Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Motto: „Prävention schlägt Infektion“

Hygienetag am Uni-Klinikum Motto: „Prävention schlägt Infektion“

In Deutschland treten jährlich etwa 500.000 sogenannte nosokomiale Infektionen auf. Das bedeutet, dass sich Patienten während ihres Krankenhausaufenthalts mit Erregern infizieren, die sie selbst nicht ins Krankenhaus eingeschleppt haben.

Voriger Artikel
Versuchter Totschlag: Angeklagter taucht unter
Nächster Artikel
„Frohes Fest“ in 40 Sprachen

Der Hygienetag am Uni-Klinikum fand unter dem Motto „Prävention schlägt Infektion“ statt.

Quelle: Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Marburg. Die Folgen sind neben einem erheblich längeren Aufenthalt auch eine erhöhte Todesrate. Deshalb sei die Aufklärung über präventive Maßnahmen entscheidend, erklärte Professor Reinier Mutters von der Philipps-Universität, der die Veranstaltung organisiert hatte. So sei auch das Motto „Prävention schlägt Infektion“ des Hygienetags zu erklären.

Weltweit nahm die Zahl multiresistenter Erreger seit den 1950er-Jahren stark zu. Dies sei vor allem der Anwendung von Antibiotika geschuldet, wie Dr. Peter Walger von den Johanniter-Kliniken Bonn erklärte. Dass Infektionserreger bei konsequenter Anwendung von Antibiotika schnell Resistenzen entwickelten, habe schon Alexander Fleming in seiner Rede zur Verleihung des Nobelpreises erwähnt.

Walger forderte deshalb, den Einsatz von Antibiotika zu begrenzen und Expertenschulungen zum Thema zu fördern. Durch restriktiveren Einsatz konnten bei Tests in einigen Kliniken nicht nur die Liegezeiten der Patienten verkürzt, sondern auch rund 400.000 Euro eingespart werden.

Mutters thematisiert Flüchtlingsproblematik

Dr. Nico Tom Mutters vom Zentrum für Infektiologie am Universitätsklinikum Heidelberg warf einen Blick auf die internationale Ebene des Problems. Durch Globalisierung und erhöhten Reiseverkehr verbreiteten sich resistente Keime heutzutage viel schneller als früher.

Auch im Kontext der Flüchtlingskrise rücke das Problem in den Fokus. „Das Klischee vom Flüchtling, der sämtliche resistenten Keimarten nach Europa einschleppt, ist wissenschaftlich nicht zu belegen“, sagte Dr. Mutters (Foto: Nico Arnold). „Allerdings stellt uns die hygienische Situation in den Flüchtlingscamps vor große Herausforderungen, da dort viele Menschen auf wenig Platz leben und sich Infektionen schnell ausbreiten.“

Matthias Frensch vom Hygienemittelhersteller Schülke und Mayr klärte die Zuhörer schließlich über ein grundlegendes Thema in der Infektionsprävention auf: die Händehygiene. Eine Kontrolle seiner Firma in einzelnen Krankenhäusern habe ergeben, dass rund zwei Drittel der Chirurgen vor operativen Behandlungen keine Händedesinfektion vornehmen. Frensch sah bei der Lösung dieses Problems besonders die Führungskräfte in der Pflicht.

Aber auch die Industrie müsse ihren Teil beitragen: Hygienemittelspender müssten beispielsweise so hergestellt werden, dass sie besser in den Krankenhausalltag integriert werden könnten.

von Nico Arnold

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr