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Nach Liebes-Aus: Angeklagte bedrängt Ex-Freund

Prozess gegen Messerstecherin Nach Liebes-Aus: Angeklagte bedrängt Ex-Freund

Flehen und fluchen: Im Prozess gegen eine ­geständige 27-Jährige, die Laura S. (29) getötet hat, sind Chatverläufe und Briefe zwischen der ­Angeklagten und dem Ex-Freund – dem neuen Partner der Getöten, als Beweise vorgelegt worden.

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Briefe und Chats dienen als Beweismaterial im Prozess gegen die geständige Messerstecherin.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Trauer, Kummer, Frust und Wut: Tage, nachdem sie ihren Freund – einen 25-jährigen Wirtschaftsstudenten – in flagranti mit der 29-jährigen Laura S. im Bett erwischt zu haben scheint, macht die Angeklagte ihrer Bitterkeit in Dutzenden digitalen Briefen Luft. Der Vorsitzende Richter am Landgericht, Dr. Carsten Paul, zitiert Auszüge: „Ich erwarte eine Entschuldigung. Du hast uns das angetan, lass uns darüber sprechen“, schreibt die Angeklagte etwa am 1. November 2012, rund zwei Wochen nach dem vermeintlichen Fremdgehen des Freundes.

Am 6. Juli 2013 folgt: „Die Trennung hast du erzwungen. Erst hast du mich entjungfert, dann hast du mich auf halber Strecke liegenlassen.“ Sie könne das „alles nicht herunterschlucken“, sie leide, fühle sich betrogen und einsam. Ihr Ex-Freund reagiert auf die meisten – schubweise und massiv auftretenden – Kontaktversuche nicht. „Ich will meine Ruhe, verstehe das endlich“, entgegnete er Anfang November 2012. Im Juli 2013 schreibt er im sozialen Netzwerk Facebook: „Akzeptiere es, wie es ist, hör auf mich zu belästigen, das ist krank“.

Im Herbst 2013 will die Angeklagte erneut ein „sachliches, klärendes Abschlussgespräch führen“, wie sie am 21. Oktober schreibt. „In mir hat sich so viel angesammelt, wir haben nie mehr gesprochen. Ich sagte damals noch, Junge, nutze mich bitte nicht aus. Ich möchte Antworten auf meine Fragen, ein lösendes Gespräch, ich sterbe vor Leid. Ich will endlich wieder leben können, dazu brauche ich das Gespräch“, schreibt sie.

Der Ex-Freund lehnt ab, antwortet: „Das Leben ist nicht fair.“ Später sagt er ein Treffen für Januar 2014 zu. „Wenn du willst, treffen wir uns“, schreibt er auf Facebook. Zu diesem kommt es nicht. „Du stehst nicht zu deinem Wort. Tu es wenigstens für die Zeit, die wir hatten, für die Frau, die du entjungfern durftest“, schreibt die Jurastudentin daraufhin.

Letzte Mail an Ex-Freund kommt Stunden vor der Tat

Am 25. März, einen Tag vor dem tödlichen Angriff auf Laura S., startet die Jurastudentin einen neue Kontaktaufnahme-Versuch. „Lass uns endlich sprechen. Es wird ein Abschied für immer, du siehst mich nie wieder, danach hört alles auf.“ Antwort des Ex-Freunds: „Hör auf, ich muss lernen.“ Zwölf Stunden vor der Tat sendet die 27-Jährige eine letzte Mitteilung: „Meine Liebe, meinen Körper, meine Jungfräulichkeit habe ich dir gegeben. Du hast mich 1000 Mal belogen, bist fremdgegangen, hast mich weggeschmissen.“

Sie werde „jetzt sterben“, wenn er sich nicht bei ihr melde. Mitte Juni, während der andauernden Untersuchungshaft, hat sie zudem einen Brief an ihre Familie in Stuttgart geschrieben. Darin schildert sie die Sekunden vor den laut Gerichtsmedizin 36 Messerstichen. „Ich war plötzlich so außer mir, alles war schwarz vor meinen Augen. Mein Gehirn stand still, ich hatte einen Kurzschluss, dann war es passiert.“ Kontakte zwischen der Angeklagten und Laura S. hat es wohl nicht gegeben, als Beweismittel sind während der Verhandlung keine eingeführt worden.

In den anderen Nachrichten kommt die Getötete aber oft zur Sprache. Ebenso in einem Chat mit einem Bekannten des Ex-Freunds, wo die 27-Jährige davon spricht, dass Laura S. ihr den „Freund ausgespannt“ und „Gehirnwäsche“ betrieben sowie „schlecht über mich geredet“ habe. Die Frau solle daher „dasselbe durchmachen wie ich“, weshalb sie ihr den Freund wiederum „ausspannen will“.

Der Ex-Mitbewohner (38) der Angeklagten schilderte indes, dass die Angeklagte häufiger mit ihm über Beziehungsprobleme sprach. „Gewaltandrohungen und Gewaltfantasien“ gegenüber Laura S. habe sie nicht geäußert. Die 27-Jährige soll ihn aber gefragt haben, ob er den Ex-Freund „schlagen, ihm wehtun“ könne. Er lehnte ab.

  • Fortsetzung: 15. Dezember, 13 Uhr, Saal 101.

von Björn Wisker

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