Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° wolkig

Navigation:
Nadelöhr Pilgrimstein

Verkehrsausschuss Nadelöhr Pilgrimstein

Der Pilgrimstein, Marburgs schlimmstes Nadelöhr in der Innenstadt: Parkende Autos, Radfahrer und fahrende Pkw konkurrieren um einen viel zu engen Straßenraum.

Voriger Artikel
Auswandern für Albaniens Kinder
Nächster Artikel
Mehr als 400 Beschwerden über "rechts vor links"

Parkende Autos, Radfahrer und der motorisierte Individualverkehr müssen sich die Fahrbahn im Pilgrimstein teilen. Für die Schwächsten, die Radfahrer, ist das gefährlich.Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Es hat irgendwann so kommen müssen: Ein Radfahrer, der den Pilgrimstein wie vorgeschrieben auf der Fahrbahn befuhr, stürzte vor einigen Wochen schwer und zog sich erhebliche Kopfverletzungen zu. Grund für den Unfall: Der Radfahrer war gegen die gerade geöffnete Fahrertür eines parkenden Autos geprallt, dessen Fahrer nicht bemerkt hatte, dass sich auf der abschüssigen Straße ein Fahrrad näherte.

Der Vorfall beschäftigte jüngst auch den Verkehrsausschuss des Parlaments - und hinterließ einigermaßen Ratlosigkeit.

"Dieser Zustand ist unhaltbar"

Der Straßenraum ist nämlich eigentlich viel zu eng, um Parkplätze, Radfahrer und Pkw aufnehmen zu können. Der Linken-Abgeordnete Hennig Köster-Sollwedel sagte, Radfahrer könnten entweder einen Sicherheitsabstand zu den parkenden Autos einhalten und eine längere Schlange drängelnder Pkw hinter sich ertragen, oder sie könnten sich auf die Gefahr eines schweren Unfalls einlassen und dicht an die parkenden Autos heranfahren.

„Dieser Zustand ist unhaltbar“, sagte Köster-Sollwedel. Nur: Abhilfe zu schaffen ist schwer.

  • Den Radverkehr auf dem Rad- und Fußgängerstreifen auch in Fahrtrichtung Innenstadt zuzulassen, wie unter anderem von „Pirat“ Dr. Michael Weber vorgeschlagen, würde das Gefahrenpotenzial für Fußgänger und insbesondere Behinderte erhöhen, weil auch der Rad-/Fußgängerstreifen sehr schmal ist. Hinzu kommt, so formulierte es Bürgermeister Dr. Franz Kahle: „Unser Credo ist, den Radverkehr auf die Straße zu bringen und nicht, ihn davon zu verbannen.
  • Tempo 30 auf dem Pilgrimstein ist, so schätzt es die Stadtverwaltung ein, schwer zu realisieren. Laut Kahle liegen die rechtlichen Voraussetzungen nicht vor. Für Tempo 30 auf einer Landesstraße müssten baulicher Gegebenheiten (etwa fehlende Gehsteige) vorliegen, das Unfallgeschehen erheblich über dem vergleichbarer Streckenabschnitte liegen oder der Zugang zu einer Kindertagesstätte oder Schule an der Straße liegen. „Alles ist nicht der Fall.“
  • Chancenlos ist der Vorschlag, die Parkplätze am rechten Straßenrand wegfallen zu lassen. Mehrere Ausschussmitglieder berichteten, dass zumindest die auswärtigen Touristenbusse in Nähe der Elisabethkirche parken müssten. Der Vorschlag der Marburger Linken, Anliegerparkplätze wegfallen zu lassen und andernorts neu zu schaffen, wurde von allen anderen Fraktionen ebenso abgelehnt wie die Forderung, bis zur Behebung der gegenwärtigen Gefahrensituation zumindest das Befahren des Radstreifens in Richtung Innenstadt zu tolerieren, das heißt keine Ordnungsgelder zu erheben.
  • Den Pilgrimstein für den Pkw-Verkehr zu sperren - einer der Klassiker in der seit Jahrzehnten emotional und ideologisch geführten Verkehrsdiskussion - verbietet sich von selbst, solange die Anfahrt zum Parkhaus nicht geregelt ist. Verschärfend kommt hinzu, dass mit dem Baubeginn der neuen Universitätsbibliothek die Parkplätze auf dem Brauereigelände wegfallen.

Was bleibt den Stadtverordneten, wenn sie sich heute Abend ab 16.30 Uhr im Sitzungssaal Berfüßerstraße 50 unter anderem auch mit diesem Antrag beschäftigen?

Der Ausschuss empfiehlt dem Parlament: Erstens Tempo 30 zumindest noch einmal prüfen zu lassen, und zweitens in geeigneter Form darauf hinzuweisen, dass Radfahrer auf dem Pilgrimstein nicht überholt werden dürfen - letzteres eine Bestimmung, die die Straßenverkehrsordnung ohnehin vorschreibt, weil der Sicherheitsabstand von 1,5 bis 2 Metern nicht eingehalten werden kann.

Kommentar: Einer muss weg
Es spricht von einiger Ratlosigkeit, wenn dem Parlament heute Abend tatsächlich nichts einfällt, um die Gefahrensituation am Pilgimstein zu entschärfen. Mit ein wenig Schminke hier (aussichtsloses Tempo 30 prüfen) und ein wenig Tusche dort (Hinweisschilder) ändert sich nichts. Will man Radfahrer und Fußgänger schützen, gäbe es nur zwei Möglichkeiten.
Entweder man sperrt den Pigrimstein für Pkw auf seiner halben Länge und lässt die Zufahrt zum Parkhaus frei – etwa in einer verkehrsberuhigten Zone. Eine solche Lösung würde auch weiteren Verkehr im Zuge der Campus-Bebauung verkraften, aber den Verkehrsfluss durch die Innenstadt verlangsamen.
Oder man sperrt – Radfahrer, jetzt bitte tapfer sein! – den Pilgrimstein für Radfahrer und leitet sie über Deutschhausstraße und Biegenstraße zum Rudolphsplatz. Es gäbe einen Aufschrei. Aber es würde für mehr Sicherheit sorgen.  Der Umweg beträgt wenige Minuten.  Und es passt in die Überlegungen um eine umgestaltete Biegenstraße an der  Stadthalle.  Aber: Eine heilige Kuh müsste geschlachtet werden.

von Till Conrad

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Pilgrimstein
Engstelle Pilgrimstein: Radfahrer müssen stadteinwärts die Fahrbahn benutzen – die Enge ruft immer wieder gefährliche Situationen hervor.

Der Magistrat lässt prüfen, ob bei einer Sperrung des Pilgrimsteins das Parkhaus aus Richtung Wolffstraße angefahren werden kann. Chancen für eine Änderung der Verkehrsführung sind gering.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr