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Nazi-Parolen führen zu Schlägerei

Prozess Nazi-Parolen führen zu Schlägerei

Auf einer Studentenparty im Juni 2012 kam es anderthalb Stunden nach Mitternacht zu einer Schlägerei, bei der mehrere Männer auf einen Deutsch-Araber einschlugen. Zuvor soll einer der Männer Nazi-Parolen gebrüllt haben.

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Marburg. „So etwas mache ich nicht. Das ist nicht meine Art“, sagte der Angeklagte bei der Verhandlung im Amtsgericht, nachdem er von mehreren Zeugen belastet worden war. Als einziger aus der Gruppe der Schläger, konnte er vermeintlich identifiziert werden. Die Zeugen stützten dabei die Version des Opfers, das bei der Wohnheimparty die Rolle des Aufpassers an der Tür übernommen hatte.

In dieser Funktion seien ihm drei Männer aufgefallen, von denen einer „Heil Hitler“, „Sieg Heil“, und „irgendetwas mit Goebbels und Himmler“ gerufen haben soll. Daraufhin habe er die Männer gebeten zu gehen und sie nach draußen begleitet. Dort seien sie schließlich über ihn hergefallen.

Er trug eine gebrochene Nase sowie Teilabsplitterungen an den Zähnen davon. Am Anfang seien die Täter zu dritt gewesen, doch dann seien noch mehrere Männer hinzugestoßen. Einer von ihnen habe sich selber den Arm gebrochen, nachdem das Opfer einen Schlag parierte und ihn so von einem etwa zwei Meter hohen Vorsprung stieß. Im Krankenhaus habe er diesen Mann dann mit dem Angeklagten zusammen wieder gesehen.

Opfer verstrickt sich in widersprüchliche Aussagen

Das 24-jährige Opfer verstrickte sich jedoch in einige widersprüchliche Aussagen, nachdem der Mann im Polizeibericht etwas abweichende Angaben gemacht hatte. Er entschuldigte dies damit, dass die Tat bereits lange zurück liege und er „einige Schläge kassiert habe“.

Er sei sich jedoch „ziemlich sicher, dass er gerufen hat und auch der erste Schlag von ihm kam“. Wie auch die Zeugen wollte er aufgrund des zeitlichen Abstandes aber keine hundertprozentige Festlegung treffen. Die Recherche des Täters hatten sie kurz nach der Tat über facebook vorgenommen. Nachdem er anfänglich keine Aussage machen wollte, schilderte der Angeklagte schließlich den Abend aus seiner Sicht. Er sei mit zwei Freunden erst später zu der Party gestoßen, was aber „nicht unser Ding gewesen“ sei.

Einer seiner Begleiter sei daher bereits auf dem Heimweg gewesen, während er sich noch mit einer jungen Frau unterhalten habe. Dann sei das Opfer zu ihm gekommen und habe ihm gesagt er könne solche Parolen nicht schreien. Er habe das nicht getan, aber habe diesen Vorwurf „nicht auf mir sitzen lassen“ wollen. Als er mit dem Aufpasser diskutiert habe, habe dieser seinen noch auf der Party verbliebenen Freund die Treppe runtergestoßen, woraufhin er diesem geholfen habe und mit ihm gemeinsam in das Krankenhaus gefahren sei.

Richter muss die Entscheidung vertagen

„Was mit dem Opfer danach passiert ist, weiß ich nicht“, so der Angeklagte. Der Staatsanwalt erregte sich über diese Aussage und forderte den Angeklagten auf, es sei „Zeit für ein Geständnis und nicht für solche Lügengeschichten“. Da dieser dem aber nicht nachkam und seine beiden Begleiter, die ebenfalls als Zeugen geladen waren, nicht zur Verhandlung auftauchten, musste Richter Thomas Rohner die Entscheidung vertagen.

Zur Folgeverhandlung werden die beiden Zeugen durch die Polizei vorgeführt. Die Verhandlung wird am Mittwoch, 23. Oktober, um 9 Uhr im Saal 152 des Amtsgerichts Marburg fortgesetzt.

von Peter Gassner

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