Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 10 ° wolkig

Navigation:
Neue Kleingärtner dringend gesucht

Anlage am Wiesenweg Neue Kleingärtner dringend gesucht

Lange als Spießertum verschrien, erfahren Schrebergärten heute einen langsamen Aufschwung, teilen die örtlichen Gartenvereine mit. Die Anlage in Ockershausen allerdings hat noch etwas Platz im Grünen frei.

Voriger Artikel
Schlossbahn passiert grünes Gewölbe
Nächster Artikel
Dauerbefristung hat ein Ende

Im Idealfall sieht ein gepflegte Kleingarten so aus wie der von Ursula und Bruno Kühnapfel.Foto: Ina Tannert

Ockershausen. Farbenfrohe Gartenidylle und das mitten in der Stadt - für viele Menschen gilt dies als der ultimative Erholungsraum vom hektischen Alltag. Ein Garten als Rückzugsort liegt besonders Naturliebhabern am Herzen und bietet eine willkommene Möglichkeit, dem Stadtlärm, Straßenstaub oder stressigen Berufsleben für einige Stunden zu entfliehen.

Wer kein eigenes Grundstück hat, greift gerne auf Angebote diverser Gartenvereine zurück, wie sie überall zu finden sind. In Marburg haben vier Kleingartenanlagen seit Jahrzehnten einen festen Platz im Stadtbild. Während die Schrebergärtner oder scherzhaft auch „Laubenpieper“ genannt, lange Zeit als Vertreter deutschen Spießertums belächelt wurden, erfährt die Kleingartenszene einen langsamen Wandel. Heute zeigen vermehrt auch junge Menschen Interesse an den kleinen grünen Oasen, so auch in Marburg.

„Vor allem immer mehr junge Familien und Paare haben die Kleingärten als Erholungsraum wieder entdeckt und deren Reiz erkannt“, sagt Manfred Weber, Vorsitzender des Stadt- und Kreisverbands Marburg-Biedenkopf der Kleingärtner. Für viele Menschen werden Wohlfühl-Faktoren wie Entspannung im Grünen, Zeit für die Familie sowie Klima- und Naturschutz immer wichtiger, in einem eigenen Kleingarten lässt sich all dies verbinden, so Weber weiter.

Grüne Siedlungmit eigenen Straßennamen

Auch der Kleingärtnerverein Marburg am Wiesenweg, die zweitgrößte Anlage der Stadt, freut sich über jungen Nachwuchs, teilte Rosemarie Ernst vom Vereinsvorstand mit. Die Gartenanlage, idyllisch und ruhig zwischen Ockershausen und Stadtwald, besteht bereits seit den 1940er Jahren. Zaun an Zaun reihen sich stattliche 111 Parzellen entlang dem Wiesenweg bis zum Ockershäuser Friedhof aneinander. Jeder Garten hat eine Größe von etwa 300 Quadratmeter. „Es ist eine wunderbare, ruhige Anlage mitten in der Stadt. Ideal für Familien mit Kindern“, schwärmt Rosemarie Ernst. Die Anlage wirkt wie eine eigene kleine grüne Siedlung mit eigenen Straßennamen, liebevoll gestalteten Parzellen mit modernen Lauben, Wasseranschluss und Sonnenstrom, einer lockeren Nachbarschaft und eigenen Regeln. Unter anderem ist eine vorgeschriebene Bepflanzung seit jeher Bestandteil einer Kleingartenanlage: ein Drittel Gemüse-, ein Drittel Zierpflanzen und ein Drittel Freizeitgelände sind Vorschrift.

Noch bis vor kurzem waren alle Grundstücke regelmäßig ausgebucht, auch bei Pächterwechseln fand sich umgehend ein Nachfolger. Doch in diesem Jahr ist es zu auffällig vielen Kündigungen gekommen, mehr als der übliche, alljährliche Pachtwechsel der vergangenen Jahrzehnte, sagt die Vereinskassenwartin im Gespräch mit der OP. Die in der Regel gut gefüllte Bewerberliste des Vereins, schwindet zunehmend. Es besteht die Gefahr, dass künftige Pachtauflösungen nicht neu besetzt werden können. Und Leerstand ist nie gut für eine Kleingartenanlage. Nicht bewirtschaftete Grundstücke wachsen ungebremst zu, verwildern, die Laube verkommt und die anspruchsvollen Nachbarn ärgern sich.

Vorstand vermutet: Anlage fehlt es an Bekanntheit

Künftige Gärtner haben es schwerer ein zu lang ungepflegtes Grundstück wieder auf Vordermann zu bringen. Zurzeit stehen am Wiesenweg zwei Parzellen leer, die auf neue ambitionierte Schrebergärtner warten, ab Herbst kommen zwei weitere hinzu. „Das wundert uns sehr, das Interesse war bisher immer gut“, weiß der Vorstand. Die wachsenden Nachwuchsprobleme sieht der Verein weniger in einem sinkenden Interesse an den örtlichen Anlagen. Auch eine Überalterung der Anlage sei nicht der Grund, das Durchschnittsalter liegt etwa bei 50, normal für Kleingartenanlagen. Viel eher fehle es der Anlage an Bekanntheit, vermutet der Vorstand. Andere Kolonien in Marburg und Umgebung können sich nicht über Nachwuchsprobleme beschweren: „Das Interesse ist im ganzen Landkreis groß, es gibt mehr Bewerber als Gärten“, teilte Kreisverbandsvorsitzender Weber mit. Der Trend gehe eben sichtbar zum Garten.

Der Ockershäuser Verein sucht zurzeit interessierte Kleingärtner, die sich der bunten Gartengemeinschaft anschließen wollen. Interessenten können sich jeden Samstag von 9 bis 12 Uhr im Vereinsbüro unter der Nummer 06421/35949 informieren oder auch persönlich vorsprechen.

von Ina Tannert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Marburg

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr