Der Verzicht auf Süßigkeiten gehört für viele Deutsche zu den Wochen zwischen Aschermittwoch und Ostern.
Marburg. Der Verzicht auf Speisen und Getränke wie Fleisch oder Wein oder etwa auf liebgewonnene Angewohnheiten wie das Fernsehschauen gilt als Symbol von Buße und spiritueller Erneuerung. In den sieben Wochen vor dem Osterfest nehmen sich viele Christen zudem mehr Zeit für Ruhe, Besinnung und Gebet, um sich selbst und Gott näherzukommen.
In der katholischen Kirche zeichnet der Priester ein Aschenkreuz als Symbol der geistigen Reinigung und der Vergänglichkeit auf die Stirn von Gottesdienstbesuchern. In der evangelischen Kirche beteiligen sich alljährlich mehr als zwei Millionen an der Fasteninitiative „Sieben Wochen ohne“. Das Ziel: aus gewohnten Konsum- und Verhaltensweisen aussteigen und neue Lebensziele finden.
Fastenzeiten sind in fast allen Religionen bekannt, so etwa der Fastenmonat Ramadan im Islam. Am Ende der Winterzeit fasten viele Menschen allerdings auch mit dem Ziel nach ganzheitlichem Wohlbefinden oder dem Wunsch, ein paar Kilo Gewicht zu verlieren. Viele Menschen schwärmen von einer geistigen Freiheit während des Nahrungsverzichts. So auch Joachim Strauch, Gemeindepädagoge und Bildungsreferent im evangelischen Dekanat Biedenkopf, der Kurse zu „Exerzitien im Alltag“ anbietet, also zu geistlichen Übungen wie Fasten. „Der Verzicht bringt Freiräume“, sagt Strauch und berichtet über ganz unterschiedliche Fastenschwerpunkte und -themen, die die Menschen sich suchen. Sein Thema sei während der diesjährigen Fastenzeit „Der Klang des Schweigens“. Strauch will sich in den kommenden sieben Wochen täglich Freiräume suchen, in denen Reden und Lärm außen vor bleiben.
In Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland fasten mehr Menschen als im Bundesdurchschnitt. In den drei Bundesländern verzichteten bereits 59 Prozent aller Einwohner mindestens einmal für mehrere Wochen auf ein bestimmtes Genussmittel oder Konsumgut, teilte die Deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) gestern mit.
Für Fastende, die sich den Austausch mit anderen wünschen, gibt es in vielen Kirchengemeinden Fastengruppen. Auch im Internet ist ein Austausch möglich, etwa auf der Fastenseite der evangelischen Kirche unter www.7wochenohne.de
von Carina Becker
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