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Neue Gecko-Art im Museum entdeckt

Forschung Marburg Neue Gecko-Art im Museum entdeckt

Eine aus Java stammende neue Gecko-Art hat der Marburger Biologe Sven Mecke zusammen mit ­Studenten entdeckt und jetzt auch im Fachjournal „Zootaxa“ wissenschaftlich beschrieben.

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Das präparierte Exemplar der neuen Bogenfingergecko-Art auf der Hand von Dr. Sven Mecke (großes Foto). Die Geckos sind in Alkohol konserviert. Fotos: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Gestatten: Cyrto­dactylus klakahensis (Klakah-Bogenfingergecko). Farbe: grau-braun; Länge vom Kopf bis zum Rumpf-Ende: zwischen 6,1 Zentimeter und 6,8 Zentimeter; besondere Merkmale: zahlreiche spitze Höckerschuppen. Von dieser neuen Echsenart aus der Gruppe der Bogenfingergeckos existieren weltweit nur vier Exemplare. Diese allerdings sind nicht mehr lebendig, sondern befinden sich konserviert in Alkohol, in einem Glasgefäß. Das Besondere an den vier Artgenossen: Die beiden Männchen sowie ein Weibchen und ein Jungtier wurden im Jahr 1929 von deutschen Gewässerkundlern auf der indonesischen Insel Java entdeckt und sind in präparierter Form seit vielen Jahrzehnten im Senckenberg-Museum in Frankfurt „beheimatet“.

Doch bei taxonomischen Bestimmungsübungen (siehe Hintergrund-Kasten) zusammen mit Biologie-Studenten hat der Marburger Biologe Dr. Sven ­Mecke nun herausgefunden, dass die vier Geckos Ende der 1920er Jahre fälschlicherweise einer völlig falschen Art zugeordnet worden waren. Katalogisiert waren sie als „Cyrto­dactylus fumosus“.

Oberflächlich gesehen hatten die Forscher damals wohl recht. Denn von oben betrachtet waren die Geckos nicht so leicht von der Art „Cyrtodactylus fumosus“ zu unterscheiden. Doch schon ein erster vergleichender Blick der Biologen zeigte eine Reihe von auffälligen und sichtbaren Unterschieden.

Schuppen sind ausgeprägter

Das betraf vor allem die Anordnung und Anzahl der Schuppen an der Unterseite, die bei der neuen Art sehr viel ausgeprägter waren, als es eigentlich bei der Art der Fall war, der die Geckos eigentlich zugeordnet waren.

Weitere genauere Untersuchungen der vier Geckos zeigten insgesamt sieben spezielle Merkmale, die in dieser Kombination bei keiner anderen der rund 200 Arten der Bogenfingergeckos (Cyrtodactylus) auftauchen.

Für Mecke und den Studenten Lukas Hartmann, der über ­dieses Thema seine Masterarbeit schreibt, war also klar: Dieser spezielle Gecko gehört ­einer neuen, so noch nie beschriebenen, Art an. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die beiden Marburger Biologen und ihre Kollegen Max Kieckbusch (Marburg), Felix Mader (Regensburg) und Professor Heinrich Kaiser (Victorville/USA) vor wenigen Tagen in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Zootaxa“. Und wahrscheinlich wird die neue Art auch bald in Bestimmungsbüchern auftauchen.

Schon mehr als 25 Arten entdeckt

Benannt wurde die neue Gecko-Art nach ihrer geographischen Herkunft. Sie stammt aus Klakah, einer kleinen Talsiedlung auf der Insel Java.

„Es war eine detektivische ­Puzzlearbeit“, beschreibt Sven Mecke die Forschungsarbeit, die hinter der Entdeckung der neuen Echsen­art steckt. Möglicherweise ist die soeben ­neuentdeckte Art aber schon seit einiger Zeit wieder ausgestorben. Zumindest wurde seit der Aufsammlung im Jahr 1929 kein weiteres Exemplar dieser Art von Forschern mehr gefunden.

Mecke hat zusammen mit Studierenden aus Marburg und Forschern aus der ganzen Welt bei Expeditionen auf Osttimor in Südostasien in den vergangenen Jahren bisher schon mehr als 25 neue Amphibien- und Reptilienarten entdeckt. Außerdem ist es den Forschern gelungen, erstmals Arten nachzuweisen, die schon von benachbarten Inseln bekannt waren.

„Die flächendeckende Forschungsarbeit ermöglicht den Erhalt und Schutz der Arten, sobald deren Systematik und Lebensweise hinreichend bekannt sind“, erläutert Mecke.

von Manfred Hitzeroth

„Die Artenvielfalt unseres Planeten ist noch lange nicht vollständig erfasst“, meint der Marburger ­Biologe Sven Mecke.

Zwar beherrscht seit vielen Jahren das Artensterben die Schlagzeilen. Doch gleichzeitig sind auch viele Tier- und Pflanzenarten noch überhaupt nicht entdeckt.

Wissenschaftler schätzen, dass von acht Millionen Arten bisher erst rund 1,8 Millionen beschrieben seien. „Gerade die südostasiatische Inselwelt birgt noch viel Unbekanntes“, meint Dr. Sven Mecke.
So sei besonders Java für seine hohe Artenvielfalt bekannt und immer wieder würden dort neue, teilweise auch große Wirbeltierarten von Wissenschaftlern entdeckt und beschrieben.

Trotzdem hat die Natur auf der indonesischen Insel aus Sicht des Marburger Biologen „kaum noch eine Überlebenschance“, denn angesichts von Abholzungen im großen Stil sei zum Beispiel die Insel Java nur noch zu etwa 20 Prozent von Regenwald bedeckt.

Aber nur wenn man genügend über die tierischen Bewohner dieser Insel wisse, könne man sie auch entsprechend schützen, meint Mecke.

„Es gibt noch zahlreiche Schätze zu heben“

„Viele Arten werden jetzt auch entdeckt, weil genauer hingeschaut wird“, meint der Biologe. Die Methoden der Forschung, zu denen auch die ­Molekularbiologie zählt, sind immer ausgefeilter und detaillierter geworden.

Außerdem werden, wie im Fall der von den Marburger Forschern um Sven Mecke entdeckten Bogenfingergecko-Art, auch die naturkundlichen Sammlungen durchforstet. „Hier gibt es noch zahlreiche Schätze zu heben und während der Arbeit im Museum stößt man immer wieder auf Überraschungen“, meint Mecke.

„Mithilfe naturkundlicher Sammlungen können wir unterschiedliche wissenschaftliche Fragen klären, in die Vergangenheit unseres Planeten zurückblicken und Prognosen über seine Zukunft anstellen“.

Dabei gebe es auf der Welt insgesamt nicht nur bei Reptilien oder Amphibien noch viel Neues zu entdecken. Auch viele ­Käferarten, Schmetterlinge, Insekten oder Fische harren noch der Entdeckung und Dokumentation.
Unter der Rubrik „Die Top 20 der neuen Arten im Jahr 2015“ der Online-Zeitschrift „Mongabay“ findet man aber auch zwei Arten von Primaten, den auf ­Tibet ansässigen Weißwangen-Makaken und den aus Peru stammenden  Braunen Urubamba-Spring­affen.

Neu entdeckt wurde von Naturwissenschaftlern beispielsweise auch eine neue Riesenschildkröte auf den Galapagos-Inseln.

von Manfred Hitzeroth

Zu den Personen

Sven Mecke (31) ist seit 2011 wissenschaftlicher Mitarbeiter und Dozent am Fachbereich Biologie der Uni Marburg. Der gebürtige Bad Hersfelder studierte von 2004 bis 2011 Biologie an der Uni Marburg. Seine Spezialgebiet in der Forschung ist die Herpetologie, die Erforschung von Reptilien und Amphibien. Seit 2012 führten ihn mehrere Forschungsreisen nach Ost­timor, um die dortigen Reptilien und Amphibien zu studieren. Mecke ist wegen dieses Engagements im Sommer 2014 vom „Explorers Club“, einem Zusammenschluss von Naturforschern, geehrt worden.

Lukas Hartmann (24 ) stammt aus Idstein und studiert seit 2011 Biologie an der Marburger Universität. In seiner Masterarbeit geht es um die ­Taxonomie der Gattung der Bogenfingergeckos.

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