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„Monte-Carlo-Deal“ am Amtsgericht

Aus dem Gericht „Monte-Carlo-Deal“ am Amtsgericht

Ein Mitarbeiter erleichterte seinen Chef um 192.000 Euro. Jetzt muss er 150.000 Euro davon zurückzahlen.

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Der Angeklagte soll im Januar 2015 Bargeld in Höhe von 192.000 Euro von seinem Chef gestohlen haben.

Quelle: Thomas Breme

Marburg. Richter Dominik Best machte dem Angeklagten den Ernst der Lage zu Beginn der Beweisaufnahme unmissverständlich klar: „Wenn Sie kein Geständnis ablegen und sich herausstellt, dass Sie im Sinne der Anklageschrift schuldig sind, müssen Sie mit einer Strafe von zwei bis vier Jahren rechnen. Zeigen Sie sich also geständig.“ Der gut gemeinte Rat fruchtete. Der Delinquent bestätigte den Tathergang so, wie er in der Anklageschrift niedergeschrieben stand.

Dem 30-jährigen Marburger, der sich am Dienstag vor dem Marburger Amtsgericht wegen gewerbsmäßigen Diebstahls in drei Fällen zu verantworten hatte, wurde zur Last gelegt, seinem „Freund“ und Vorgesetzten an drei verschiedenen Tagen im Januar 2015 Bargeld in Gesamthöhe von 192.000 Euro gestohlen zu haben. Mit der Beute soll sich der Angeklagte diverse Güter gekauft haben – darunter einen Sportwagen.

Der Deal: Angeklagter zahlt 150.000 Euro zurück

„Mein Mandant ist daran interessiert, möglichst viel von seinem Geld wiederzusehen“, meinte Sascha Marks, Vertreter des als Nebenkläger auftretenden Geschädigten. Sein Mandant sei gewillt, einen sogenannten „Monte-Carlo-Deal“ – Rückzahlung eines Teilbetrags – mit dem Angeklagten zu schließen.

Der 30-Jährige willigte ein. Somit verpflichtete er sich, dem Geschädigten 150.000 Euro zurückzuzahlen – in monatlichen Raten zu je 500 Euro. „Mit den Raten werden sie noch einige Jahre beschäftigt sein“, meinte Richter Dominik Best. Außerdem stimmte der Angeklagte zu, die mit dem gestohlenen Geld bezahlten Güter und das noch vorhandene Diebesgut in Höhe von 10.075 Euro – zurzeit der Verhandlung noch in staatlicher Verwahrung – an den Geschädigten abzutreten.

In seinem Plädoyer nannte Staatsanwalt Jonathan Poppe das Vorgehen des Angeklagten „dreist“ und „hinterhältig“. Der Vertreter der Anklage forderte eine Gesamtstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. „Nur weil sie hier reinen Tisch gemacht und der Teilzahlung zugestimmt haben, kommt eine Strafaussetzung überhaupt in Frage.“ Das Gericht stimmte mit dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß überein und sprach ein Urteil von zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung aus.

von Benjamin Kaiser

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