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Müll bleibt Reizthema in der Oberstadt

Ärger Müll bleibt Reizthema in der Oberstadt

Die Oberstädter sollen zur Nacht der verborgenen Geschichte keine Müll­tonnen sichtbar stehen lassen. Über diese Bitte der Tourismusgesellschaft regt sich die Bürger­initiative Oberstadt auf.

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Mülltonnen vor den Häusern in den engen Gassen der Oberstadt stellen immer wieder ein Problem dar und sorgen für kontroverse Debatten. Privatfoto

Quelle: Privatfoto

Marburg. „Der Inhalt dieses Schreibens ist eine Frechheit“: Mit diesem Satz beschrieb Bärbel Kaufmann, Mitglied der „Bürgerinitiative Oberstadt“ (BI), einen Brief, der von der Marburg Tourismus und Marketing GmbH an die Bewohner des Stadtteils entsendet wurde. Um den Inhalt des Briefes und das weitere Vorgehen zu besprechen, hielt die Initiative am Donnerstag im Hauptgebäude der AWO Marburg-Biedenkopf eine Sitzung ab.

Die städtische Tochtergesellschaft MTM wandte sich bereits im vergangenen Dezember sowie am 2. September dieses Jahres mit einem Schreiben an die Oberstädter. Ein Satz aus dem zweiten Brief erhitzte die Gemüter der sechs Sitzungsteilnehmer: „Im Interesse eines ansprechenden Gesamtbildes der Stadt bitten wir Sie herzlich, an diesem Tag keine Mülltonnen, Sperrmüll oder ähnliche Gegenstände auf den Wegen aufzustellen“. Andrea Suntheim-Pichler, Stadtverordnete und Mitglied der „Bürger für Marburg“ (BfM), hatte wenig Verständnis für den Satz: „Es ist eine bodenlose Dreistigkeit“.

Die MTM bezieht sich auf den 26. und 27. September. An diesen beiden Tagen findet das Event „Nacht der verborgenen Geschichte“ statt, zu dem rund 1200 Besucher erscheinen werden. Die Empörung kann Klaus Hövel, Geschäftsführer der MTM, nicht nachvollziehen: „Es handelt sich nur um eine herzliche Bitte. Außerdem geht es nur darum, dass keine zusätzlichen Mülltonnen auf den ­Wegen stehen. Ich bin selber Oberstädter und weiß, dass die Müllsituation nicht gut ist. Ich kann aber nichts Verwerfliches an dem Brief erkennen“.

„Das Flair in der Oberstadt leidet durch den Müll ganz gewaltig. Es kann doch nicht sein, dass jetzt auch noch die Anwohner das Müllmanagement besorgen sollen“, erklärte Frédéric Schwindack, Vorstandsvorsitzender der BfM, die die BI unterstützt. Seit mehreren Jahren würden BfM und BI nun schon die Stadtregierung zur Lösung des Müllproblems drängen. Bisher habe sich allerdings nichts geändert.

Für die BI ist das Müllproblem ein völliges Versagen der Politik: Die bauliche Verdichtung sei schlecht geplant worden, weswegen viele Mülltonnen keinen Stellplatz in den Häusern hätten und einfach auf der Straße stünden. Auch den eigenen Müllentsorgungsplan würde die Stadt nicht einhalten. Letztlich erwecke dieses Schreiben den ­Eindruck, dass die Stadt nur an einem „ansprechenden Gesamtbild“ interessiert sei, wenn große Veranstaltungen anstehen.

Unterschriftenlistefür Ortsbeirat

Die BI hat zusammen mit „Bündnis 90/Grüne“ und „Bürger für Marburg“ in den vergangenen drei Monaten mehr als 500 Unterschriften von Marburgern gesammelt hat, denen das Müllproblem ebenfalls zuwider läuft und die für die Einrichtung eines Ortsbeirates in der Oberstadt stimmen. Die Befürworter des Ortsbeirates erhoffen sich, dass dieser die Probleme des Stadtteils effizienter und eingängiger löst als es zurzeit der Fall ist.

Die Unterschriften sollen in der nächsten Stadtverordnetenversammlung am 26. September von Andrea Suntheim-Pichler an Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer (SPD) übergeben werden.

Aber auch in der kommenden Ältestenratssitzung, die am 25. September abgehalten wird, will Suntheim-Pichler das Anliegen der BI und der BfM einbringen.

von Benjamin Kaiser

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Parallelen in der Geschichte
In den Bekanntmachungen vom 21. September 1849 wies der damalige Oberbürgermeister Uloth aufs Müllproblem hin.

Anwohner der Oberstadt klagen über Abfall und Sperrmüll, wie die OP am Samstag berichtete. Ein Blick in die Stadtgeschichte zeigt: Das Thema beschäftigte die Marburger auch im September 1849.

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