, bei dem Lohn zu streiken. Allerdings gibt es Leute, die 10 Kilometer täglich deshalb laufen müssen. Die könnten das wenigstens im Sommer machen. Die Fahrgäste sollten den Streik nicht mit aller Härte abbekommen.“
Filiz Oehlhoff

(alle via Facebook)

 
 
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Finanzielle Streikfolgen bleiben unklar

Die Gewerkschaft Verdi und die Arbeitgeber haben eine Schlichtung des Tarifkonflikts vereinbart, der Streik geht trotzdem bis einschließlich Sonntag weiter. Wie sich das finanziell auswirke, sei unklar, sagen die Stadtwerke.

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