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Mutmaßliches Opfer verschwunden

Amtsgericht Mutmaßliches Opfer verschwunden

Ein 46-Jähriger saß am Dienstag auf der Anklagebank des Marburger Amtsgerichts. Ob er seine ehemalige Lebensgefährtin geschlagen hat, blieb offen. Das mutmaßliche Opfer erschien nicht. Auch die Polizei konnte die Frau nicht finden.

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Im Marburger Amtsgerichtsgebäude begann gestern die Verhandlung gegen einen 46-jährigen Mann, der im November 2010 seine damalige Lebensgefährtin geschlagen haben soll.

Quelle: Archivfoto

Marburg. Der Angeklagte, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, soll seine damalige Lebensgefährtin am 11. November vergangenen Jahres in seinem Fahrzeug geschlagen und sie durch Gewalteinwirkung daran gehindert haben, das Fahrzeug zu verlassen. An einer Ampel auf der Südspange in Marburg soll es zu dieser Auseinandersetzung gekommen sein. Später soll der Angeklagte die Frau auf einem Parkplatz getreten haben, bevor ihr die Flucht gelungen sei. Der Angeklagte bestritt die Tat. Er sei zu diesem Zeitpunkt für mehrere Tage bei Bekannten in Biedenkopf gewesen. „Der Schlüssel und das Auto waren aber zu Hause“, machte er deutlich, dass es durchaus möglich sein könne, dass andere Personen mit dem Fahrzeug unterwegs waren.

Dass es zu einer Auseinandersetzung zwischen einem Mann und einer Frau im Auto des Angeklagten gekommen ist, scheint nach den Aussagen einer Zeugin sicher. Die 44-Jährige berichtete am Dienstag, mit ihrem Pkw vor dem Fahrzeug des 46-Jährigen gefahren und schließlich auch angehalten zu haben. Im Rückspiegel habe sie wahrgenommen, wie ein Mann auf eine Frau „richtig heftig eingeprügelt“ habe. Die Frau habe versucht, zu flüchten, und sei bereits mit den Füßen auf der Straße gewesen, als der Mann sie wieder zurück ins Auto gezerrt habe.

Sie selbst habe zunächst erfolglos versucht, einen weiteren Autofahrer, der vor ihr an der Ampel gestanden habe, zum Eingreifen zu animieren, und sei dann selbst zum Auto des Angeklagten gegangen. „Ich habe die Tür aufgerissen und gebrüllt, dass er aufhören soll“, erzählte die 44-Jährige. Der Mann habe sie lediglich kurz angeschaut und sei anschließend mit geöffneter Tür in eine andere Richtung davongefahren. Sie habe später die Polizei angerufen, sagte die Frau. Sie sei sicher, dass sie dabei das richtige Kennzeichen durchgegeben habe, da sie es sich auf die Hand geschrieben habe. Auch die Angaben zu Farbe und Marke des Pkw passten zum Auto des Beschuldigten.

Weniger sicher zeigte sie sich hingegen, ob es der Angeklagte oder ein anderer Mann war, der auf die Frau eingeschlagen hat. „Ich habe ihn jünger in Erinnerung“, sagte die Frau aus. „Es ist alles sehr schnell gegangen“, bat sie zu bedenken. Ob sie die im Fahrzeug befindliche Frau wiedererkennen würde, konnte sie ebenfalls nicht mit Gewissheit sagen.

Das mutmaßliche Opfer erschien am Dienstag nicht im Gerichtssaal. Da die Aussage der Frau für die Urteilsfindung als unerlässlich angesehen wurde, legte Richter Dominik Best für den 8. März, 10 Uhr, einen Fortsetzungstermin fest. Dann soll die Frau, die aufgrund ihres Fernbleibens mit einem Ordnungsgeld in Höhe von 150 Euro belegt wurde, polizeilich vorgeführt werden.

von Stefan Weisbrod

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