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Mogelpackung oder Schnelltransport?

Seilbahnprojekt Mogelpackung oder Schnelltransport?

Eine aufgeregte Debatte Pro und Contra „Seilbahn auf die Lahnberge“ gab es am Freitag zum wiederholten Male im Marburger Stadtparlament.

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Zwei Windräder im Marburger Stadtteil Wehrda. Über das Thema „Windkraft in Marburg“ wurde auch gestern im Marburger Stadtparlament diskutiert.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Das Thema ist ein Dauerbrenner im Stadtparlament, und es eignet sich offensichtlich vorzüglich als Wahlkampfschlager für alle Marburger Parteien, die sich gerade im Oberbürgermeister-Wahlkampf befinden. Diesen Eindruck konnte man aufgrund der Zeitdauer und Vehemenz gewinnen, mit der die Debatte geführt wurde.

Die Rede ist von dem schon vor einigen Jahren von Bürgermeister Dr. Franz Kahle (Grüne) aufgebrachten Idee, zu Verbesserung der Verkehrs-Infrastruktur auf die Lahnberge eine Seilbahn von der Talstation im Lahntal bis zur Bergstation am Uni-Klinikum auf dem Berg zu bauen. Mittlerweile ist klar, dass so eine Seilbahn wohl rund 50 Millionen Euro kosten würde. Technisch ist der Seilbahnbau jedenfalls machbar. Das jedenfalls besagen zwei von der Stadt in Auftrag gegebene Gutachten, deren Ergebnisse bereits bei einer Informationsveranstaltung auf den Lahnbergen öffentlich vorgestellt wurden.

Erste konkrete Schlussfolgerungen aus den Gutachten

Doch entgegen der aufgeregten Stimmung im Parlament wurde gestern nicht um einen Beschluss für den Bau einer solchen Seilbahn, sondern um eine Magistratsvorlage unter der Überschrift „Klimaschutzteilkonzept - Klimafreundliche Mobilität - Projekt Lahnberge“, die erste konkrete Schlussfolgerungen aus den Gutachten zieht, mit deren Hilfe der Autoverkehr auf die Lahnberge zum Klinikum und den naturwissenschaftlichen Instituten der Universität reduziert werden könnte. Unstrittig war bei allen Fraktionen dabei eine Schlussfolgerung, die auf einen deutlichen Ausbau und eine Verbesserung der Radwege auf die Lahnberge zielt.

Für die ersten dafür notwendigen Vorplanungen wurde bereits Geld in den Doppelhaushalt 2015/2016 eingestellt, erläuterte Bürgermeister Kahle. Auch die Verbesserung des Busverkehrs auf die Lahnberge eint alle Parlaments-Fraktionen. In der Magistratsvorlage steht, dass es als Schlussfolgerung aus den Gutachten weitere Prüfschritte zum Seilbahnkonzept geben soll. Genau das will die CDU verhindern. Die Seilbahn sei zu teuer, zu unwirtschaftlich und ökologisch nicht sinnvoll, sagte Joachim Brunet (CDU). „Wir brauchen keine Seilbahn. Deswegen ist es nicht sinnvoll, die Planung weiterzuverfolgen“, ergänzte CDU-Fraktionschef Wieland Stötzel.

Feststellung der technischen Machbarkeit für die Seilbahn

Dem dahingehenden Änderungsantrag, einen Schlussstrich unter das Projekt Seilbahn zu ziehen, schloss sich aber nur das bürgerliche Lager aus CDU, FDP, BfM und einem MBL-Abgeordneten an. Die rot-grüne Mehrheit und die „Marburger Linke“ (ML) sowie der „Piraten“-Vertreter stimmten dagegen. Die ML bestand aber auf einer Protokollnotiz, wonach dieses Votum keine Zustimmung für die Seilbahn-Aufstellung sei.

Dezidierte Absetzbewegungen von dem Seilbahn-Vorhaben waren aber auch bei den Sozialdemokraten zu erkennen: So führte Uli Severin (SPD) Argumente dagegen ins Feld: Die Seilbahn sei schon deswegen eine „Mogelpackung“, weil die Fahrzeit von zehn Minuten sich beispielsweise für alle Nutzer aus den Stadtteilen wie Marbach, Cappel oder Wehrda deutlich verlängere. „Wir werden die Verabschiedung des Seilbahn-Projekts auf einen späteren Zeitpunkt vertagen“, sagte Severin. Das führte nicht zu Begeisterungsstürmen beim grünen Koalitionspartner. Deswegen verwies SPD-Fraktionschef Steffen Rink unmittelbar auf den rot-grünen Koalitionsvertrag, um die Ablehnung des CDU-Vorschlags zu begründen. Zudem gehe es jetzt in der Magistratsvorlage nur um die Feststellung der technischen Machbarkeit der Seilbahn.

Getrennte Abstimmung über Magistratsvorlage

Argumente für eine Seilbahn auf die Lahnberge kamen hingegen von Dr. Elke Neuwohner (Grüne). „Eine Seilbahn hat die höchste Transport-Kapazität. Sie ist schnell und hat eine gute Energiebilanz“, sagte die Stadtverordnete und OB-Kandidatin.

Bürgermeister Kahle, der Initiator des Seilbahn-Vorhabens, warb am Ende der Debatte dafür, „das Thema gelassen anzugehen“ und verfiel in einem humoristischen Teil seines Debattenbeitrags sogar einmal in eine Mischung aus Schweizerdeutsch und Österreichisch. Zudem machte er deutlich, dass er für den Fall einer möglichen Realisierung des Projektes durchaus auf eine sehr hohe Förderung aus verschiedenen Landestöpfen hoffe.

Über die Magistratsvorlage wurde getrennt abgestimmt. Der Teil mit dem Radwege-Ausbau fand einstimmige Zustimmung, dem Rest stimmten die bürgerlichen Parteien nicht zu.

von Manfred Hitzeroth

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