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Neue Impfbücher gibt‘s beim Hausarzt

Impfwoche Neue Impfbücher gibt‘s beim Hausarzt

Tetanus und Diphtherie oder auch Keuchhusten - das sind Krankheiten, von denen die Menschen heutzutage nicht mehr allzu häufig betroffen sind. Doch Impfungen müssen aufgefrischt werden, damit dies so bleibt.

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Quelle: Archivfoto

Marburg. „Es ist so wie mit dem Sicherheitsgurt beim Autofahren“, erklärt Dr. Ortwin Schuchardt, Hausarzt in Stadtallendorf und Pressesprecher der kreisweiten Ärztegenossenschaft „Prima“. „Man wird nicht zwangsläufig krank, wenn eine Impfung fehlt. Und man muss auch nicht unbedingt besonders schlimm krank werden, wenn es einen erwischt. Aber eine Impfung bietet Schutz und man kann sich dadurch Schlimmeres ersparen.“

Das Bewusstsein für die Wichtigkeit des Impfschutzes wecken, an Krankheiten erinnern, die durch Impfung ganz oder weitreichend abgestellt werden konnten und Erwachsene - vor allem die oftmals lückenhaft geimpften 19- bis 60-Jährigen - auffordern, mal wieder den eigenen Schutz durch einen Blick ins Impfbuch zu überprüfen: Das sind die Anliegen der Impfwoche, die die Ärztegenossenschaft „Prima“ gemeinsam mit bereits mehr als 20 angemeldeten Hausarztpraxen im Landkreis für die Woche vom 22. bis 26. April ausruft. Bei jedem beteiligten Arzt können die Patienten in dieser Zeit ohne Termine oder Vorabsprache ihre Impfung auffrischen lassen. „Das geht sonst natürlich auch jederzeit beim Hausarzt“, ergänzt Schuchardt.

Im Mittelpunkt steht während der Impfwoche der Schutz vor Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie und Keuchhusten. „Die Impfung gegen alle drei Krankheiten gibt‘s kombiniert in einer Spritze“, erklärt Schuchardt und rät dazu, sich diesen Schutz zu holen. Gerade der Tetanusschutz sei wichtig, weil die Erreger überall lauerten. „Jemand verletzt sich bei der Gartenarbeit an einem Rosenbusch und liegt wenig später mit einem richtig schweren Wundstarrkrampf auf der Intensivstation, weil die Impfung schon länger als zehn Jahre nicht aufgefrischt wurde“, nennt Schuchardt ein Beispiel dafür, was ohne Impfschutz passieren kann. Die Tetanus-Erkrankung könne zu Verkrampfungen bis hin zum Herzstillstand führen.

„Würgeengel der Kinder“ weitgehend vergessen

Auch die Diphtherie, übertragen durch Tröpfcheninfektion, kann schwere Krankheitsverläufe mit sich bringen. „In großen Stil hatten wir das zuletzt bei der Auflösung der Sowjetunion“, erinnert sich Schuchardt, der nicht sicher ist, ob Ärzte heutzutage überhaupt noch einen Fall von Diphtherie in Erwägung ziehen würden, wenn sie einen Patienten mit schwerer Halsentzündung behandelten. „Bei Kindern war diese Erkrankung früher schlimm, sie wurde auch ,Würgeengel‘ genannt. Und bei Erwachsenen kann die Erkrankung so heftig sein, dass eine Beatmung notwendig werden kann“, weiß Schuchardt.

Durch eine Impfung lässt sich auch diese Krankheit verhindern - ebenso wie der Keuchhusten, ein sehr schwerer und oftmals langanhaltender Husten, den der Stadtallendorfer Hausarzt in seiner Praxis in diesem Jahr wieder häufiger beobachten konnte.

Zur Wirksamkeit von Impfungen sagt der Arzt, dass die Wirkstoffe in rund 90 Prozent der Fälle für eine Immunreaktion und den gewünschten Schutz sorgten, „in den Fällen, wo die Impfung nicht vollständig funktioniert hat, kommt es dann vielleicht wenigstens zu schwächeren Krankheitsverläufen“.

Vertragen werden die Impfstoffe in der Regel gut. Schuchardts Erfahrung ist, dass die wenigsten Patienten eine starke Impfreaktion bekommen - und wenn, dann handele es sich um Schmerzen im Oberarm, in den die Spritze verabreicht wird, oder vielleicht einige Tage mit Fieber. Also um Reaktionen, die weit weniger heftiger seien, als die Krankheit selbst.

Impfungen sind nicht nur im gelben Buch notiert

„Für jeden Einzelnen bleibt natürlich immer die Abwägungsentscheidung - aus Sicht von uns Ärzten ist wichtig, dass wir möglichst viele Menschen impfen, um durch den sogenannten Herdenschutz die Ungeimpften mitzuschützen.“ Dass das Impfen für die Ärzte auch oder vor allem wegen des Verdienstes interessant sein könnte, schließt Schuchardt aus: „Wir bekommen 6,50 Euro pro Impfung - für diesen Betrag macht das kein Arzt, wenn er vom Sinn nicht überzeugt ist.“

Zum verloren gegangenen Impfbuch, einem Phänomen, das fast jeder aus dem eigenen Erleben kennt. Wenn das Dokument selbst nach gründlichem Suchen und nach Erkundigung beim Partner oder den Eltern nicht mehr ausfindig gemacht werden kann, so ist dies kein Problem. „Beim Hausarzt, der frühere Impfungen vorgenommen hat, sind diese über mindestens zehn Jahre dokumentiert und können dort abgefragt werden“, erklärt Schuchardt.

Und dann bekommen Patienten mit verlorenem Impfbuch einfach ein neues Exemplar - kostenlos. Die Impfungen werden von den Kassen bezahlt: die gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten ebenso wie die gegen Masern, Mumps und Röteln.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Personen ab dem Geburtsjahr 1970 und Jüngeren, sich mindestens einmal gegen die sogenannten Kinderkrankheiten impfen zu lassen.

Weitere Infos zur Impfwoche sowie die Liste der beteiligten Praxen gibt‘s demnächst online bei der Ärztegenossenschaft „Prima“ unter der Adresse www.prima-eg.de

von Carina Becker

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