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Moschee soll Salafisten-Haus sein

Fundamentalismus Moschee soll Salafisten-Haus sein

Aus der "Dar Al-Salem"-Moschee in der Friedrich-Ebert-Straße kursieren in sozialen Netzwerken umstrittene Predigten. Hat sich in Marburg ein salafistischer Treffpunkt gebildet?

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Die „Dar Al-Salem“-Moschee in der Friedrich-Ebert-Straße wurde 2015 gegründet. Im Stadtteil ist über die Gemeinde wenig bekannt. Foto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Moschee, die es seit 2015 gibt, rückte zuletzt in den Fokus der südhessischen Islamismus-Expertin Sigrid Herrmann-Marschall. Die Ausrichtung des Gebetshauses wirke „in der ersten Anmutung eher salafistisch“, sagt sie. Es gebe angesichts der vertretenen Inhalte „wenig Raum“, sie als „unproblematische Moschee von nebenan“ einzustufen.Das deckt sich teilweise mit Einschätzungen der Mar­burger Islamwissen­schaftlerin Professorin Ursula Spuler-Stegemann. „Die Texte riechen nach Salafismus“, sagt sie. Sie seien allerdings „nicht eindeutig als extrem erkennbar“. Spuler-Stegemann ­sagte zudem, dass die Gruppe sich abschotte und dass es bekannt sei, dass sie sich um Flüchtlinge kümmere.

Sowohl der hessische Ver­fassungschutz als auch die Marburger Polizei sagen auf OP-Anfrage zum Salafismus-Verdacht: „Diese Moschee ist uns bekannt.“

Im Fall der Richtsberger Moschee werden in arabisch- und deutschsprachigen Freitagsgebeten Inhalte gepredigt wie: „Ich rufe zu Allahs Religion, während du dich so benimmst wie die Nicht-Muslime“ oder „Hier im Westen hast du Angst die Religion zu praktizieren. Deswegen, lügt euch nicht selber an, folgt der Sunna des ­Propheten.“ Gefährlich? Prob­lematisch? Besorgniserregend - oder harmlos?

„Erz-konservative Kreise und Islam-Auslegungen gibt es auch hier, das ist nicht der Geschmack von jedem. Aber als riesig problematisch ist die Moschee uns nicht aufgefallen“, sagt Dr. Bilal El-Zayat, Vorsitzender der Islamischen Gemeinde Marburg. Von „handfesten Problemen und Vorwürfen“ sei jedenfalls nichts bekannt.

Koran-Auslegung laut Muslimen konservativ

Dass sich die Moscheegänger im Gegensatz zu den meisten Marburger Muslimen gegen­über der Öffentlichkeit abschotten, befeuere logischerweise Gerüchte. Es könne aber auch als „Zeichen der Öffnung“ gewertet werden, dass die Dar-Al-Salem-Muslime ihre Predigten online stellen, sagt er. „Wenn die ansonsten unter sich bleiben wollen, und wenn die sich im Keller einschließen wollen, dann ist das halt so.“

Die Richtsberger Ortsvorsteherin Erika Lotz-Halilovic (SPD) sagt auf OP-Anfrage, dass sie keine Informationen darüber habe, dass in den Vereinsräumen Salafisten seien. Besonders zum Freitagsgebet ­seien die Räume in der Friedrich-Ebert-Straße aber „stark frequentiert“.

Sie habe aus muslimischen Kreisen auch gehört, dass es dort „sehr konservativ“ zugehe und dass es in dieser Hinsicht „gewisse Bedenken gibt“, sagt sie. Die Berichte in Hessenschau und OP werde sie wohl zum Anlass nehmen, Vertreter von „Dar Al-Salem“ - was für „Haus des Friedens“ steht - in den Ortsbeirat einzuladen.

Die Dar-Al-Salem-Seite auf Facebook, auf der auch Predigten zu sehen sind, zählt 320 Anhänger, zu den Freitagsgebeten kommen laut Internetseite regelmäßig mindestens 120 Gläubige. Zum Vergleich: Die Omar Ibn Al-Khattab-Moschee im Marbacher Weg hat mehr als 700 Facebook-Fans, zu Gebeten kommen mehr als 300 Gläubige. El-Zayat wirbt indes für Verständnis für die Zurückhaltung vieler Muslime: „Man hat Angst vor Stimmungsmache, Angst vor Presse und Angst davor, wieder der Böse zu sein.“

von Björn Wisker

und Manfred Hitzeroth

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