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Nach Griff in Ladenkasse: Es bleibt bei Bewährungsstrafe

Berufungsverhandlung Nach Griff in Ladenkasse: Es bleibt bei Bewährungsstrafe

Weil er tausende Euro gestohlen und für seine Spielsucht ausgegeben hatte, wurde ein Supermarktangestellter im April vom Amtsgericht zu einer einjährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt. Gegen das Urteil hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, zog das Rechtsmittel jetzt jedoch wieder zurück.

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Der Angeklagte hatte mehrfach in die Kasse des Ladens gegriffen, in dem er arbeitete.

Quelle: Archiv

Tausende Euro entnahm der Angeklagte zwischen Mai und November 2013 sowohl aus dem Firmentresor wie aus der Kasse des Supermarktes und steckte das Geld in die eigene Tasche. Regelmäßig zweigte er einen Teil des Wechselgeldes oder der Tageseinnahmen ab, missbrauchte durch sein Handeln seine Funktion als stellvertretender Marktleiter.

Zwischen 1 200 und 3 400 Euro einbehalten

Jedes Mal behielt er Summen zwischen 1 200 und 3 400 Euro ein, um seine Spielsucht finanzieren zu können. Die Beute im fünfstelligen Bereich verprasste der Mann an Glücksspielautomaten. Ende April verurteilte ihn das Amtsgericht Marburg daher wegen Untreue und Diebstahl in insgesamt 21 Fällen zu einer einjährigen Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Ein zu mildes Urteil, entschied der damals zuständige Staatsanwalt und legte unbeschränkte Berufung ein. Die Begründung: Das Handeln des Täters weise das strafverschärfende Merkmal der Gewerbsmäßigkeit auf und erfordere ein entsprechend höheres Strafmaß.

Dies sah das Landgericht als zweite Instanz während der Berufungsverhandlung anders. Ein gewerbsmäßiges Handeln innerhalb der „relativ überschaubaren Tatzeiträume“ konnte der Vorsitzende Richter nicht feststellen, machte Dr. Frank Oehm noch vor Beginn der Beweisaufnahme deutlich. Daneben seien die jeweiligen Einzelstrafen zum Teil zu hoch angesetzt für einen nicht vorbestraften Täter. Vom Gesamtergebnis her habe das Amtsgericht jedoch „gar nicht so schlecht gelegen“.

Ein Grund für eine Berufung liege angesichts der Aktenlage nicht vor.

Dieser Ansicht schloss sich ebenfalls der Anklagevertreter an: „Das geht eigentlich so in Ordnung“, stellte Staatsanwalt Dr. Kurt Sippel fest.

„Grünes Licht“ vom Kollegen der ersten Instanz

Nach Rücksprache mit seinem in erster Instanz zuständigen Kollegen habe er mittlerweile auch „grünes Licht“ erhalten, die Berufung zurückzuziehen.

Dem konnte sich die Verteidigung nur anschließen. Mit dem Urteil habe der Angeklagte sowieso bereits „seinen Frieden gemacht“, teilte Verteidiger Arik Thaye Bredendiek mit und befürwortete eine Rücknahme des Rechtsmittels. „Ein Sieg der Vernunft“, lobte der Richter den zügigen Ausgang des Verfahrens.

von Ina Tannert

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