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Modellprojekt für vernetzte Behandlung

Zwangserkrankungen Modellprojekt für vernetzte Behandlung

Das Marburger Forum Zwangserkrankungen ist ein Modellprojekt zur Verbesserung der Versorgung von Zwangspatienten. Jetzt haben sich die beteiligten  Psychiater und Psychotherapeuten als Verein organisiert.

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Übermäßig häufiges Händewaschen kann Anzeichen für eine Zwangserkrankung sein.

Quelle: Uta Herbert / pixelio.de

Marburg. Obwohl sich die Behandlungsmöglichkeiten der Zwangserkrankung in den letzten Jahren deutlich verbessert haben, ist die Versorgung dieser Patienten oft noch unzureichend, erklärt Dr. Hans Onno Röttgers, leitender Psychologe an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie.

Das Marburger Forum Zwangserkrankungen als ein interdisziplinäres Netzwerk biete durch verschiedene Angebote für Behandler, Betroffene und Angehörige eine verbesserte Vernetzung zwischen den stationären sowie ambulanten Behandlungsbereichen. Zudem organisiert es Fort- und Weiterbildungsangebote.

Neben der hohen Belastung durch Einschränkungen im alltäglichen Leben erschwert, so Röttgers, eine massive Angst vor Stigmatisierung das Leben eines Zwangspatienten. So erwarten 80 Prozent der Patienten Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt und 75 Prozent Schwierigkeiten bei der Partnersuche, falls ihre Erkrankung öffentlich bekannt werden sollte.

Röttgers tellt Strategien vor

Der Schritt, professionelle Hilfe aufzusuchen, fällt dennoch sehr schwer und wird nur von etwa einem Drittel der Betroffenen gegangen.

„Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren durch Optimierung von psychotherapeutischen und pharmakologischen Behandlungsstrategien aber deutlich verbessert“, sagt Röttgers. Dennoch würden diese Strategien nicht flächendeckend angeboten. Eine Studie belegt, dass knapp die Hälfte der Zwangserkrankten keine professionelle Hilfe erhält.

Der Verein „Forum Zwangserkrankungen“ will dies ändern. Die Strategie, die Röttgers ausgearbeitet hat, umfasst

- eine Verbesserung der Beratung von Betroffenen hinsichtlich ihrer Erkrankung und potentieller Therapiemöglichkeiten

- Verbesserung des Austausches zwischen den Betroffenen und Angehörigen

- Verbesserung sowohl ambulanter als auch stationärer Therapieangebote. Eine spezialisierte Behandlung der Zwangserkrankung muss das Kernstück der Versorgung bilden.

- Möglichst nahtlose und qualifizierte ambulante therapeutische Angebote nach einer stationären Therapie. Die größte Herausforderung für Zwangspatienten nach einem stationären Aufenthalt ist die Wiedereingliederung in das häusliche Umfeld und die Bewältigung des alltäglichen Lebens.

- Selbsthilfegruppe, eine regelmäßige Diskussionsveranstaltung mit Betroffenen, Angehörigen und Experten und Angehörigenseminare.

Dieses Behandlungsangebot wurde an der Marburger Uniklinik und unter Mitwirkung ambulanter Einrichtungen und Therapeuten „erstmals“, so Röttgers,  realisiert und besitze Modellcharakter.

„Wie immer ist es möglich, mit einem Modellvorhaben wichtige Erfahrungen zu sammeln, bestehende Defizite und Begrenzungen aufzuzeigen und diese durch Weiterentwicklung des integrativen Behandlungskonzeptes zu überwinden“, zeigt Röttgers die Perspektiven auf.

von Till Conrad

Achim Mayer (von links), Dr. Hans Onno Röttgers, Miriam Andrä-Welker und Peter Düsel sind der Vorstand des Forums Zwangserkrankungen. Privatfoto
 
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