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Muss Angeklagter in Haft?

Gericht Muss Angeklagter in Haft?

Für Staatsanwältin Kerstin Brinkmeier haben sich die beiden derzeit verhandelten Missbrauchsvorwürfe gegen einen 29 Jahre alten Mann "umfassend bestätigt". Gründe für eine Bewährung gebe es nicht.

Marburg. Der Angeklagte werde durch die glaubhaften Aussagen von mindestens fünf Zeugen schwer belastet, die drei jungen Männer und vermeintlichen Opfer hätten die Sachverhalte glaubhaft dargestellt und „konstante, in sich schlüssige Angaben“ machen können, sagte Staatsanwältin Brinkmeier. Dem Beschuldigten wird vorgeworfen, mehrere Minderjährige im Schlaf oder mit Gewalt sexuell missbraucht zu haben.

Am vierten Verhandlungstag berichtete der Angeklagte erneut von einer problematischen Kindheit, einem gespaltenen Verhältnis zu den eigenen Eltern und einem zweijährigen Aufenthalt in einem Kinderheim.

Erneut bekräftigte er, keinerlei bi- oder homosexuellen Neigungen zu verspüren, er fühle sich nicht zu Kindern oder Jugendlichen hingezogen, sagte der Beschuldigte.

Warum die drei damals minderjährigen Jungen sowie seine Ehefrau mannigfache Vorwürfe gegen ihn erheben, könne er sich nicht erklären, vermutet eine Art Racheaktion, da seine Frau angeblich „ein Techtelmechtel“ mit einem der jungen Männer angefangen hatte.

Die beiden aktuell verhandelten Taten von eigentlich vier Fällen wurden vom Rest der Anklage abgespalten, da Zweifel ob der Glaubwürdigkeit eines der vermeintlichen Opfer auftauchten, das Gericht daher ein aussagepsychologisches Gutachten anforderte (die OP berichtete). Die verbleibenden Vorwürfe aus den Jahren 2009 und 2012 bestreitet der Angeklagte.

Weder das Verhalten noch die freundschaftliche Beziehung zu einem der Jugendlichen, der auch nach den angeblichen Taten weiter bei ihm übernachtete, habe sich geändert, „ich habe ihn nicht genötigt oder angegriffen, alles war ganz normal“, betonte der 29-Jährige.

„Ich sehe keinepositive Sozialprognose“

Das sieht die Staatsanwaltschaft anders. Die Beweisaufnahme habe die Anklagevorwürfe „umfassend bestätigt“, sagte Brinkmeier in ihrem Plädoyer. Demnach habe der Beschuldigte zwei der vermeintlichen Opfer, damals 13 Jahre alt, sexuell genötigt und wiederholt bedrängt.

Vor drei Jahren soll der Mann zuletzt versucht haben, sich zu einem der schlafenden Minderjährigen zu legen und in sexueller Absicht zu nähern. Als dieser sich wehrte, soll er den Zeugen festgehalten, bedrängt und geohrfeigt haben.

Die Erklärung des Beschuldigten betrachtete die Staatsanwaltschaft als „ein wenig plausibles Komplott.“ Keiner der Betroffenen habe einen Grund, solche Lügen zu verbreiten. „Das Ganze ergibt ein einheitliches Bild“, fasste Brinkmeier zusammen.

Wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch widerstandsunfähiger Personen, sexueller Nötigung sowie Körperverletzung beantragte die Staatsanwältin eine Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Gründe, die Strafe zur Bewährung auszusetzen, fand sie nicht, „ich sehe keine positive Sozialprognose“.

Ein Urteil in dem Prozess gibt es noch nicht. Aus gesundheitlichen Gründen musste die Hauptverhandlung am Dienstag noch vor dem Plädoyer der Verteidigung spontan abgebrochen werden, der Vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf ist erkrankt, sah sich nicht in der Lage der geplanten Urteilsberatung der Kammer pflichtgemäß zu folgen. Plädoyer und Urteil folgen.

von Ina Tannert

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