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Neue Konflikte durch Friedensverträge

Tagung Neue Konflikte durch Friedensverträge

Im Staatsarchiv haben sich die Teilnehmer einer Tagung den Bündnissen und Friedensschlüssen in Hessen gewidmet. Auch Landgraf Donatus besuchte die Konferenz.

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Rund 60 interessierte Zuhörer verfolgten die Vortragsreihe, darunter Landgraf Heinrich Donatus von Hessen (von links vorne) und Staatsarchivleiter Dr. Andreas Hedwig. Foto: Ina Tannert

Marburg. „Frieden ist ein Dauerthema“, brachte Staatsarchivleiter Dr. Andreas Hedwig den Schwerpunkt der gestrigen Tagung auf den Punkt. In zahlreichen Vorträgen stellten die versammelten namhaften Wissenschaftler ihre Forschungen rund um die verschiedensten friedenspolitischen Ereignisse, Bündnisse und Konflikte in Hessen im Mittelalter und der Neuzeit vor. Veranstaltet wurde die Konferenz vom Hessischen Staatsarchiv, dem Seminar für Neuere Geschichte an der Philipps-Universität Marburg und der Historischen Kommission für Hessen. Ebenfalls anwesend war Heinrich Donatus, der als Nachkomme der landgräflichen Familie traditionell den Titel Prinz und Landgraf von Hessen trägt und die Veranstaltung im Namen der Kulturstiftung des Hauses Hessen unterstützte.

Kriegerische Auseinandersetzungen und auf diese folgende Friedensschlüsse gab es zu allen Zeiten, vom mittelalterlichen Burgfrieden über den Westfälische Frieden, den Wiener Kongress bis zum Versailler Vertrag, gab der Archivleiter zum Auftakt einen historischen Rückblick für die rund 60 interessierten Zuhörer. Doch wurden zahlreiche Versuche zur Friedenswahrung immer begleitet von stets unruhigen Zeiten, Aufständen und konkurrierenden Interessen. Die historische Entwicklung zeigt, dass im Mittelalter und insbesondere der Neuzeit vermeintlich erfolgreiche Friedenswirkungen und -wahrungen in der Regel nicht lange erfolgreich blieben, betonte auch Professor Christoph Kampmann vom Seminar für Neuere Geschichte. Krieg blieb daher Normalität in der Epoche der frühen Neuzeit ebenso wie die Fortführung unterschiedlichster Friedensansätze. „Friedenssicherung ist quasi ein Handwerk“, sagte Kampmann, sie arbeite mit bestimmten Techniken, Entwicklungen und Verfahrensweisen.

Akteure aller Weltepochen beschäftigten sich mit den Techniken der Vergangenheit, übernahmen diese, entwickelten sie weiter und wandten sie auf ihre Zeit an. Dabei eignet sich gerade die bewegte Geschichte der hessischen Landgrafenschaft im 16. und 17 Jahrhundert besonders gut für eine Betrachtung der Friedensproblematik. Dort sticht ein Punkt in den konfliktgeladenen Beziehungen zwischen den stark im Wandel begriffenen hessischen Territorien und deren zahlreichen Erb-einigungen hervor: Im Verlauf der verschiedenen historischen Erweiterungen wie auch territorialen Aufteilungen Hessens waren Verträge, die zu Stabilisierung und Friedenssicherungen untereinander führten, auch gleichzeitig Grundlagen für künftige Konflikte. „Stabilisierung und Destabilisierung lagen in Hessen stets nahe beieinander“, so der Historiker. Zuletzt habe sich die Wissenschaft erfreulicherweise verstärkt mit diesem Thema beschäftigt. Unter anderem gab das 750. Jubiläum des Langsdorfer Friedens einen ersten Anstoß für weitergehende Forschungen, die aktuelle Tagung sowie die neueste Ausstellung im Marburger Staatsarchiv.

Einen Überblick über das wichtige friedenspolitische Ereignis im Hessen des 13. Jahrhunderts gab im Anschluss Professor Ulrich Ritzerfeld vom hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde. In der Entwicklung zu einem eigenständigen Hessen war der Langsdorfer Frieden ein herausragender Moment. Der Vertrag, der 1263 im Zuge des thüringisch-hessischen Erbfolgekrieges Heinrich I. von Hessen die Grafschaft Hessen zusprach, besiegelte gleichzeitig die endgültige Ablösung des Landes von der Grafschaft Thüringen. Die Langsdorfer Verträge waren dabei die zentralen Dokumente der Friedenssicherung sowie der Konfliktprävention und bereiteten den Weg für eine entscheidende Phase in der Geschichte Hessens sowie die Grundlage der Landgräflichen Herrschaft.

von Ina Tannert

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