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Nachhaltigkeit statt Gewinnmaximierung

Wasserkraftanlage Nachhaltigkeit statt Gewinnmaximierung

Der seit Jahren geplante Bau einer Wasserkraftanlage an der ehemaligen Lohmühle für das Technologie- und Tagungszentrum soll ab Mai erfolgen.

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An dieser Stelle des Lohmühlengrabens soll die Wasserkraftanlage entstehen.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Bereits seit einigen Jahren läuft die Planung für die neue Wasserkraftanlage am Standort der ehemaligen Lohmühle. Neben dem Bau eines mittelschlächtigen Wasserrades mit einer elektrischen Leistung von zehn Kilowatt, umfasst das Projekt verschiedene städtische Umbau- und Sanierungsarbeiten am Lohmühlengraben, teilte die Stadt Marburg mit.
Laut Planfeststellungsbeschluss ist im Vorfeld ein Abriss der sanierungsbedürftigen Wehranlage vorgesehen, das von der neuen Anlage ersetzt werden soll. Das Wasserrad an der etwa zwei Meter hohen Staustufe soll einen Durchmesser von fünfeinhalb Meter und eine Breite von zwei Meter haben.

Für das Projekt werden Investitionskosten in Höhe von rund 350 000 Euro angesetzt, inklusive Ingenieurleistungen, erklärten die Stadtwerke. Zweck der Anlage ist einerseits die Stromerzeugung, andererseits soll diese als Pilotanlage für Demonstrationszwecke dienen. Mehrere Anwohner und Vertreter der heimischen Anglerverbände hatten in den vergangenen Jahren Beschwerde gegen das Projekt eingelegt.

Planung sieht Gewässerausbau vor

Den Bau einer solch teuren Wasserkraftanlage mit einer Leistung von „nur“ zehn Kilowattstunden, empfindet so mancher Marburger als Verschwendung – einer ist Bernd Holzapfel. Sein Grundstück liegt direkt am Lohmühlengraben und soll im Zuge der Bauarbeiten als Zufahrt von Baumaschinen und Material­ ­­genutzt werden.

Die Planung sehe nicht nur die eigentliche Anlage sondern ebenfalls einen vom Regierungspräsidium Gießen genehmigten Gewässerausbau als notwendige Maßnahme zur Unterhaltung des Mühlengrabens sowie zur Gewährleistung des Hochwasserschutzes vor, gaben die Stadt Marburg und Stadtwerke in einer gemeinsamen Erklärung bekannt.
Neben der eigentlichen Wasserkraftanlage der Stadtwerke will die Stadt Marburg im ­Zuge der Bauarbeiten Maßnahmen zur Erhaltung des Mühlengrabens wie die Erneuerung der Schutzanlage und den Umbau des Einlaufbereiches für zusätzliche rund 150 000 Euro übernehmen. „Zum größten Teil fallen diese Arbeiten unabhängig zu der Wasserkraftanlage an.

Nutzer wird das Technologie- und Tagungszentrum sein

Durch den Umbau sinken jedoch die Unterhaltungskosten“, erklärt Edith Pfingst von der städtischen Pressestelle. Hinzu komme bei der durch Wasserkraft betriebenen Anlage eine sehr gute CO2-Bilanz. „Hier steht die Nachhaltigkeit im Vordergrund, nicht die Gewinnmaximierung“, so Pascal Barthel, Pressesprecher der Stadtwerke Marburg. Der Bau einer alternativen Photovoltaik-, wie von Holzapfel vorgeschlagen, anstelle der geplanten Wasserkraftanlage sei am Standort Lohmühle zudem nicht sinnvoll.

Nutzer des erzeugten Stroms werden ausschließlich das nahe Technologie- und Tagungszentrum der Stadtwerke sein, das sich über die Wasserkraftanlage komplett mit Strom aus Erneuerbaren Energien versorgen könne. Als moderne Pilotanlage soll der Bau des historischen Wasserrades zudem dessen Konkurrenz- und Leistungsfähigkeit etwa gegenüber gebräuchlichen Turbinen demonstrieren wie auch eine städtebau­liche Bereicherung sein.
Negative Auswirkungen, etwa auf die alten Anlagen der Ölmühle oder den Fischbestand, seien nicht zu erwarten. Im Zuge der Planung wurde eine mögliche Auswirkung auf die Umwelt überprüft. Demnach gebe es mittlerweile „keine erheblichen nachteiligen Auswirkungen auf die Umwelt“ wie etwa Wasser oder Fischbestand. Im Zuge der Überprüfung und Proteste der heimischen Fischerei gegen die ursprüngliche Planung umfasst der Umbau nun diverse Ein- und Abstiegshilfen für Fische, verzögerte den Baustart jedoch um ein weiteres Jahr.

Die geplante Bauzeit wird nun zwischen Mai und etwa­ ­Oktober 2015 liegen, teilt die Stadt mit.

von Ina Tannert

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