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Nazi-Symbolik: Radfahrer provoziert

Schild im Pilgrimstein Nazi-Symbolik: Radfahrer provoziert

Ein Schild sorgt in Marburg für Irritationen: Am Eingang zum Pilgrimstein hat ein Fahrrad-Aktivist eine Holztafel befestigt, um gegen die Gefahrensituation in den engen Straßen zu protestieren.

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Provokation am Pilgrimstein: Mit Nazi-Symbolik will ein Rad-Aktivist zu einer Sicherheits-Debatte anregen.

Quelle: Björn Wisker

Marburg. Der Schriftzug erinnert an die Nazizeit zwischen 1933 und 1945: Juden / Ausländer raus steht dort geschrieben. Ein durchgestrichenes Fahrrad ist zu sehen - und das selbstgebastelte Schild hängt an einer roten Laterne am Beginn des Pilgrimsteins. Das provokante Provisorium sorgt bei Autofahrern und Fußgängern für Irritationen: „Ich habe doch erhebliche Zweifel, ob so ein Vergleich auch nur im kleinsten Ansatz angemessen ist“, sagt Andreas Frick, OP-Leser. „Im ersten Moment dachte ich, das sei ein NPD-Plakat“, sagt Julia Spiller, Wirtschaftsstudentin.

EIne bewusste Provokation

Initiator des Protests und Bastler des Schilds ist Hans-Horst Althaus. „Das ist eine ganz bewusste Provokation“, sagt der Fahrradaktivist. Hintergrund sei die permanente Gefährung von Radfahrern auf Marburgs Straßen. Der Vorrang des Autoverkehrs führe speziell im engen Pilgrimstein, Verkehrsachse und Nadelöhr zugleich, zu bedrohlichen Szenen. Oft schramme ein Radfahrer nur haarscharf an der Katastrophe, an einer Kollision mit einem Auto vorbei. Erst vor wenigen Wochen gab es in der Straße einen schweren Unfall mit einer Radfahrerin. Grund genug für Althaus, auf die Situation hinzuweisen.

Theoretische Überlegungen, wonach man den Radverkehr über die Deutschhaus- und Biegenstraße ins Zentrum leiten könne anstatt diesen eng an eng mit Autos durch das Nadelöhr fahren zu lassen, befeuern seinen Protest.

Über die Ähnlichkeit zur Nazi-Symbolik ist sich Althaus bewusst, rechtsextremes Gedankengut weist er aber strikt von sich. „Mir geht es einzig darum, drastisch auf die Situation aufmerksam zu machen, zu einer Reaktion und anschließenden Sachdiskussion zu zwingen“, sagt er.

Die Forderung: Verbot für Durchgangsverkehr

Denn Althaus‘ Wünschen zufolge soll der Pilgrimstein nur noch als Verbindung zum Parkhaus dienen: Einfahrt aus Richtung Elisabethkirche, Ausfahrt über die Wolffstraße. Für Durchgangsverkehr solle dieses Nadelöhr gesperrt werden. „Nur so wäre der für die übrigen Verkehrsteilnehmer erforderliche Raum zu gewinnen“, schreibt er in einem Leserbrief.

Unterdessen hat das Ordnungsamt reagiert: Deren Mitarbeiter entfernten das Schild nachdem Beschwerden eingingen. Auch Polizei und Staatsschutz werden aktiv: Eine Strafanzeige wegen Volksverhetzung ist bereits gestellt.

von Björn Wisker

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