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Moschee und islamisches Kulturhaus in Marburg geplant

Marburg Moschee und islamisches Kulturhaus in Marburg geplant

Nachdem die Pläne der Islamischen Gemeinde Marburg zum Bau einer neuen Moschee vor zwei Jahren auf Eis gelegt wurden, gibt es ein neues Konzept zur Errichtung eines islamischen Kulturzentrums. Das Konzept werde aber noch intern, am vom Magistrat eingerichteten Runden Tisch zur Integration, diskutiert, so ein Sprecher des Gremiums. Zunächst will die Gemeinde mehr Öffentlichkeitsarbeit leisten.

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Die Moschee am Marbacher Weg. Die Islamische Gemeinde will erstmals auch öffentlich in der Innenstadt auf den Fastenmonat Ramadan aufmerksam machen. Archivfoto

von Anna Ntemiris

Marburg. Statt Bier und Bratwurst werden auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz bald Datteln und Milch gereicht. Der Trägerverein der Marburger Moschee (Orientbrücke) wird erstmals ein „Ramadan-Zelt“ in Maburgs Mitte aufstellen und dort zum gemeinsamen Fastenbrechen einladen. Für die Muslime beginnt an diesem Freitag der Fastenmonat Ramadan. Das Fasten gehört wie das Glaubensbekenntnis, die täglichen Gebete, die Armensteuer und die Pilgerfahrt nach Mekka zu den fünf Säulen des Islam. Im Ramadan sind die Muslime aufgerufen, von Sonnenaufgang bis -untergang unter anderem auf Essen zu verzichten.

Vom 26. bis 28. August können Marburger Bürger sich jeweils ab 19.30 Uhr bis zur Zeit des Sonnenuntergangs im und am Zelt versammeln und sich dort über den Islam und den Ramadan informieren. An schließend lädt die Islamische Gemeinde ihre Besucher zum gemeinsamen Fastenbrechen ein. In der Tradition des Propheten Mohammed werden zum offiziellen Empfang am 27. August Datteln und Milch gereicht. Danach findet ein Abendessen statt. „Ziel dieser Veranstaltung ist es, eine effektive Kommunikationsplattform mit den Marburger Muslimen zu bieten, um sich näher kennenzulernen und Berührungsängste zu verlieren“, heißt es in der Pressemitteilung von Dr. Bilal El-Zayat, Vorsitzender der Orientbrücke. Ein Büchertisch soll das Informationsangebot abrunden.

Die Aktion, die heute gemeinsam mit Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) vorgestellt wird, sei ein Ergebnis des Runden Tisches zur Integration, hieß es aus dem Rathaus. Die Islamische Gemeinde verfolge nach wie vor das Ziel, in Marburg eine neue Moschee und ein islamisches Kulturhaus zu errichten, erklärte Schaker Hussein, Sprecher der Gruppe Öffentlichkeitsarbeit des Runden Tisches und SPD-Stadtverordneter. Bisher gibt es eine Moschee im Marbacher Weg, der Platz dort reicht an Freitagen kaum aus.

Die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit sei mit den Vorbereitungen für die Errichtung eines neuen islamischen Kulturzentrums beauftragt worden. Vor diesem Hintergrund haben Marburger im Juni die „Gläserne Moschee“ in Mannheim besucht, die als Beispiel gelungener Integration gelte und unter anderem vom christlich-islamischen Gesprächskreis in Mannheim mitgeplant worden sei. Die Besichtigung in Mannheim habe neue Impulse für die Situation in Marburg gegeben, so Hussein. „Es gibt einen Konzeptvorschlag für ein neues islamisches Kulturhaus, aber das wird noch intern diskutiert“, sagte Hussein. Das Haus solle für alle offen stehen, doch ähnlich wie bei anderen Religionen sei auch hier davon auszugehen, dass sich nicht alle Gruppen heimisch fühlen. Die Ahmadiyya-Gemeinde Marburg, eine Reformbewegung innerhalb des Islam, hatte gegenüber der OP erklärt, dass sie sich eine eigene Moschee wünscht.

Wo die Islamische Gemeinde eine Moschee bauen will oder wird, sei auch noch nicht geklärt, so Hussein. Fest stehe aber, dass es Bedarf gebe für einen kulturellen Treffpunkt sowie für Sozialarbeit von Muslimen für Muslime. „Viele Muslime schämen sich, sich außerhalb der Familie jemanden anzuvertrauen. Es geht nicht darum, sich abzuschotten, sondern diesen Schamfaktor zu berücksichtigen“, so Hussein. Daher habe es die Idee gegeben, in einem Kulturhaus auch Beratung anzubieten. Die Islamische Gemeinde wolle dies ehrenamtlich machen, doch sei die Frage, inwieweit das zu leisten sei und wie die Finanzierung geregelt werde.

Zum Hintergrund: Der Wunsch der Vereine „Orientbrücke“ und „Hadara“, in der Frauenbergrstraße in Marburg gemeinsam eine Moschee mit Kulturzentrum zu errichten, hatte im Frühjahr 2007 eine öffentliche Diskussion ausgelöst.

Der Grundstückskauf scheiterte, die Vereine hatten daraufhin ihr Vorhaben ruhen lassen. Als Reaktion auf diese öffentliche Diskussion regte Oberbürgermeister Egon Vaupel einen „Runden Tisch“ an, dem auch Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche angehören. Die Teilnehmer einigten sich auf eine gemeinsame Erklärung zur Integration (die OP berichtete).

Die Reaktionen auf diesen Beitrag waren sehr zahlreich, seit heute Mittag allerdings zunehmend hasserfüllt, unsachlich und presserechtlich untragbar, sodass wir die Diskussion und Kommentierung an dieser Stelle leider beenden mussten. Eine Auswahl der Kommentare verarbeiten wir in unseren nächsten Ausgaben und der anschließenden Berichterstattung.

(Oberhessische Presse, 20. August 2009, 13.28 Uhr)

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