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Multikulti für ein besseres Miteinander

Ausländerbeirat Multikulti für ein besseres Miteinander

Seit 19 Jahren kümmert sich der Ausländerbeirat um Migranten, gibt Hilfestellung, leistet Integrationsarbeit. Vor dem Marburger Stadtparlament haben die Vertreter noch nie gesprochen. Bis jetzt.

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Eine Stadt, viele Kulturen: In Marburg leben Menschen aus mehr als 140 Nationen. Der Ausländerbeirat übernimmt die Funktion des Bindeglieds für ein friedliches und verständnisvolles Miteinander.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Es war ein sichtlich bewegender Moment für Goharik Gareyan, die Vorsitzende des Gremiums. „Heute ist ein historischer Moment. Wir haben zum ersten Mal das Recht zum Parlament zu sprechen“, sagte sie. Von 130 Ausländerbeiräten in Hessen wurde dies bisher nur dreien ermöglicht. Dabei kann sich das, was die Mitglieder zu berichten haben, wahrlich sehen lassen.

Denn: „Wir hören oft das Wort Integration. Bei uns wird sie gemacht“, sagte Goharik Gareyan. In Marburg leben 6000 Ausländer, 2500 von ihnen studieren an der Philipps-Universität. 140 Nation leben in Marburg. Zahlen, die verdeutlichen, wie umfangreich die Arbeit des Beirates ist. Der ist Anlaufstelle für Migranten, die sich in der neuen Umgebung nicht zurecht finden, deutsche Gesetze nicht kannten, kulturelle Gepflogenheiten erst lernen müssen. Das fängt beim Kontakt mit der Ausländerbehörde an, das geht über Schulbesuche weiter bis hin zur Sprachenförderung, auch der Muttersprache. „Vor der Arbeit muss ich meinen Hut ziehen.

Der Rahmen, den die Mitglieder ausfüllen müssen, meistern sie in vorbildlicher Art und Weise.“ Ein Lob, das Goharik Gareyan und ihr 15-köpfiges Team gerne hören. Mit Emotionen, Überzeugung, aber auch mit der nötigen Ruhe bringt der Ausländerbeirat Kulturen zusammen, hilft zu verstehen, knüpft Netzwerke in Vereinen und Religionsgemeinschaften und baut Vorurteile ab.

Die Besucherzahlen bei den gut 20 Veranstaltungen, die der Ausländerbeirat unterstützt oder selbst organisiert, beweisen die Bedeutung des Gremiums. Zum Beispiel beim „Speed-Dating der Kulturen“. Diese neuen Formen des Kennenlernens kommen an. Ebenso wie der Tag des kulturellen Vielfalt am 3. Oktober. Aus dem anfänglich gemütlichen Fest mit einigen Besuchern ist mittlerweile eine Großveranstaltung mit 1500 Gästen und 230 Teilnehmern gewachsen.

Dazu engagiert sich der Ausländerbeirat im Netzwerk gegen Diskriminierung, übernimmt Integrationsarbeit in den Schulen und scheut auch nicht die Diskussion mit der Politik.

Oberstes Ziel: allen den Zugang zu wichtigen Informationen ermöglichen. So wie beim jährlichen Empfang der ausländischen Studenten in Marburg. Der Beirat betreibt aktiv Problemvermeidung. „Viele wissen nicht, wie die Gesetzeslage ist, an wen sie sich wenden können, wer ihnen hilft“, sagt Maria Hennig. „Genau da springen wir ein und bieten Unterstützung.“ Rund 100 Bürger lassen sich pro Jahr bei Behördengängen helfen. Oft scheitert es an der sprachlichen Verständigung. Bei neuen Studenten, die nach Marburg kommen, kommen viele Fragen zu Stadt, Region und auch Kultur auf. Genau dazu dient der jährliche Empfang und dient damit gleichzeitig als Schaufenster für die neuen Bürger. „Wir zeigen, die Menschen sind willkommen“, sagt die Geschäftsstellenleiterin. „So wird Integration aktiv gelebt. Das ist unsere Aufgabe, dafür setzen wir uns ein.“

von Carsten Bergmann

Hintergrund

Der Ausländerbeirat der Stadt Marburg ist mit 15 Mitgliedern besetzt und hat sich folgende Grundregeln zum Ziel gesetzt: Integration, kultureller Austausch, Gleichberechtigung, harmonisches Miteinander. Vorsitzende ist Goharik Gareyan. Maria Hennig leitet die Geschäftsstelle   im Rathaus (2. OG, Raum 15) , die von Montag bis Donnerstag 10 Uhr bis 14 Uhr besetzt ist. Telefon: 06421/201715 oder per Mail an auslaenderbeirat@marburg-stadt.de. Weitere Informationen:  ausländerbeirat-marburg.de 

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