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Nach dem ersten Flug ist die Sache klar

OP erfüllt Kindern Wünsche Nach dem ersten Flug ist die Sache klar

700 Meter über dem Boden. Auf langen, schlanken Flügeln gleitet der majestätische Segelflieger durch die Luft. Die Gewinner bei der OP-Ferienaktion, Maike und Matthias, verbrachten einen spannenden Tag in Schönstadt.

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Schönstadt. Strahlend weiß glitzern die Flügel der eleganten Segelflugzeuge auf der Flugplatzwiese in der Sonne. Der motorisierte Schlepper ist bereit, die Zugleine sitzt. Brummend startet die Maschine, die Leine strafft sich, es geht aufwärts. Der Wind steht gut. Leinen los und schon gleitet der Segler selbstständig davon.

Hoch über dem Marburger Land zieht er seine Kreise, kein Propeller- oder Motorenlärm stört den Flug. Das Segelfliegen war eine der begehrtesten Aktiones des „OP-erfüllt-Kindern-Wünsche“-Gewinnspiels.

Die glücklichen Gewinner Matthias Gessner (13 Jahre) aus Weimar und Maike Gregersen (14 Jahre) aus Wetter verbrachten einen ganzen Tag mit dem Kurhessischen Verein für Luftfahrt (KVFL) auf dem Flugplatz bei Schönstadt.

Doch vor dem ungeduldig erwarteten ersten Segelflug stand erst einmal ein wenig Vorbereitung und Theorie auf dem Plan. Gemeinsam mit einigen Vereinsmitglieder, darunter auch den aktuellen Flugschülern der Saison, halfen unsere beiden Losgewinner bei den alltäglich anfallenden Vorbereitungen auf dem Flugplatz mit.

Zunächst mussten die drei Segler für diesen Tag erst einmal „ausgepackt“, also die Schutzhüllen von Kuppel und Flügeln entfernt werden. Dann noch wichtige Utensilien wie frische Batterien und Fallschirme einpacken. Im Anschluss wurden die etwa 300 Kilogramm schweren Segler von mehreren Helfern aus der Flughalle über den ganzen Platz zum Startpunkt gezogen. Jeder Flugtyp, Segel- oder Motorflieger, hat auf der großen Wiese aus Sicherheitsgründen eine eigene Startbahn.

Fluglehrerin Marianne Winkler, die bereits seit über 40 Jahren im Cockpit sitzt, betreute die jungen Piloten an diesem Tag. Im Vorfeld erklärte sie Ablauf, Steuerung und Besonderheiten der Segelflieger. Wichtig ist vor allem Gleitfähigkeit und Schwerpunkt der Flieger, das Gewicht der Piloten und Ausrüstung und dessen Verteilung.

Bei einem Passagier, der unter 65 Kilogramm wiegt, werden zusätzlich Bleigewichte mitgeführt, um das ideale Fluggewicht zu erreichen. Personen mit einem Gewicht über 110 Kilogramm können im übrigen nicht mitfliegen.

Maike und Matthias durften jeweils zweimal an diesem Tag mit dem Schulflugzeug ASK 13 abheben. Dieses doppelsitzige Segelflugzeug besteht aus einer Holz-Metall-Konstruktion. Je nach Wetter und Wind sind maximal etwa 250 Kilometer pro Stunde möglich. Die Flügelspannweite beträgt mehr als 15 Meter. Es ist ein besonders „gutmütiges“ Modell und ideal für erste Schulungs- und Orientierungsflüge geeignet.

Flugschüler sitzen auf dem vorderen Sitz des Seglers

Wie alle Flugschüler, saßen auch unsere Gewinner bei jedem Flug auf dem vorderen Sitz des Seglers, direkt vor den Armaturen. Der Lehrer sitzt am zweiten Steuerknüppel dahinter, bedient von dort aus die Technik und achtet auf den Schüler.

20 Minuten über den Wolken

Im Gegensatz zu motorisierten Flugzeugen, benötigen die Piloten beim deutlich leiseren Segelfliegen kein Headset, um sich verständigen zu können. Allerdings ist eine Kopfbedeckung Pflicht, da die Sonne direkt auf die gänzlich durchsichtige Cockpitkanzel scheint. Dafür hat man auf dem Flug einen herrlichen Rundumblick.

Beim Einsteigen ist Vorsicht geboten: bei leerer Maschine drückt ein Helfer die Schnauze des leichten Seglers nach unten, so können die Piloten einfacher ins niedrige Cockpit klettern. Diese müssen darauf achten, dabei den dünnen Stoffüberzug des Fliegers nicht zu beschädigen. Im Sitz des engen, etwa ein Meter hohen Cockpits, geht es erst einmal weiter mit der Überprüfung von Ausrüstung und Maschine. Jeder Passagier trägt einen Fallschirm auf dem Rücken und wird mit mehreren Gurten fest geschnallt. Sicherheit wird hier groß geschrieben. Gemeinsam mit ihrer Fluglehrerin prüften Maike und Matthias die Flugtüchtigkeit des Seglers.

Nach erfolgreich bestandener Checkliste sowie Pedal- und Sitzanpassung wuchs die Spannung. Matthias war noch nie mit einem Segel- oder Motorflugzeug geflogen. „Ich bin total aufgeregt“, freute er sich kurz vor dem Start. Der erste Schlepp wird auf etwa 700 Meter „über Grund“ ausgeführt, teilte die Ausbilderin mit.

Pilot Günther Müller stellte sich als Schlepper zur Verfügung. Mit einem eigens dafür ausgerüsteten Motorflugzeug wird der Segler an einer robusten Leine in die Luft gezogen, bis er passende thermische Aufwinde erreicht, auf denen er gleiten kann. „Gleich geht es los. Ich freue mich total“, lachte Maike aus dem Cockpit heraus. Nach einem weiteren kurzen Briefing sind Segler und Piloten bereit, an die Leine gelegt zu werden. Einmal das Ausklinken der Zugleine getestet und dann wird es ernst. Alle Unbeteiligten verlassen die Startbahn.

Über Start und Landung entscheiden immer die Piloten. Der Tower gibt zwar das Signal „Startbahn frei“, jedoch müssen die Flieger immer nach eigenem Ermessen agieren und die Augen offen halten. Der Schlepper startet und nimmt langsam Geschwindigkeit auf. Die Leine strafft sich und der leichte Segler kommt in Schwung. Ein letzter Helfer hält dem Segelflieger noch eine Zeit lang den Flügel, läuft ein Stück mit und hält ihn in Position. Rasant geht es über die Wiese, bis das Gespann etwa 90 Kilometer die Stunde erreicht hat. Noch bevor der Motorflieger abhebt, fliegt der leichte Segler bereits über dem Boden hinterher.

Der Schlepper hebt ab und es geht steil nach oben. Auf etwa 500 Metern Höhe ist eine gute Thermik gefunden, die Leine wird ausgeklinkt, der Segelflieger trennt sich von der Schleppmaschine. Mit etwa 100 Kilometern pro Stunde segelt er über das Land. Bis zu den Lahnbergen geht der Flug, dort drehen die Piloten eine Runde und weiter geht es Richtung Mellnau. Die Sonne scheint, die Aussicht aus 700 Metern Höhe ist herrlich.

Viele helfende Hände, das gehört zum „guten Ton“

Jeder Flug dauert etwa 20 Minuten. Vor den Wolken über Schönstadt taucht der Segler schließlich wieder auf, kreist noch einmal und setzt elegant zur Landung an. Er schießt über die Wiese, setzt ruhig auf und kommt zur Ruhe. Die Helfer holen ihn auf dem Flugfeld ab. Gemeinsam ziehen ihn alle zurück auf die Startposition, dies gehört auf einem Flugplatz zum guten Ton.

„Es war total cool“, sagt Matthias und steigt grinsend aus der Kanzel. Bei Start und Landung hat es ganz schön gewackelt, erzählt er, aber hoch oben war der Flug sehr ruhig. Einige Kurven ist er sogar selber geflogen. Wie Maike, die auf ihrem Flug auch den Steuerknüppel übernehmen durfte. „Beim Hochfliegen hat es ganz schön im Bauch gekribbelt, die Tour hat großen Spaß gemacht“, erzählt sie lachend. Maike ist begeisterter Sport- und Fliegerfan. Seit Jahren überlegt sie, eine Segelflugausbildung zu absolvieren. Nun, mit 14 Jahren, dürfte sie das auch. Und nach dem ersten Flug ist sie sich sicher: „Ich möchte Segelfliegerin werden.“

von Ina Tannert

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