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Nach Frustration herrscht eitel Freude

Kinderkrippe Nach Frustration herrscht eitel Freude

Der Neubau der Kinderkrippe Marburg-Süd auf dem Vitos-Areal ist offiziell eingeweiht worden. Ein kritischer Rückblick über die holprige und lange Bauphase durfte dabei nicht fehlen.

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Zahlreiche bunt gestaltete und lichtdurchflutete Gruppen-, Spiel- und Ruhebereiche stehen den insgesamt 50 Kindern der neuen Krippe zur Verfügung.

Quelle: Ina Tannert

Marburg. Seit gut vier Monaten tollen bereits Kinder durch den Neubau der Kinderkrippe Marburg-Süd auf dem Vitos-Gelände in der Cappeler Straße. Am Freitag feierte die Stadt gemeinsam mit der evangelischen Kirche, zahlreichen Projektbeteiligten, Mitarbeitern und Gästen die offizielle Einweihung der hochmodernen Krippe.

Rund drei Jahre nach Projektbeginn konnte der komplizierte Bau endgültig abgeschlossen werden, die Erleichterung war den Bauherren, Planern, Erziehern und Eltern deutlich anzumerken. Auch der neue Träger der brandneuen Institution, der Gesamtverband der evangelischen Kirchengemeinden Marburgs, zeigte sich zufrieden und dankte Mitarbeitern und Eltern, welche die verzögerte Bauphase „mit viel Geduld, aber auch kritisch“ begleitet haben, sagte der Verbandsvorsitzende, Pfarrer Ralf Hartmann. In ihrer neuen Kita sollen die Kinder liebevoll betreut, gefordert werden und nicht zuletzt den evangelischen Glauben spielerisch kennen lernen.

Ihre neue Krippe sei ein „herausragendes, außergewöhnliches Gebäude - einer der schönsten Flecken der Stadt“, betonte Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) überschwänglich. Alle Verantwortlichen seien sich jedoch bewusst, dass die Entstehung „eine Steißlage war“. Bei Geburten sagt man, dass daraus die schönsten Kinder entstehen - dies treffe auch auf die neue Kita zu, sagte Vaupel. Während eines Rundgangs erkundeten die Gäste auch gleich den neuen Bau und lobten die verschiedenen bunt gestalteten Gruppen-, Spiel-, Ruhe- und Außenbereiche. Eine Besonderheit des modernen „Plusenergiehauses“ ist neben der Reduzierung der Energiekosten auch die eigene Energiegewinnung, die weit über den Bedarf der Kita hinaus geht, teilte Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) mit.

Mit den 50 neu hinzugewonnenen Betreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren könne die Stadt die geplante Betreuungsquote von 45 Prozent erreichen, bei den Ein- bis Dreijährigen sogar rund 70 Prozent, erläuterte Kahle.

Insgesamt kostete der Bau rund viereinhalb Millionen Euro. Der Bund bezuschusste das Projekt im Rahmen der Kinderbetreuungsfinanzierung mit 750000 Euro. Insgesamt gibt es nun 80 Betreuungsplätze im Alt- und Neubau der Krippe. „Alle Plätze sind belegt“, freute sich Kita-Leiterin Burgel Hochgesand-Geulen.

Neben viel Lob und Erleichterung über die endgültige Fertigstellung fielen jedoch auch etliche harsche Worte in Richtung der Projektplaner. Verzögerungen und diverse Baumängel während der umfangreichen Bauphase hatten die Fertigstellung und den Einzugstermin immer wieder verzögert, sehr zum Ärger der Mitarbeiter und Eltern.

„Heute genießen wir die schönen Seiten des Hauses“

„Den süßen Wein mit einem Spritzer Essig“ würzte an diesem Tag daher Gisela Tausch von der Mitarbeitervertretung des Kirchenkreises. Sie kritisierte das zuständige Architekturbüro „Opus“ aus Darmstadt, das gerne etwas Neues, Einmaliges bauen wollte, es dabei jedoch ablehnte, mit denen zusammenzuarbeiten, die später in dem Gebäude leben und es nutzen wollen, sagte Tausch und betonte: die Aussage des Baumeisters „nein, mit Nutzern reden wir nicht“ sei sehr schade. Das Gebäude sei „zu sehr nach ästhetischen Gesichtspunkten, weniger nach den Bedürfnissen der späteren Bewohner“ erstellt worden.

Die Antwort auf die Kritik fiel eher seicht aus: „Das sitzt“, sagte Architektin Anke Mensing. Das Gesagte werden die Angesprochenen mitnehmen, „Prozesse und Ehen sind nicht einfach“, es sei ein langer und schmerzhafter Prozess mit unvorhersehbaren Ereignissen gewesen - doch seien Architekten auch belehrbar, so die „Opus“-Mitarbeiterin.

„Es gab Frustration und Ärger bei allen Beteiligten“, die Mitarbeiter hatten sich eine stärkere Beteiligung gewünscht, erinnerte auch die Kita-Leiterin. Doch habe dies das Team auch fester zusammengeschweißt. Immerhin seien einige Vorschläge der Erzieher angenommen worden. „Heute genießen wir die schönen Seiten des Hauses“, freute sich Hochgesand-Geulen. Im Laufe des Jahres sollen letzte bauliche Mängel sowie der noch etwas karge Außenbereich mit Spielgeräten verschönert werden.

von Ina Tannert

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