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Monitoring über getötete Vögel fehlt

Windkraft Monitoring über getötete Vögel fehlt

Vogelschützer Dr. Martin Kraft fühlt sich missverstanden. Kraft wehrt sich gegen die Interpretation seiner Aussagen, nach der Hunderttausende von Vögeln durch Windkraftanlagen geschreddert werden.

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In der Diskussion um die Gefahr der Windenergie für Zugvögel gibt es laut Vogelschützer Dr. Martin Kraft keine belastbaren Prognosen zum Kollisionsrisiko.

Quelle: Joachim Schrick

Marburg. Tatsächlich, so sagt der städtische Vogelschutzbeauftragte im Gespräch mit der OP, ist eine wissenschaftliche Prognose über mögliche Massenkollisionen mit dem vorhandenen Datenmaterial nicht möglich.

Kraft hat in den Jahren 1996 bis 2014 im Rahmen der Erfassung von Zugvögeln auch in der Nähe von Windräder gestanden - in ganz Hessen. Seine Auswertung: Wenn Zugvögelschwärme mit Windkraftanlagen kollidieren, dann erwischt es durchschnittlich 19 Tiere in der Stunde. Kraft hat in 18 Jahren 123 sogenannte „Kollisionsstunden“ gezählt - also Stunden, in denen mindestens ein Vogel mit einem Windrad kollidierte.

Nun sind diese Zahlen, erläutert der Vogelschutzbeauftragte, aber nicht geeignet, eine Hochrechnung aufzumachen, aus der die Zahl der tatsächlichen Opfer hervorgeht. Einfach nachzuvollziehen: Gibt es im Jahresverlauf null Kollisionsstunden im Bereich eines Windrads, gibt es eben auch null Opfer.

Besonders gefährdet sind Singvögel

Die meisten Kollisionen gebe es an Massenzugtagen (wie im Moment) und bei Windstärken zwischen drei und fünf Beaufort. Es gibt aber, sagt Kraft, kein Monitoring, das die Anzahl getöteter oder verletzter Vögel erfasst.

Klar sind aber zwei Dinge: Jeden Herbst und jedes Frühjahr ziehen mindestens 600 000, vielleicht eine Million Zugvögel, durch Mittelhessen. Darunter sind 240 000 Kraniche - deren Kollisionsrisiko ist aber vergleichsweise gering, weil sie höher ziehen. Besonders gefährdet sind Singvögel, die in einer breiten Front über Mittelhessen ziehen - Bergfinken etwa.

Und: Diese Zugvögel haben im Landkreis ein besonders hohes Kollisionsrisko, weil sie aufgrund der geologischen Gegebenheiten in einem kleinen Korridor fliegen.

Kraft bleibt aber dabei: „Jedes Windrad ist eine große Gefahr nicht nur für Brutvögel, sondern vor allem auch für die Zugvögel.“

Grüne wollen Bürgervotum akzeptieren

Das Marburger Stadtparlament hat unterdessen am Freitagabend 200 000 Euro für eine Bürgerbefragung im Haushalt 2015 bereitgestellt, in der die Marburgerinnen und Marburger zu ihrer Haltung zu Ortsbeiräten und zu den geplanten Windkraftanlagen auf dem „Lichter Küppel“ befragt werden sollen.

Für die Grünen sagte die designierte OB-Kandidatin Dr. Elke Neuwohner in ihrer Haushaltsrede, sollte eine Mehrheit gegen die Realisierung der Windkraftanlagen durch die Stadtwerke sein, werde ihre Partei die Pläne nicht weiter vorantreiben. „Klar ist aber, dass auch jeder private Investor auf diesem Standort Windkraft installieren kann, wenn es die Stadtwerke nicht tun“, sagte Neuwohner. Für die Grünen seien die mit den Windrädern einhergehenden Probleme lösbar.

von Till Conrad

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