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Nach Bauarbeiten sind Stolpersteine wieder da

Gedenken Nach Bauarbeiten sind Stolpersteine wieder da

Die Stolpersteine am Heumarkt, die an ehemalige jüdische Mitbürger erinnern, sind nach den Tiefbauarbeiten wieder installiert worden.

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Dr. Kerstin Weinbach (von links), Ulrich Schütt und Barbara Wagner (beide Geschichtswerkstatt) legten an der Stelle der wieder eingesetzten Stolpersteine Rosen nieder.

Quelle: Heiko Krause

Marburg. Im Zuge der Tiefbauarbeiten der Stadtwerke mussten sie entfernt werden, aber seit Mittwoch erinnern die Stolpersteine am Heumarkt wieder an von den Nationalsozialisten in Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordeten Marburger Mitbürger.

Barbara Wagner vom Arbeitskreis Stolpersteine der Geschichtswerkstatt erinnerte daran, dass die vier Stolpersteine 2006 die ersten der inzwischen mehr als 70 an 33 Standorten im Stadtgebiet gewesen sind, die verlegt wurden. Die vier Steine erinnern an die Familie Estella, Alfred, Walter und Ruth Eisenberg. Ergänzt wurden sie nun durch weitere zwei Stolpersteine für Samuel und Else Meyer, Vater und Stiefmutter von Estella Rosenberg. Die beiden seien­ zwar aus einem Altenheim in Rheydt deportiert worden, in das sie zwangsweise mussten, wie Wagner erläuterte, jedoch wären sie unter normalen Umständen sicher nicht aus Marburg weggezogen.

Die Familien, so Wagner, seien alteingesessene Geschäftsleute­ gewesen und hätten bis zu ihrer Deportation im Haus Barfüßerstraße 50 gelebt. Das Gebäude wurde 1960 abgerissen und durch den Neubau ersetzt, in dem heute die Sparkassenfiliale und der Stadtverordnetensitzungssaal untergebracht sind.

Hetze nimmt im Internet zu

Laut Forschungsergebnissen der Geschichtswerkstatt musste Samuel Meyer das von seinem Schwiegervater geführte­ Geschäft weit unter Wert verkaufen, das Haus ging ein Jahr später ebenfalls zwangsweise an die Stadt Marburg. Die Familie lebte danach im sogenannten Ghettohaus in der Barfüßerstraße 15b. Wagner erinnerte daran, dass die Stolpersteinak­tion deutschlandweit nicht unumstritten ist. „Aber das Gegenteil von Gutmensch ist Schlechtmensch und Hetze nimmt immer mehr gerade im Internet zu“, dagegen müsse ein Zeichen gesetzt werden.

Stadträtin Dr. Kerstin Weinbach lobte das Projekt als „eine­ Art des Gedenkens, die sehr ­konkret ist“. Die Menschen stolperten im wahrsten Sinne des Wortes, aber auch über Information über reale Menschen. „Wir müssen das Bewusstsein stärken, dass Vorurteile und Diskriminierung immer wieder auftreten können.“

von Heiko Krause

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