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Moschee-Gegner attackieren OB Vaupel

Staatsanwalt ermittelt Moschee-Gegner attackieren OB Vaupel

Am Freitagnachmittag ist es so weit: Der Grundstein für die neue Marburger Moschee soll gelegt werden – ein Projekt, das offenbar nicht überall auf Gegenliebe stößt, wie ein anonymes Flugblatt zeigt.Zur Grundsteinlegung ab 15.30 Uhr lädt die Islamische Gemeinde gemeinsam mit der Stadt Marburg alle interessierten Bürger auf das Gelände „Bei St. Jost 17“ein.

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Abrissarbeiten auf dem Gelände, auf dem am Freitag der Grundstein für die neue Moschee gelegt wird.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Persönlich angegriffen wird in dem Schreiben Marburgs Stadtoberhaupt. Der sich hinter dem Pseudonym „Mustafa al-Maraghi“ versteckende Verfasser lädt ein zur „öffentlichen Beschneidung des kürzlich zum Islam konvertierten Oberbürgermeisters Egon Vaupel“, die parallel zum ersten Spatenstich erfolgen solle.

Vaupel sagte dazu gestern gegenüber der OP: „Solche intellektuellen Schlichtheiten kommentiere ich nicht.“ Nach seinen Angaben sei das Flugblatt massenhaft in Marburg verteilt worden. Auch die Islamische Gemeinde Marburg hat es erhalten – in einem Umschlag „und ordentlich frankiert“, sagt deren Vorsitzender Dr. Bilal Farouk El-Zayat. „Es gibt eben immer Menschen, die einem Steine in den Weg legen wollen.“
Vaupel hat das unappetitliche Schreiben der Staatsanwaltschaft und Polizei übergeben. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Marburg bestätigte gestern Nachmittag der OP, dass die Behörde wegen „übler Nachrede und Verleumdung gegen Personen des öffentlichen Lebens“ ermittle.

Laut El-Zayat soll das Gotteshaus für die etwa 1 000 praktizierenden Marburger Muslime in zwei Jahren fertiggestellt sein. Die Moschee sei aber auch als Kultur- und Bildungszentrum für alle Marburger geplant worden, deshalb sei jeder interessierte Bürger zur feierlichen Grundsteinlegung am Freitagnachmittag eingeladen.

Fortsetzung

 Die neue Marburger Moschee sei als Kultur- und Bildungszentrum geplant, das als Forum zum gegenseitigen Kennenlernen und zum fruchtbaren Austausch mit der Mehrheitsgesellschaft dienen soll, bestätigt der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde Marburg, Dr. Bilal Farouk El-Zayat, auf Nachfrage der OP.

Dort, wo in etwa zwei Jahren die neue Moschee eröffnet werden wird, stand bis vor Kurzem die Lagerhalle eines Reifenhändlers, die zurzeit abgerissen wird. „Wir haben das Gelände vor zwei Jahren gekauft“, sagt der Vorsitzende der Islamischen Gemeinde. Die Baugenehmigung liege ebenfalls seit 2011 vor. Seit der Zeit sei die Islamische Gemeinde als gemeinnützig anerkannt und könne somit Spenden für den Bau einwerben. Unterstützt wird die Islamische Gemeinde dabei von einem im Dezember vergangenen Jahres gegründeten Förderverein (die OP berichtete). Die Kosten schätzt El-Zayat auf circa 1,8 Millionen Euro. Für ein Drittel dieses Betrages lägen bisher Spendenzusagen vor.

Etwa 4 000 Maslime in Marburg

In Marburg leben etwa 4 000 Muslime, schätzt E-Zayat. „Etwa ein Viertel sind Moschee-Besucher.“ Ihnen soll die neue Moschee einen Raum bieten – zum Beispiel für das Freitagsgebet. Darüber hinaus werde im Erdgeschoss ein Feinkostladen und im ersten Stock eine Cafeteria mit Schlossblick eingerichtet werden. Außerdem soll es eine ebenfalls öffentlich zugängliche Bibliothek geben. „Nach intensivem und konstruktivem Dialog mit Religionsgemeinschaften, Parteien und gesellschaftlichen Institutionen in der Arbeitsgemeinschaft ,Kulturelle Teilhabe‘ des vom Magistrat der Universitätsstadt Marburg eingerichteten ,Runden Tisches Integration‘ kann das Vorhaben nun umgesetzt werden“, heißt es in der Einladung zur Grundsteinlegung am Freitag ab 15.30 Uhr auf dem Gelände „Bei St. Jost 17“.
Unterzeichnet worden ist die Einladung von Dr. El-Zayat und Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD), der Mitglied des Fördervereins ist.
 

Vaupel: „Wir sind auf einem guten und friedvollen Weg“

Dass Vaupel seit einigen Wochen auf übelste Weise in einem Flugblatt attackiert wird, sieht er relativ gelassen und hat den oder die anonymen Verfasser bei der Staatsanwaltschaft und Polizei angezeigt. Marburgs Oberbürgermeister zeigte sich gestern Nachmittag gegenüber der OP sicher, dass die Moschee-Gegner den interreligiösen Dialog in der Stadt nicht negativ beeinflussen können. „Wir sind auf einem guten und friedvollen Weg.“

von Michael Arndt

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