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Moischter Ortsrichter scheidet aus Amt

Ehrung Moischter Ortsrichter scheidet aus Amt

Der langjährige Chef des Ortsgerichts IV wird nach 50 Jahren aus dem Justiz-Ehrenamt verabschiedet. Auf seine Tätigkeit blickt der Moischter Hartmut Seelig gerne zurück - trotz des Zoffs, den es um seine Nachfolge gibt.

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Bleibt die Ortsgerichts-Nachfolge in der Moischter Familie? Cai-Adrian Boesken überreicht dem
Ex-Vorsitzenden des Ortsgerichts IV, Hartmut Seelig (mitte), die Ehrungs-Urkunden im Beisein der designierten Amtsnachfolgerin Johanna Seelig. Foto: Arnd Hartmann

Marburg. Ein halbes Jahrhundert im freiwilligen Dienst für Land und Bürger. Wer kann das schon von sich behaupten? Für dieses soziale Engagement erhielt Seelig als langjähriger Vorsteher des Ortsgerichts, das für Moischt, Bauerbach, Ginseldorf und Schröck zuständig ist, zwei Ehrenurkunden von Amtsgerichts-Direktor Cai-Adrian Boesken.

Eine stolze Bilanz für den Moischter, der mit fachlicher Kompetenz über Recht und Gesetz 15 Jahre mit Vertretern und Schöffen auch ehrenamtlich über viele Jahre Ratsuchenden Hilfe anbot und dafür eine Auszeichnung von Justiz und Danksagung des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier entgegen nehmen durfte. "Die Hilfe für die Leute und Vereinfachung von Situationen haben mich immer wieder aufgebaut“, sagte Seelig. Rückblickend berichtete der 75-jährige während der feierlichen Veranstaltung über seine frühere Tätigkeit als Mittelstufenlehrer im Kreis Marburg und dem Jurastudium, welches ihn nachhaltig prägte und die Arbeit im späteren Ehrenamt er-möglichte.

Gesundheitliche Probleme zwangen ihn jedoch Mitte der neunziger Jahre sich neu zu orientieren, was Seelig nutzte, um sich mit der Aufzeichnung der Dorfchronik von Moischt zu befassen. Über die anfänglichen Hürden mit der Computertechnik, berichtete er nur schmunzelt und dankbar für die verständnisvolle Hilfe seiner Tochter.

Die Wahl 1999/2000 zum Ortsgerichts-Vorsitzenden brachten dann neue Herausforderungen mit sich, die in den kommenden Jahren seine Beschäftigung bestimmten. Neben der Beglaubigung von Dokumenten und Schätzungen von bebauten oder unbebauten Grundstücken, gehörten ebenso Sterbefall- und Nachlassangelegenheiten zum Aufgabengebiet der einzigartigen Behörden-Form. „Ein großer Vorteil dieser regionalen Besonderheit von Ortsgerichten ist, dass sie stets dem Puls der Zeit folgen“, sagt Boesken

Getrübt wird die Ehrung und der Abschied des Moischters vom Streit um dessen Nachfolge als Ortsrichter. Seit Wochen gibt es darum Streit, die Orts-beiräte in Schröck und Bauerbach sprechen der designierten Nachfolgerin Johanna Seelig - der Ehefrau des bisherigen Amtsinhabers - die Eignung für den Posten ab. Sie wollen den langjährigen stellvertretenden Ortsrichter als neuen Chef installieren. Das Stadtparlament wählte jedoch kürzlich SPD-Frau Johanna Seelig - entgegen der Mehrheitsvorschläge aus den beteiligten Ortsbeiräten. Die 70-Jährige streitet Vorwürfe ab, wonach sie nicht qualifiziert für das Amt sei. Sie habe durchaus Erfahrungen, sich bei ihrem Ehemann über die Jahre einige Herangehensweisen abgeschaut und ohnehin - etwa bei Sterbefallanzeigen - ausgeholfen.

Das Schröcker Gremium stoppte trotzdem kürzlich per Prüfungsauftrag ihre Ernennung vor dem Amtsgericht. Grund: ein hessisches Gesetz lege den Schluss nahe, dass es eine Altersgrenze für die Ernennung von Ortsrichtern gebe, Seelig somit zu alt sei. „Das Urteil des Beschlusses wird in den nächsten Wochen per Schiedsspruch erfolgen“, sagt Boesken.

von Arnd Hartmann

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