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Nachbarin: „rauer Ton“ in der Familie

Missbrauch-Prozess Nachbarin: „rauer Ton“ in der Familie

Zehn weitere Zeugen berichteten über zunehmende Auseinandersetzungen innerhalb der Familie des Mannes, der vor mehr als zehn Jahren seine damals minderjährige Tochter missbraucht haben soll.

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Vor dem Landgericht Marburg muss sich ein 44-jähriger Familienvater verantworten, der vor mehr als zehn Jahren seine minderjährige Tochter missbraucht haben soll.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Mehrere Verwandte widersprechen indes der Nebenklägerin. Rückblick: Mindestens dreimal, in den Jahren 1999, 2004 und 2005, soll der Vater seine damals minderjährige Tochter am ganzen Körper berührt und zum Oralverkehr aufgefordert haben, zum Geschlechtsverkehr kam es nicht, so die Nebenklägerin. Vor Gericht brachte die heute 25 Jahre alte Tochter den Fall, aus Angst vor neuerlichen Übergriffen des Vaters gegen ihre minderjährige Schwester (die OP berichtete).

Mehrere Zeugen, Verwandte und Freunde der Familie sagten am zweiten Verhandlungstag vor der Strafkammer des Landgerichts aus. Der Ex-Freund der mutmaßlich Geschädigten berichtete von einem „schlechten Klima und Streitereien“ zwischen der Tochter und den Eltern. Das Verhältnis zwischen Vater und Tochter sei jedoch so weit normal gewesen, so der ehemalige Jugendfreund der Nebenklägerin.

Einige Zeit vor der Scheidung der Eltern vor rund drei Jahren „wurde der Ton immer rauer“, erinnerte sich auch eine ehemalige Nachbarin. Vermehrt kam es zu lautstarken Streitigkeiten innerhalb der Familie. Die Tochter habe den Eindruck erweckt, als habe sie Angst vor der Mutter, ein gestörtes Verhältnis zum Vater sei ihr nicht aufgefallen, so die Zeugin.

Die Schwester des heute 44 Jahre alten Angeklagten gab an, dass sie nichts von gewalttätigen Übergriffen des Vaters gegen seine älteste Tochter mitbekommen habe, wohl aber von Schlägen seitens der Mutter. Diese habe die Familie dominiert, der Schwägerin jedoch auch von der eigenen Vergewaltigung und dem erfolglosen Strafverfahren gegen ihren Mann berichtet, so die Zeugin. Nach der darauffolgenden Trennung der Eltern habe die Mutter der Tochter verboten, ihren Ex-Mann zu kontaktieren. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie der Mutter von den angeblichen sexuellen Übergriffen erzählt, teilte die 25-Jährige mit.

Ein Thema während des Verfahrens waren mehrere Aktbilder, welche die Nebenklägerin im Alter von 16 Jahren im Beisein der Mutter von einem professionellen Fotografen anfertigen ließ. Die Jugendliche habe während der Nackt-Aufnahmen weder schüchtern, noch allzu offenherzig gewirkt, sondern sich seiner Meinung nach normal verhalten, teilte der Fotograf vor Gericht mit. Der Vater war zum Zeitpunkt des Shootings nicht anwesend. Über die Fotos habe sich seine damalige Freundin gefreut, sei stolz auf ihr Äußeres gewesen, erinnerte sich der Ex-Freund der Nebenklägerin.

Anwältin will drei weitere Zeugen befragen

Als Dreh- und Angelpunkt bezüglich der Glaubwürdigkeit der mutmaßlich Geschädigten wurden darüber hinaus wiederholt die vermeintlichen Reisen der Mutter nach Bonn vor Gericht diskutiert. Laut Nebenklägerin kam der Vater stets in ihr Bett, während die Mutter alleine auf Reisen war und sich in der Botschaft in Bonn um die Anerkennung der deutschen Staatsbürgerschaft der russisch-deutschen Familie kümmerte, hatte die Tochter angegeben.

Zu diesem Punkt sagten vier Verwandte als Zeugen aus, die von der Familie des Angeklagten auf gemeinsamen Reisen nach Bonn regelmäßig besucht wurden. Alle vier gaben an, dass die Mutter nie alleine bei ihnen übernachtete, ihres Wissens nach nie ohne ihre Familie nach Bonn gefahren sei. Über Jahre hinweg seien alle Verwandten, anfangs Mutter und Vater mit der ältesten, später ebenfalls mit der jüngeren Tochter, regelmäßig zu Besuch gekommen. „Sie waren immer alle zusammen da, die ganze Familie“, teilten die Verwandten mit.

Im Anschluss an die Zeugenvernehmung stellte Rechtsanwältin Diana Cosic als Vertreterin der Nebenklage einen weiteren Beweisantrag und bestellte drei weitere Zeugen, die eine alleinige Reise der Mutter nach Bonn bestätigen könnten.

Da dieses Thema einen „zentralen Punkt“ der Beweisaufnahme darstelle, dem nachgegangen werden muss, ließ der Vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf den Antrag zu. Die Verhandlung wird am Dienstag, 31. März, fortgesetzt.

von Ina Tannert

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