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Moschee-Pläne: „Das hat einen Beigeschmack“

Ahmadiyya Moschee-Pläne: „Das hat einen Beigeschmack“

Kommunalpolitiker, die in Cappel wohnen, kritisieren Ortsbeirat und Magistrat im Umgang mit der Voranfrage zu einem Moscheebau im Stadtteil.

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Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde beim traditionellen „Neujahrsputz“. Die Gemeinde will eine Moschee in Cappel bauen.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. Die CDU lehnt den von der Ahmadiyya-Gemeinde auserkorenen Standort im Gewerbegebiet ab. „Bei den Belastungen, die Cappel schon trägt, ist ein Bau dort nicht geeignet“, sagt Walter Jugel, Stadtverordneter und Ortsbeiratsmitglied.

Die Marburg-weit angesehenen Ahmadiyya-Mitglieder dürften nicht „mit dem Problem mangelnder Akzeptanz“ konfrontiert sein – doch in Cappel drohe ihr aufgrund der „sensiblen Ausgangssituation“ genau das.

Er habe zwar „grundsätzlich keine Bedenken“ gegen die 
Errichtung von Gotteshäusern 
irgendeiner Religionsgemeinschaft. Zu diesem, gerade für den Stadtteil auch wegen 
der Erstaufnahme-Einrichtung wichtigen Thema, dürfe es jedoch „keine Geheimniskrämerei wegen der anstehenden Kommunalwahl geben“. Jugel wirft Cappels Ortsbeiratschef Heinz Wahlers (SPD) und der Verwaltungsspitze vor, „absichtlich möglichst wenige Menschen über den Moscheebau 
informieren zu wollen“. Ähnlich äußerte sich zuvor bereits FDP-Chef Christoph Ditschler.

Der legte am Mittwoch nach: Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) habe falsch informiert. Der FDP lägen „gesicherte Informationen“ vor, dass es sich bei dem Ansinnen der Ahmadiyya-Gemeinde nicht um eine Bauvoranfrage handelt, wie von Spies behauptet (OP vom 24. Februar), sondern um einen Bauantrag.

Bauder-Wöhr: Weiß nicht, ob es dort so vernünftig ist

Spies bleibt bei seiner Darstellung. Es gebe keinen Bauantrag. Der Magistrat habe 
lediglich über eine Bauvoranfrage gesprochen, allerdings sei dies falsch protokolliert worden. Die „gesicherten Informationen“ der FDP könnten nur aus Protokollen der Magistratssitzung stammen, die der besonderen Verschwiegensheitspflicht unterliegen. Er werde das Protokoll ändern lassen.

Die Ahmadiyya-Gemeinde will auf einem Grundstück hinter dem Betonwerk im Gewerbe­gebiet Cappel eine Moschee 
errichten. Das Grundstück sei reserviert, aber noch nicht erworben, stellte Sprecher Mubarik Sabir am Mittwoch klar. Das Gelände des Betonwerks ist von den Plänen nicht betroffen.

Linken-Stadtverordnete Tanja 
Bauder-Wöhr äußert sich skeptisch: „Ich weiß nicht, ob es so vernünftig ist, dort zu bauen. Das Flüchtlings-Camp wird ja, im Gegensatz zu einer möglichen Moschee, hoffentlich nichts Dauerhaftes. Und es flüchten ja neben Muslimen auch viele Christen hierher. Aber Kirchen, über die sich niemand aufregt, würden ja auch niemals in einem Gewerbegebiet entstehen“, sagt sie.

„Gerade in der heutigen Zeit gibt es jedenfalls einen Beigeschmack, wenn über solche Dinge nicht frühzeitig und offen gesprochen wird.“ Es habe zuletzt noch Bauausschuss- und Stadtparlamentssitzungen gegeben, wo ein möglicher Moscheebau debattiert hätte werden können.

Auf Antrag der CDU findet nun eine öffentliche Sondersitzung des Ortsbeirats Cappel am Mittwoch, 2. März, ab 20 Uhr in der Verwaltungsaußenstelle Cappel statt.

von Björn Wisker und Till Conrad

 
Soziale Aktionen
Die Ahmadiyya-Gemeinde in Marburg veranstaltet jährlich den Charity Walk, um soziale 
Projekte finanziell zu unterstützen. Zudem beseitigen sie seit Jahren am Neujahrsmorgen ehrenamtlich Müll von den Straßen in der Innenstadt. In Marburg zählt die Ahmadiyya, die sich ausdrücklich für Toleranz und Liebe ausspricht, 200 Mitglieder.
 
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