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Nautische Archäologie bleibt Uni-Fach

Gastdozenturen Nautische Archäologie bleibt Uni-Fach

Die Besetzung des Gastlehrstuhls für Nautische Archäologie ist an der Philipps-Universität ab dem Sommersemester zunächst für die kommenden zwei Jahre gesichert.

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Ein Marburger Unterwasser-Archäologe untersucht eine Fundstelle im Roten Meer. Foto: Universität

Marburg. An der Universität Marburg ist der einzige Standort der Klassischen Archäologie in Deutschland, an dem die Fachrichtung „Nautische Archäologie“ gelehrt wird. Dass das auch weiterhin so bleibt, liegt an einem Zuschuss des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Höhe von 135000 Euro. Das teilte jetzt der Marburger Archäologie-Professor Winfried Held der OP auf Anfrage mit.

In der nautischen Archäologie geht es um die Erforschung der antiken Seefahrt, vor allem von Schiffen und Häfen anhand von schriftlichen Quellen und bildlichen Darstellungen der Wracks gesunkener Schiffe sowie Ruinen von Hafenanlagen. Diese Fachrichtung der Klassischen Archäologie beschäftigt sich in Marburg vor allem mit der Seefahrt des griechischen und römischen Altertums im Mittelmeerraum. Professor Held freut sich sehr, dass der Schwerpunkt des Archäologischen Seminars in der Seefahrts- und Unterwasserarchäologie zunächst bis einschließlich des Wintersemesters 2015/2016 fortgesetzt und vertieft werden kann. Held hofft, dass daran im Anschluss eine weitere finanzielle Förderung der Gastdozentur für zusätzliche zwei Jahre möglich wird.

Vor dreieinhalb Jahre hatte der Lehrbetrieb in der „Nautischen Archäologie“ an der Marburger Universität begonnen. Der amerikanische Professor Ralph Pedersen war bis Oktober 2013 Gastdozent und ist jetzt wieder in die USA zurückgekehrt. Auch seine Stelle wurde zum überwiegenden Teil vom „Deutschen Akademischen Austauschdienst“ (DAAD) finanziert.

Nun kommt das Geld aus einem etwas anderen Fördertopf des „DAAD“. Zusätzlich zahlt die Marburger Universität nach Helds Angaben noch einen Anteil von 30 Prozent der Personalkosten für die Gastdozenten für zwei Jahre bei. Pro Semester hat jeweils ein international renommierter Unterwasserarchäologe die Gastdozentur inne. Die Dozenten sollen den Studierenden in Vorlesungen und Seminaren vor allem theoretische Grundlagen vermitteln. Sie werden ihnen aber auch die Chance bieten, an ihren praktischen Projekten wie Exkursionen und Schiffsausgrabungen teilzunehmen, erläutert Held.

Folgende vier Dozenten kommen zunächst nach Marburg:

n Den Anfang macht in diesem Sommersemester Professor Boris Rankow von der London University aus Großbritannien. Der ehemalige Wettkampf-Ruderer ist Professor für Römische Geschichte und erforscht die Archäologie und das antike Schiffswesen des Römischen Reiches. Er arbeitete an der Rekonstruktion eines Kriegsschiffes der Athener aus dem 5. Jahrhundert v.Chr. mit.

n Im Wintersemester 2014/2015 wird Dr. Harun Özdas von der Universität Izmir (Türkei) die Gastdozentur übernehmen. Er hat die archäologischen Rechte für das Meer vor der Mittelmeerküste in der Türkei und hat unter anderem an der Erkundung eines bronzezeitlichen Schiffswracks mitgearbeitet..

n Im Sommersemester 2015 wird Dr. Jeffrey Royal (RPM Nautical Foundation, Key West, Florida) die Marburger Gastdozentur innehaben. In seinen Forschungsprojekten beschäftigt er sich zum Beispiel damit, antike Kriegsschiffe nachzubauen. Die Rolle der Übersee-Schiffahrt in der Wirtschaft des römischen Imperiums ist ein weiteres seiner Forschungsgebiete.

n Im Wintersemester 2015/2016 wird Professor Sebastiano Tusa den Gastlehrstuhl in Marburg besetzen. Der Spezialist für Unterwasser-Archäologie aus Sizilien ist der oberste Unterwasser-Denkmalschützer für das Meer um Sizilien. Sein wichtigstes Projekt war die Ausgrabung der Überreste einer Seeschlacht aus dem Ersten Punischen Krieg. Besonders interessant war es, dass die Forscher dabei zahlreiche Rammsporne von Kriegsschiffen der Römer und der Karthager fanden.

Professor Held sagte im Gespräch mit der OP, dass es in Marburg schon einen „harten Kern“ von rund 20 Studenten gebe die teilweise auch schon eine Ausbildung zum Forschungstaucher hinter sich hätten. Sie können auch am von Professor Held mit initiierten Forschungsprojekt im „Roten Meer“ vor Saudi-Arabien teilnehmen, bei dem der Meeresboden zunächst nach antiken Fundstätten abgesucht und kartiert wird. Dabei wurden bereits zwei antike Wrackstellen entdeckt. Im Herbst soll die nächste Kampagne starten. Ab 2015 plant Held eine Kooperation mit dem Unterwasser-Forschungsinstitut „Geomar“ in Kiel, wodurch modernste Technik eingesetzt werden kann - darunter ein Forschungstauchboot, mithilfe desse Wracks in bis zu 400 Meter Wassertiefe untersucht werden können.

von Manfred Hitzeroth

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