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Montag ist Ruhetag - auch in der Kirche

Wahrzeichen Elisabethkirche Montag ist Ruhetag - auch in der Kirche

Der Sparzwang hat die evangelische Kirche erfasst: Ab April bleibt die Elisabethkirche immer montags ­geschlossen.

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Ab April gelten in der Elisabethkirche eingeschränkte Öffnungszeiten: Montags bleibt dann das Kirchenportal geschlossen.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Es ist ein drastisches Mittel, das der Kirchenvorstand der Marburger Elisabethkirche ergriffen hat, um die Sparvorgaben des Gesamtverbandes der evangelischen Kirchengemeinden Marburgs umzusetzen. „Der Kirchenvorstand hat schweren Herzens beschlossen, dass ab April 2013 die Elisabethkirche in Zukunft montags geschlossen bleibt“, heißt es dazu auf der Homepage der Elisabethkirche. Zudem sollen die Kirchenpforten im Sommerhalbjahr immer schon bereits ab 17 Uhr schließen, und somit eine Stunde früher als bisher. Angedacht ist es, im Winterhalbjahr sogar zwei Stunden früher die Elisabethkirche zu schließen.

„Das ist wahrlich nicht schön“, sagt Pfarrer Achim Ludwig, einer der Pfarrer der Elisabethkirchengemeinde. Doch die Verantwortlichen der Elisabethkirche hätten keine andere Wahl gesehen, als so die Einsparvorgaben umzusetzen.

800 Küsterstunden werden eingespart

„Wir müssen als Elisabethkirchengemeinde 160000 Euro einsparen“, berichtete Ludwig. Einen Teil dieser Summe wolle man eben durch die Montags-Schließung und die Reduzierung der Öffnungszeiten an den weiteren Wochentagen einsparen. Dieses sei so in Absprache mit dem Küster-Team beschlossen worden. Immerhin 800 Küsterstunden weniger müssen so bezahlt werden. In der Elisabethkirche gibt es zweieinhalb Küsterstellen und zudem vier Hilfsküster. Die Küster sind verantwortlich für die Aufrechterhaltung des Alltagsbetriebs in der Kirche. Da in der Elisabethkirche viele wertvolle und spezielle Kunstschätze vorhanden sind, ist eine Aufsicht zwingend erforderlich. Wenn Führungen angemeldet sind, sind auf jeden Fall zwei Personen aus dem Küsterteam anwesend.

Zudem soll aber auch bei weiteren Rechnungsposten eingespart werden: So wird es in der Elisabethkirche künftig weniger Blumenschmuck, weniger Kirchenkonzerte und auch weniger kulturelle Veranstaltungen geben. Klar ist auch, dass bis auf weiteres die Tradition der Montagsgebete, die im letzten Jahr aufgrund des Protests gegen den Stellenabbau im Uni-Klinikum wiederauflebte, nicht weiter gepflegt werden kann.

Der Montag wurde laut Pfarrer Ludwig deswegen als Schließungstag ausgewählt, weil statistisch gesehen an diesem Wochentag die wenigsten Besucher in die Elisabethkirche kommen. Zumindest Busgruppen oder andere Gruppen, die Führungen anmelden, werden vorab darüber rechtzeitig informiert.

Auch das Schloss ist montags geschlossen

Für Pilger oder Einzelbesucher von außerhalb könnte es allerdings eine unliebsame Überraschung geben, wenn sie montags vor dem verschlossenen Hauptportal der Elisabethkirche stehen. Immerhin ist die 1235 bis 1283 über dem Grab der heiligen Elisabeth erbaute Kirche, die eine der bedeutendsten Wallfahrtskirchen des Abendlands war, auch heute noch neben dem Landgrafenschloss die bedeutendste Touristenattraktion der Stadt. Doch ausgerechnet am Montag ist auch im Schloss, das dem Land gehört und von der Universität verwaltet wird, Museums-Ruhetag.

„Es ist schon sehr schade, wenn Touristen montags diese Top-Sehenswürdigkeiten nicht von innen sehen können“, bedauert der Marburger Tourismusmanager Klaus Hövel, Leiter der „Marburg Tourismus und Marketing Gesellschaft“ (MTM). „Die Elisabethkirche war für uns immer eine Möglichkeit, den Touristen montags noch etwas anderes zu bieten“, erläutert Annette Schnell von der MTM-Abteilung für Gästeführungen.

Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) findet klare Worte für die Ankündigung der Verantwortlichen der Elisabethkirche: „Das ist katastrophal. Wir wissen, dass das Budget der Kirchen geringer wird. Aber die Elisabethkirche müsste doch auch für die Landeskirche etwas Besonderes sein“. Um die Kirche auch weiterhin montags geöffnet zu halten, sollten alle Anstrengungen unternommen werden, meint Vaupel. Zwar könne die Stadt nicht finanziell einspringen, aber vielleicht sei es mit vereinten Kräfte von Bürgern aus der Kirchengemeinde und der Stadtgesellschaft möglich, eine Summe von rund 10000 Euro aufzubringen.

von Manfred Hitzeroth

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