Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Mutige Kinder, die Halt benötigen

Löwenmutkids Mutige Kinder, die Halt benötigen

Die Gruppe „Löwenmutkids“ will das Selbstbewusstsein für Kinder von schwerkranken Elternteilen stärken und ihnen Freiraum bieten. Denn häufig übernehmen diese zuhause viel Verantwortung und leiden still.

Voriger Artikel
Kampf gegen Karies in der Mongolei
Nächster Artikel
Bibliotheksbau ist jetzt winterfest

Die Gruppe „Löwenmutkids“ richtet sich an Kinder von krebskranken Vätern oder Müttern. Foto: Nadine Weigel

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Ihre Eltern haben weniger Zeit für sie, häufig ein schlechtes Gewissen und sind oft ratlos: Kinder von schwerkranken Müttern und Vätern  werden oft mit viel Eigenverantwortung konfrontiert. Über ihre Ängste sprechen sie wenig, wollen eher ihre Eltern schützen. Emmy (16) ist froh, dass sie sich bei den „Löwenmutkids“ verstanden fühlt. Die Löwenmutkids ist eine Gruppe des Vereins „Leben mit Krebs“ und richtet sich an Kinder von krebskranken Eltern.

Viele der Teilnehmer sind Kinder von an Brustkrebs erkrankten Frauen. Luca (14) besucht seit drei Jahren die Gruppe. „Wir haben hier Spaß“, sagt er. In der Schule könne er nicht über das Thema Krebs sprechen. Sein Freund Sidney besucht die „Löwenmutkids“ inzwischen auch – er hat keine kranken Eltern zuhause, möchte aber Zeit mit seinem Schulfreund verbringen.

Die Erinnerung an die Angst vor dem Verlust

Luca ist in den Augen vieler­ ­Erwachsener ein besonders mutiges Löwen-Kind. Er steht für ein Pressegespräch zur Verfügung. Seine Mutter ist inzwischen nicht mehr krebskrank, erzählt er. Doch vor einem Jahr starb völlig unerwartet Lucas Vater. Ein Schock für die Familie.

Lucas Mutter, Regine Walter, ist froh, dass ihr Sohn weiterhin die „Löwenmutkids“ besucht. Sie berichtet ebenso wie andere Mütter, dass ihre Krankheit die Zeit und Energie für die Kinder geraubt hat. Das wiederum schmerzt seelisch. Die Kinder sprechen in der Gruppe ganz frei über ihre Ängste, sie wirken selbstbewusst. So soll es sein, sagt Christiane Schmitt, die die Löwenmutkids leitet. Neben ihr ist auch Sabine Kröning als Theaterpädagogin im Verein ­beschäftigt und unternimmt­ ­regelmäßig Aktionen mit den Kindern.

Paula (10) berichtet, dass sie in der Gruppe Spaß hat und sie schon viel über Krebs wisse. Und sie erinnert sich genau an ihre Angst, vor etwa fünf Jahren: „Ich hatte Angst, dass meine Mutter nicht zu meiner Einschulung kommen kann.“ Die Mutter hört dem fröhlichen Mädchen zu und schweigt traurig. Beide lassen Luftballons steigen,­ um das Thema Brustkrebs ­öffentlich zu machen. Auch das ist eine der Aktionen, die die „Löwenmutkids“ machen. Wer nicht will, muss nicht an die Öffentlichkeit. Die meisten wollen aber und stehen mit rosa Luftballons auf dem Marktplatz.

Offene Kommunikation ist wichtig für Kinder

„Häufig bleiben Kinder in dieser Lebenssituation, die von den Eltern besonders viel abverlangt, auf der Strecke. Die Krankheit Krebs beeinflusst das ganze Familiensystem. Kinder spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist und übernehmen oft in der Folge eine andere Rolle in der Familie, um das Familiensystem aufrecht zu erhalten“, erklärt Schmitt. Oft werde nicht bemerkt, dass Kinder besonders unter den Veränderungen leiden. „Offene Kommunikation über die Erkrankung ist in vielen Familien nicht an der Tagesordnung.“ Jedoch könne solch eine schwere Zeit, mit der richtigen Unterstützung, das Band zwischen Kindern und Eltern besonders stärken – so wie bei Luca und seiner Mutter.

Ein großes Anliegen des Vereins sei, die Hemmschwelle der Eltern zu überwinden. „Immer wieder stellen wir fest, dass die Eltern davon überzeugt sind, ihre Kinder benötigten keine Unterstützung. Wenn die Kinder aber doch einmal bei den „Löwenmutkids“ reinschnuppern zeigt sich immer, dass die Kinder sehr wohl Unterstützungsbedarf haben, und zwar außerhalb der Familie“, sagt Schmitt.

Emmy (16) erklärt: „Man hat hier das Gefühl, man wird hier verstanden.“

„Krebs ist kein Tabuthema, die Kinder und Jugendlichen trifft keine Schuld an der Erkrankung der Eltern und auch wenn es Mama oder Papa mal nicht so gut geht, müssen sie nicht kleine Erwachsene sein und ­alles immer richtig machen. Wir helfen ihnen, ihre Rolle innerhalb der Familie zu finden. Eine­ Rolle, die keinen Druck auf sie ausübt und in der sie sich wohlfühlen“, erklärt Schmitt. Mitmachen können Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 8 und 18 Jahren. Derzeit besuchen rund ein Dutzend Mädchen und Jungen die Gruppe.

  •  Kontakt zu den Löwenmutkids: „Leben mit Krebs Marburg“, Christiane Schmitt, Telefon 0 64 21/ 16 26 25 oder über die Homepage: www.Lebenmitkrebs-Marburg.de

factbox

Vier unterschiedliche Gruppen in Marburg, die mit Kindern in Notlagen arbeiten, kooperieren seit Kurzem zusammen. Dies sind die Löwenmutkids, die Trauergruppe Wehrda, die Starkids für Geschwister von chronisch kranken Kindern sowie die Gruppe Drachenherz des Blauen Kreuzes für Kinder und ­Jugendliche aus suchtbelasteten Familien. Oftmals haben Mitglieder einer dieser Gruppen auch Bedarf, weitere Hilfe in Anspruch zu nehmen, erklären die Projektverantwortlichen. Die OP hat auch die Starkids besucht und wird darüber berichten.

von Anna Ntemiris

Vier unterschiedliche Gruppen in Marburg, die mit Kindern in Notlagen arbeiten, kooperieren seit Kurzem zusammen. Dies sind die Löwenmutkids, die Trauergruppe Wehrda, die Starkids für Geschwister von chronisch kranken Kindern sowie die Gruppe Drachenherz des Blauen Kreuzes für Kinder und ­Jugendliche aus suchtbelasteten Familien. Oftmals haben Mitglieder einer dieser Gruppen auch Bedarf, weitere Hilfe in Anspruch zu nehmen, erklären die Projektverantwortlichen. Die OP hat auch die Starkids besucht und wird darüber berichten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr