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Neue Akut-Station hat mehr Platz

Kinder- undJugendpsychiatrie Neue Akut-Station hat mehr Platz

Helle, freundlich wirkende Räume sind charakteristisch für die neue Jugendlichen-Akutstation, die gestern in der Uni-Nervenklinik am Ortenberg eingeweiht wurde.

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In der neuen Akutstation B (stehend von links): Stationsleiter Wolfgang Naumann, Klinikums-Geschäftsführer Dr. Holger Thiemann sowie (sitzend von links) Pflegedienstleiterin Sabine Hügel-Bleser , Professorin Katja Becker (Direktorin der Klinik für Kinder- und JUgendpsychiatrie)u, und Pflegedirektor Michael Reinecke. Zur Station gehört auch ein „Time Out“-Raum (kleines Foto). Fotos: Hirsch

Marburg. Die geladenen Gäste der Einweihung waren gestern nach der Besichtigung voll des Lobes für den gelungenen Umbau im Haupthaus der Uni-Nervenklinik. „Es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Architektur und dem Behandlungserfolg“, meint Dr. Matthias Martin, langjähriger Arzt in der Uni-Kinder- und Jugendpsychiatrie. Je angenehmer die Räume seien, desto weniger Psychopharmaka würden für die Unterstützung der Therapie benötigt, sagte Martin.

306 Patienten im Jahr 2013

Bisher befand sich die Akutstation in einem Gebäude der Kinder- und Jugendpsychiatrie in unmittelbarer Nähe des Hauptgebäudes der Nervenklinik am Ortenberg. Kennzeichen waren die beengten Verhältnisse in dem aus dem Jahr 1958 stammenden und zwischenzeitlich nur wenig saniertem Gebäude. Zeitweise mussten die jugendlichen Patienten dort sogar auf Matratzen im Flur nächtigen. Nach dem Wegzug der Neurologie auf die Lahnberge vor einigen Jahren gibt es in der Nervenklinik nun vermehrt Platz für die Psychiatrie: Als erste Station für Kinder und Jugendliche zog dort jetzt die Akutstation B ein, in der es Platz für zwölf statt bisher zehn Patienten gibt. Darüber freut sich Professorin Katja Becker, die Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie.

Neben zehn Einzelzimmern gibt es auf der Akutstation zwei besondere Zimmer, die von einem Krankenpfleger rund um die Uhr durch ein Fenster besonders überwacht werden können. Denn ein kleiner Prozentsatz der Patienten befindet sich auf der Station aufgrund der Einweisung durch Polizei oder Ordnungsamt und hat zudem ein hohes Risiko der Selbst- oder Fremdgefährdung.

Eine Million Euro steckt in Umbau

Im Jahr 2013 wurden 306 Patienten im Alter von 13 bis 17 Jahren auf der Station aufgenommen, erläuterte Becker. 72 Prozent dieser Patienten waren Mädchen. Mehr als die Hälfte der Behandlungen waren Kriseninterventionen, die nach durchschnittlich elf Tagen beendet waren. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Verweildauer der Patienten in der Uni-Kinder- und Jugendpsychiatrie beträgt 30 Tage. Die meisten der stationär aufgenommenen Jugendlichen litten an affektiven Störungen (vor allem Depression) oder einer Störung des Sozialverhaltens mit häufig aggressiver Ausprägung.

Stationsleiter Wolfgang Naumann freute sich, dass es auf der aktuellen Standards entsprechenden Station jetzt bessere Chancen zur Unterbringung und Überwachung der jungen Patienten gebe. Diese Patienten seien vor allem Jugendliche, die den Boden unter den Füßen verloren hätten. „Sie machen häufig Dinge, die ihnen auf Dauer nicht gut tun.“ Dazu zählt beispielsweise Drogenmissbrauch. Sie leiden laut Naumann an schweren chronischen Erkrankungen, die mit Realitätsverlust oder einem lebensbedrohlichen Konflikt einhergehen können. Zum Therapieteam zählen drei Ärzte und zwei Psychologen sowie jeweils ein Physiotherapeut, eine Ergotherapeutin und eine Sozialarbeiterin und mehr als 25 Pflegekräfte. Ziel der Therapie sei es, den Jugendlichen ein Gemeinschaftsgefühl zu vermitteln und auf sie stabilisierend einzuwirken. Neben einem umfangreichen Sportangebot gibt es in der Akutstation auch einen bis auf die Decke vollständig mit gelben Gummimatten ausgekleideten „Time Out“-Raum, in dem besonders angespannte Patienten kurzzeitig unter Überwachung durch eine Videokamera ihre angestaute Energie herauslassen können.

Weitere Stationen sollen umziehen

Der Umbau kostete rund eine Million Euro, sagte Dr. Holger Thiemann, Marburger Geschäftsführer der Uni-Klinikum Marburg und Gießen GmbH. Demnächst soll auch noch die Station D der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in die Nervenklinik umziehen.

Für beide Stationen ist es allerdings eine Interimslösung - voraussichtlich bis Anfang 2017. Professorin Katja Becker hofft, dass ab dem Frühjahr 2015 der Neubau der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie mit einem geschätzten Kostenvolumen von 20 Millionen Euro erfolgen kann.

Noch gibt es dafür aber keinen Bauantrag und kein grünes Licht, erläuterte Klinikums-Sprecher Frank Steibli. Wenn der Startschuss erfolgt, sollen in dem aus zwei T-förmigen Gebäuden bestehenden Neubau fünf Stationen für je zwölf Patienten gebaut werden. Dann sollen auch die Stationen B und D dorthin umziehen

von Manfred Hitzeroth

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